04/2019

In diesem Heft

Tipp

Gregg Araki führt in seiner Serie »Now Apocalypse« Themen und Motive seiner früheren Filme mit neuer Energie und queerer Selbstverständlichkeit fort
J. C. Chandor hat mit »Triple Frontier« für Netflix einen superben und doch subtilen Actionfilm gedreht – mit Ben Affleck, Oscar Isaac, Charlie Hunnam, Garrett Hedlund und Pedro Pascal
30. April – 5. Mai, Schwerin – Vier Wettbewerbe bietet das Festival in Mecklenburg-Vorpommern an: Spielfilm, Kinder- und Jugendfilm, Dokumentarfilm sowie Kurzfilm. Ehrenpreisträgerin ist in diesem Jahr Katharina Thalbach, während Irland als Gastland vorgestellt wird und mit aktuellen Filmarbeiten sowie einem vielfältigen Rahmenprogramm in den Fokus rückt. In dieser Sektion läuft auch »Black 47«, der bei uns nie im Kino zu sehen war.
30. April – 5. Mai, Stuttgart – Das Festival hat sich mittlerweile zu einem Dreh- und Angelpunkt des internationalen Animationsfilmschaffens entwickelt. Gleichzeitig bietet das Festival Filmemachern, Produktions- und Verleihfirmen die Möglichkeit, ihre Filme und transmedialen Projekte einem großen Publikum näherzubringen. Der Schwerpunkt wird in dieser Ausgabe »Europa« sein. Daneben wird es ein kuratiertes Programm zur Verbindung von Wissenschaft und Animation geben.
25.–30. April, Linz – Das Festival konzentriert sich seit 2004 auf das europäische Autorenkino. Zu entdecken gibt es nicht nur eine Auswahl hochkarätiger europäischer Produktionen, sondern auch ausgewählte Highlights der vergangenen Festivalsaison aus Cannes, Venedig oder der Berlinale. In der Sektion »Spotlight« wird die Regisseurin, Produzentin, Lektorin und Filmkonservatorin Iris Elezi aus Albanien diverse Arbeiten aus ihrem Heimatland, aktuell wie historisch, präsentieren.
24.–28. April, Potsdam – Studierende der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf organisieren jährlich das größte Studierendenfilmfestival Europas. Das diesjährige Festival steht unter dem Motto »explore«, mit Filmen, die sich sowohl ästhetisch als auch inhaltlich auf unbekannte Wege begeben. Dazu gibt es den Fokus Produktion, in dem Studierende aus diesem Bereich Projekte präsentieren. Die neue Sektion 360°-Film und die Future-Sektion zeigen ein speziell ausgewähltes Programm für Kinder ab 6 und Jugendliche ab 12 Jahren.
10.–17. April, Tübingen, Stuttgart, Freiburg, Reutlingen – Das CineLatino findet parallel zum CineEspanol statt. Das beliebte Publikumsfestival in verschiedenen Städten Baden-Württembergs weiß neben dem Wettbewerb sein Publikum mit Retrospektiven, Werkschauen, Diskussionsrunden, Konzerten, Partys und Ausstellungen zu begeistern. Ein Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf dem Filmland Costa Rica.
9.–14. April, Dresden – Das Festival an der Elbe hat sich mittlerweile zum höchstdotierten Kurzfilmfestival in Europa entwickelt. Neben dem Wettbewerb findet man ein umfangreiches Zusatzangebot aus Länderschwerpunkten, Retrospektiven, Jugend- und Kinderfilmen. Daneben begleitet die Sektion »etc. – events. trainings. connections« das Filmfest und ergänzt dieses mit Podiumsdiskussionen, Vorträgen, Workshops und Ausstellungen.
9.–14. April, Dortmund – Das Festival zeigt jährlich abwechselnd in Dortmund und Köln aktuelle und ältere Werke, die von Frauen gedreht oder produziert wurden, aufgeteilt in die drei Sektionen Panorama, Querblick und einen Länderfokus. Dieses Jahr trägt der Fokus den Titel »Bilderfallen: Täuschung, Tarnung, Maskerade «. Dabei sollen die Versteckspiele der Filme, der Darsteller und ihrer Figuren reflektiert werden. Einer der Filme dieses Programms ist der surreale Animationsfilm »The Man Woman Case«.
3.–7. April, Halle (Saale) – Das Kurzfilmfestival hat dieses Mal »Mut/ Courage« zum Thema. Die Kurzfilme werden in drei Wettbewerben vorgestellt (international, Dokumentarfilm und Kinderfilm) und ergänzt durch ein kuratiertes Kurzfilmprogramm. Die Kurzfilme, die hier gezeigt werden, müssen formal und inhaltlich ungewöhnlich sein.
10.–16. April, Wiesbaden – Das Festival des mittel- und osteuropäischen Films bietet auch in diesem Jahr ein breit angelegtes Programm. Das Kernstück bildet wie immer der Wettbewerb aus rund zehn Spiel- und sechs Dokumentarfilmen. Als Eröffnungsfilm läuft »Gott existiert, ihr Name ist Petrunya« der mazedonischen Regisseurin Teona Strugar Mitevska, die in diesem Jahr auch die Präsidentin der Jury ist. Eine Hommage ist dem polnischen Regisseur Krzysztof Zanussi gewidmet, der auch anwesend sein wird und seinen neuen Film »Eter« vorstellt.
Der Maler Julian Schnabel hat einen Film über den berühmtesten Wegbereiter der modernen Malerei gedreht, mit einem grandiosen Willem Dafoe in der Hauptrolle
am So., 07.04. in Frankfurt am Main – epd-Film-Autor Ulrich Sonnenschein spricht mit Veit Helmer über seinen Film »Vom Lokführer, der die Liebe suchte...«

