Kritik zu Willkommen in Marwen

deutsch © Universal Pictures

Robert Zemeckis verfilmt die wahre Geschichte des traumatisierten Künstlers Mark Hogancamp in einem Mix aus Animations- und Realfilm

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Vor 30 Jahren hat Robert Zemeckis in »Falsches Spiel mit Roger Rabbit« grandios reale Filmszenen und – damals noch – Zeichentrick miteinander verbunden. Ein paar Jahre später gewann er mit »Forrest Gump« den Oscar für die beste Regie. Nun verknüpft er in »Willkommen in Marwen« Aspekte aus beiden Filmen: einzigartige Animation und die außergewöhnliche Biografie eines Außenseiters.

»Willkommen in Marwen« basiert auf einer wahren Geschichte: Im Jahr 2000 prügelten fünf rechtsradikale Hooligans den Maler Mark Hogancamp ins Koma. Er hatte sich dazu bekannt, gern Nylonstrümpfe und hochhackige Damenschuhe zu tragen. In Zemeckis Film wird es später heißen: »Sie quälen ihn, weil er anders ist.« Als Mark erwacht, hat er jegliche Erinnerung verloren. Er flüchtet sich in eine Traumwelt: Marwen, eine belgische Stadt im Zweiten Weltkrieg, die er im Miniaturformat in seinem Garten aufbaut und in der er mit Actionpuppen immer wieder teils grausame Szene nachspielt – und fotografiert: Fünf SS-Soldaten, die den fünf Hooligans nachempfunden sind, verfolgen einen GI-Joe-Typ namens Mark. Gerettet wird er von amazonenähnlichen Frauen, die ebenfalls Frauen aus seinem realen Leben nachempfunden sind. Eine Art Rache und Selbstheilung.

Filmisch grandios greift Zemeckis dies auf, lässt Mark sowie seine Retterinnen sich immer wieder in ihre Plastikversionen verwandeln, zeigt die Puppen mit ihren Scharnieren und Gelenken und doch mit ihrem menschlichen Antlitz. Steve Carell spielt den liebenswürdigen Sonderling mal mit heroischem Ernst, mal mit ergreifender Verletzlichkeit. Unter anderem Leslie Mann, Janelle Monáe und Merritt Wever leihen den weiblichen Plastikmodellen ihr Antlitz, wie auch den Figuren in der realen Welt. Spektakulär sind die Szenen, in denen sie die SS-Soldaten mit ihren Maschinengewehren durchlöchern, bis die Puppen auseinanderbrechen. Das ist bizarr und zugleich imposant. Doch berauscht sich Zameckis zu sehr an technischer Raffinesse, poliert die Geschichte auf sentimentalen Hollywood-Glanz und lässt den Plot dahindümpeln.

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