Pink Power

Unsere "steile These" des Monats April
Barabra Eden in »I dream of Jeannie«

Barabra Eden in »I dream of Jeannie«

Das geht nach #MeToo ja wohl gar nicht mehr! Die Kampagne hat uns sensibilisiert, keine Frage. Für zudringliche Blicke, degradierende Frauenbilder, Übergriffe aller Art. Ums Filmerbe tobt eine Schlacht – sie wird zu Hause geführt, auf dem Sofa, zwischen verschrammten DVDs und Wiederholungen im Fernsehen. Alte Lieblingsfilme machen plötzlich keinen Spaß mehr. Und ich zucke zusammen, wenn eine ­Serie, die ich mal geliebt habe, plötzlich in irgendeinem Spartensender aufflackert.

»Bezaubernde Jeannie« zum Beispiel. Schon immer umstritten. Eine Show um eine Frau, die den Mann, mit dem sie zusammenlebt, »Meister« nennt. Die Haremshosen trägt und e­inen Chiffon-Push-up in Rosa. Und die qua Geburt, als Dschinn, dazu verpflichtet ist, dem Erstbesten, der über ihre Flasche stolpert, zu gehorchen. Der glückliche Finder ist ein 1-A-Vorstadtspießer, arbeitet in einem technobürokratischen Männerverein – NASA – und besteht darauf, dass Jeannie den Abwasch mit der Hand macht, obwohl sie ihn mit einem ­Augenzwinkern aus der Welt schaffen könnte.

Zwinkern tut sie natürlich dann doch. Der Schlüssel zur Serie liegt in diesem Blinzeln, mit dem Jeannie mal eben eine Guillotine in Stellung bringt oder Tony in die Arktis beamt. Das ist ­Power. Schiere, reine, wundervolle Macht. Mitte der Sechziger, als übersinnlich begabte Heldinnen wie Barbara Edens Jeannie und Elizabeth Montgomerys Samantha in »Verliebt in eine Hexe« das amerikanische Vorabendprogramm aufmischten, war auch draußen ein Kampf im Gange: »Equal Pay Law«, Verbot der Diskriminierung am Arbeitsplatz, einvernehmliche Scheidung, Legalisierung von Verhütungsmitteln.

Der Geist war aus der Flasche entwichen. Und Bezaubernde Jeannie handelt vom vergeblichen Versuch, ihn wieder einzufangen. Als ich mir das so zurechtgelegt hatte, habe ich mir selbst die Absolution gegeben. Ich gucke weiter »Jeannie«, entschlossen, ihr »Ja, Meister!« einfach nur kinky zu finden. Wenn ich damit durch bin, teste ich »Denver Clan« nach. Ich erinnere mich an eine erfolgreiche Geschäftsfrau, auf die in jedem Zimmer eine eisgekühlte Champagnerflasche und ein attraktiver Kerl warten.

Meinung zum Thema

Kommentare

Ich bin heute bestürzt was man mir als Kind Jahrgang 1959 mit dieser Serie ins Leben gepflanzt hat. Ausserdem : Räume renovieren sich nicht durch einen Wimpernschlag . Ein do it your self Kurs für Kinder wäre im Nachhinein, spassig aufgemacht ,10-mal besser gewesen !

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