Thema

George R.R. Martin hat seine Romane noch nicht abgeschlossen. Aber im Fernsehen geht »Game of Thrones« ab dem 14. April in die letzte Runde. Winterstürme oder Wonnemond?
Seit vierzig Jahren ist er im Geschäft. Und hat nie einen Karriereknick erlebt. Als »Van Gogh« zeigt Willem Dafoe, woran das liegt: Er schöpft alle Möglichkeiten seines Berufs aus. Ein Porträt
Vom »interaktiven Film« träumt die Unterhaltungsbranche seit 30 Jahren. Hat nie richtig geklappt. Aber jetzt scheint es einen Durchbruch zu geben
Unsere "steile These" des Monats April
Mit so unterschiedlichen Filmen wie »Elliot, der Drache« und »A Ghost Story« hat der Regisseur David Lowery sich als feste Größe etabliert – und arbeitet doch irgendwie unter dem Radar. Der Start seines neuen Films »Ein Gauner & Gentleman« mit Robert Redford bietet willkommenen Anlass für einen näheren Blick auf sein Werk

Meldung

Filmkritik

Die Neuverfilmung der in der DDR beliebten Kinderbücher ist mit ihrer durchaus originellen Hauptfigur ein Plädoyer für Fantasie und Eigenheiten und setzt in der Erzählweise stark auf Slapstickmomente: »Alfons Zitterbacke – Das Chaos ist zurück«
Der neueste vom Nickelodeon-Studio koproduzierte Film »Willkommen im Wunder Park« beeindruckt durch seine technische wie dramaturgische Perfektion und erzählt nebenbei noch eine zauberhafte Geschichte über die Macht der Fantasie
Jan Haft, Deutschlands bekanntester Naturfilmer, hat mit den Mitteln modernster Technik einem bekannt scheinenden Biotop um die Ecke ganz neue Nuancen abgewonnen – und warnt auch vor dessen Verschwinden
Ein traumatisierter Künstler flüchtet sich in eine Traumwelt, die er als Miniatur in seinem Garten nachbaut. Grandios verknüpft Oscar-Gewinner Robert Zemeckis in »Willkommen in Marwen« Real- und Animationsfilm, die Geschichte bleibt platt
Ruhige, mäandernde Doku über Sun City, Arizona – eine Stadt nur für Rentner. In stimmungsvollen Bildern, allerdings auch zum Teil in zu unkritischem Ton, porträtiert »Gestorben wird Morgen« einige der betagten Einwohner
Harmony Korines Komödie »Beach Bum« über einen verschrobenen Poeten in Miami Beach hat Charme, wirkt aber zu kalkuliert, um als echte Stoner-Komödie zu funktionieren
Die Präsentation von drei sozial und ökologisch vorbildhaften Unternehmen und ihren Machern kann trotz interessanter Einblicke in deren Motivation argumentativ nicht wirklich überzeugen
Gelungene Mischung aus Familiengeschichte und Abenteuerfilm, die am Ende in einem visuell und emotional berührenden Moment des Staunens kulminiert
In der Rolle eines Bankräubers und Ausbrecherkönigs zieht Robert Redford eine kleine Summe seiner Leinwandfiguren und findet in Sissy Spacek und Casey Affleck wunderbare Mit- und Gegenspieler: »Ein Gauner & Gentleman«
Aus rund 600 Stunden Material hat der bulgarische Regisseur Andrey Paounov die Chronik der Floating Piers von Christo zusammengestellt und gibt dabei zugleich Einblick in diese besondere Form des mobilen Künstlerateliers mit ihren komplexen Verflechtungen mit der Natur, der Bürokratie, der Politik und dem Kunstmarkt
Der Möbelpacker Walter trifft bei einer Zwangsräumung zufällig auf seinen Sohn, den er Jahrzehnte nicht gesehen hat. David Nawraths Spielfilmdebüt »Atlas« kommt teils bedeutungsschwanger daher, ist aber dennoch eine originelle Erzählung über den »kleinen Mann« und die virulente Mietproblematik
Im Jahr 2015 raubte eine Rentner-Gang den Tresorraum einer Bank im Londoner Diamantenviertel aus. Glänzend besetzt mit Michael Caine, Jim Broadbent, Tom Courtenay, Ray Winstone sowie Michael Gambon schlägt »Ein letzter Job« leider nur zu erwartbar humoristisches Kapital aus den Gebrechen seiner betagten Protagonisten
Der Maler Julian Schnabel porträtiert den Maler Vincent Van Gogh in seinen letzten Lebensjahren. Mehr ein Essay denn ein konventionelles Biopic
Der Kampf einer Firmenbelegschaft gegen ihre Entlassung, geschildert in oft fiebrigen, pseudodokumentarischen Bildern und mit dem kraftvollen Vincent Lindon als Wortführer in einem ansonsten stets vielstimmigen Film. Kämpferisch, aber nicht eindimensional legt der Film den Finger in die offene Wunde der »Gesetze des Marktes«
Mit seiner assoziativen Montage aus berühmten Filmszenen, Gemälden und Zitaten aus Literatur und Philosophie entwirft Godard ein tendenziöses Geschichtsbild, das viele Fragen aufwirft: »Bildbuch«
Fast zwanzig Jahre nach dessen Tod setzt sich Andreas Goldstein in einer offenen dokumentarischen Annäherung an seinen Vater Klaus Gysi auch mit dem verlorenen Land seiner Kindheit und Jugend auseinander: »Der Funktionär«
Für die Dokumentation über die Entstehung des Centro Botín im spanischen Santander hat Renzo Piano dem Regisseur Carlos Saura exklusive Einblicke in die Planung und den Bau des Gebäudes gewährt – mit dem Ergebnis, dass es dem Film an Distanz fehlt
Es ist erstaunlich, wie viele unentdeckte Orte grenzenloser Gewinnsucht es noch gibt, an denen sich niemand Gedanken über die Umwelt macht. Einer dieser Orte ist Fort McMurray in Kanada. Dort wird aus dem Sand der Landschaft Öl gewonnen. Wie, das zeigt dieser nicht nur inhaltlich ganz besondere Film: »Dark Eden«
Der Dokumentarfilm erinnert an einen wohlhabenden Hamburger Mäzen, der zunächst von den Nazis beraubt, aufgrund seiner Doppelrolle als »getaufter Jude« jedoch nicht angemessen entschädigt wurde
In der Fortsetzung der Erfolgskomödie »Monsieur Claude und seine Töchter« muss Reaktionär Claude seine Schwiegersöhne vom Auswandern abbringen, ein Vorhaben, das immer noch eine erstaunliche Bandbreite von albernen bis giftigen Witzen zeitigt
Im Österreich der späten 50er Jahre reibt sich ein Zwölfjähriger erst am strengen Patriarchat seines Vaters, dann am Diktat eines katholischen Internats. Schrill-schräge, gleichwohl mit großem Aufwand produzierte Adaption von André Hellers autobiografisch gefärbtem gleichnamigen Buch »Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein«
Genügt es, nur Bericht zu erstatten von den Gräueln eines Bürgerkriegs? In der Verschmelzung von 3-D-Animation und Dokumentaraufnahmen versucht »Another Day of Life« den Konflikt zu erforschen, der den Kern der Reportagen von Ryszard Kapuściński ausmachte
Interessantes Kinodebüt über einen jungen Mann, der sich in seinem Zimmer einschließt und so der Welt zu entrinnen versucht. Eine weitere, ebenso überzeugende Variante des japanischen Hikikomori-Phänomens, das Jugendliche bezeichnet, die sich aus Gründen von Stress und Überforderung von der Gesellschaft zurückziehen: »Goliath96«
Sehr frei haben die Lauenstein-Brüder das Märchen der Bremer Stadtmusikanten uminterpretiert und aus den altersschwachen Tieren eine schlagkräftige animierte Agententruppe aus Tieren gemacht, die trotz ihrer jeweiligen Ticks zu einer eingeschworenen Gemeinschaft zusammenwächst
David Dietl hat für seinen Dokumentarfilm »Berlin Bouncer« jahrelang drei Türsteher im Berliner Nachtleben begleitet, ihr Vertrauen gewonnen, ihre gebrochenen Biografien durchleuchtet. Entstanden ist eine melancholisch gefärbte Rückschau auf die Historie der Berliner Clubszene seit dem Mauerfall
Im einem menschenfeindlichen, vom Schneesturm gepeitschten Moskau lässt eine mittellose Kirgisin ihr Neugeborenes im Krankenhaus zurück und kämpft ums Überleben: Sergey Dvortsevoys Film »Ayka« ist das erschütternde Porträt einer Mutter am Abgrund. Für ihr packendes Spiel wurde Samal Yeslyamova in Cannes ausgezeichnet
Die Ehefrau eines britischen Besatzungsoffiziers und ein Deutscher verlieben sich wenige Monate nach Kriegsende 1945: »The Aftermath« birgt eine spannende Konstellation in sich, ist in der Umsetzung aber leider recht zerfahren, oberflächlich und mehr Soap denn großes Historiendrama
Wir
Weder die formale Brillanz der Inszenierung noch Lupita Nyong'os mitreißendes Spiel können in Jordan Peeles zweiter Regiearbeit »Wir« völlig die Schwächen eines Drehbuchs verbergen, das zu viel will
Die Fabel zweier seltsamer Außenseiter, die sich an einer Grenze begegnen und gemeinsam Grenzen überschreiten. Ein mythopoetischer Kommentar zum Phänomen der Ausgrenzung, der im gegebenen Kontext von Flucht und Anpassung auch politisch gelesen werden kann: »Border«
Marvels erster Superhelden-Film, in dessen Mittelpunkt eine Frau steht, ist ein munteres Spektakel, das die Genealogie einer der mächtigsten Heldenfiguren des Comic-Universums erzählt: »Captain Marvel«
Die Schließung des Scala-Kinos in Konstanz 2016 weitet Douglas Wolfsperger in seinem Dokumentarfilm »Scala Adieu« zu einer Reflexion über Kino-Emotionen und Kulturignoranz aus
Muayad Alayan erzählt die Geschichte einer jüdisch-palästinensischen Mesalliance in Jerusalem mit viel Sinn für Zwischentöne: »Der Fall Sarah & Saleem«
Endlich mal wieder eine Komödie über Menschen mit Behinderungen, die sich was traut, die zugleich respektlos und zärtlich ist, wahrhaftig und märchenhaft, mit einer irren Geschichte und einem tollen Ensemble!
Ein episches Drama über die Ursprünge der Drogenkartelle in Kolumbien. Der Aufstieg einer indigenen Familie zum reichen und mächtigen Gangsterclan und ihr tiefer Fall werden zur blutigen Fabel vom Untergang einer ganzen Kultur. Virtuos vermischt »Birds of Passage« dabei Motive des ethnographischen, des Gangsterfilms und des Western

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