In diesem Heft

Tipp

23. Januar bis 3. Februar, ­Rotterdam – Als Plattform und Unterstützer des Independent-Kinos entstand das Filmfestival in Rotterdam Anfang der 70er Jahre, und es führt diese Tradition bis heute fort. Entsprechend liegt ein Schwerpunkt darauf, Filme und Filmschaffende zu fördern, sei es durch Workshop-Programme oder den eigenen Co-Production-Market. Der Fokus liegt zwar auf neueren Werken, doch bietet das Festival in seinen vier Sektionen auch Platz für themenbezogene Programme und Retrospektiven. Das Festival zeigt um die 500 lange, mittellange und kurze Filmbeiträge, im letzten Jahr gesehen von 329 000 Zuschauern
9. bis 25. Januar, Berlin – Mila Ganeva, Autorin des Buches »Film and Fashion Amidst the Ruins of Berlin. From Nazism to the Cold War« kuratiert im Zeughauskino eine Filmreihe. Es geht um deutsche Filme der Kriegs- und Nachkriegszeit, in denen Mode und Modebranche als Th emen stetig wiederkehren. In den Filmen nimmt die Bekleidung über ihren praktischen Nutzen hinaus eine tragende Rolle ein
Michael Douglas und Alan Arkin in einer tragikomischen Serie über zwei alte Showbiz-Haudegen
Amazons »The Man in the High Castle« läuft in der dritten Staffel zu großer Form auf – mit überraschenden Gegenwartsbezügen
21. bis 27. Januar, Bamberg – Als ältestes Kurzfilmfestival Bayerns ziehen die Kurzfilm­tage zum 29. Mal Filmliebhaber an. Das Programm dreht sich um den deutschsprachigen Film aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Luxemburg und Südtirol. Die Wettbewerbe in den Kategorien Kurzspielfilm, Animationsfilm, Dokumentarfilm, Experimentalfilm und Kinderfilm sprechen die vielen Facetten des Kurzfilmschaffens gezielt an
14. bis 20. Januar, Saarbrücken – Der Nachwuchsfilm des deutschsprachigen Raums steht im Fokus des traditionsreichen saarländischen Filmfestivals. Filmschaffende sind geladen, ihre Erst-, Zweit- und Drittprojekte einem stetig wachsenden Publikum zu präsentieren und sich untereinander sowie mit Branchenvertretern zu vernetzen. Spielfilm, Dokumentarfilm, Kurzfilm und mittellanger Film sind die Wettbewerbskategorien, in denen Preisgelder von 110 000 Euro ausgeschüttet werden
16. bis 20. Januar, Berlin – Erklärtes Ziel des griechischen Filmfestivals ist es, einen Einblick in die Lebensrealität Griechenlands zu geben und die Visionen der Filmschaffenden des Landes einem deutschen Publikum näherzubringen. Organisiert von dem Verein »Deutsch-Griechische Kulturassoziation«, legt das Filmfest das Augenmerk auf neuere griechische Produktionen. Eröffnet wird das Festival mit dem Film Die letzte Notiz von Pantelis Voulgaris, der eine Geschichte aus dem griechischen Widerstand gegen Nazideutschland erzählt
17. bis 20. Januar, Stuttgart – In Stuttgart werden zum 32. Mal Grenzen ausgelotet. Internationale Wettbewerbe in den Kategorien Kurzfilm, Medien im Raum und Network Culture stellen den Kern des Festivals, das dieses Jahr unter dem Thema »Wake Me Up« steht. Es soll ein Weckruf an Kreative sein, in der sich verändernden Medienwirklichkeit die eigene Rolle neu zu verhandeln und soll Zuschauer ebenso animieren, ihre Perspektive zu hinterfragen
24. bis 31. Januar, Solothurn – Länger als ein halbes Jahrhundert gibt es die Filmtage, deren Anliegen es ist, das eidgenössische Filmschaffen abzubilden. Entsprechend steht die Werkschau des Schweizer Films »Pan–orama Schweiz« im Zentrum der Aufmerksamkeit, bei der die Filmschaffenden selbst ihre Beiträge aus allen filmischen Richtungen und Genres präsentieren. Ein Publikums- und ein Jurypreis bringen den Wettbewerbscharakter in das Programm. Auch für junges Kino und Hommagen ist Platz, zudem gibt es jährlich ein Spezialprogramm um eine Persönlichkeit des Schweizer Films, in diesem Jahr ist es der Schauspieler Bruno Todeschini (»Lourdes«, »Orly«)
Das Schicksal eines etwa 12-jährigen Jungen in den Elendsvierteln von Beirut, erzählt mit erstaunlicher Unmittelbarkeit und Authentizität, am Ende leider etwas didaktisch und emotional überbetont
am So., 27.01. in Frankfurt am Main – epd-Film-Redakteur Rudolf Worschech spricht mit Anca Miruna Lăzărescu über ihren Film »Glück ist was für Weicheier«

Thema

epd-Film-Autoren über die furchterregendsten, schockierendsten und rätselhaftesten Momente ihrer persönlichen Kinogeschichte
Zu viel Champagner, ­groteske Perücken, ­barbarischer Sex, ­Gewalt und mörderische Machthaber. Alles Symptome des ­Niedergangs? Zum Start des historischen Intrigenspiels »The Favourite« ­erkundet Georg Seeßlen das Kino der Dekadenz
Unsere "steile These" des Monats Januar
Steve Carells Kinokarriere kam nur langsam in Fahrt, nach seinen Erfolgen als TV-Comedian in Jon Stewarts »Daily Show«, in »The Office« und dann einigen Kino­liebeskomödien gelingt es ihm nun zunehmend, auch in dramatischen Rollen zu überzeugen
Sein neuer Film »Shoplifters« hat in Cannes die Goldene Palme gewonnen. Aber Hirokazu Kore-eda ist schon lange Japans wichtigster Auteur

Meldung

Ein Nachruf auf den am 26. November verstorbenen Regisseur

Filmkritik

Der würdige Nachfolger von »Ralph reicht's« besitzt wieder eine selbstreflexive Komponente, in die hier auch andere Disney-Figuren und weitere, mittlerweile von Disney erworbene Franchises integriert werden: »Chaos im Netz«
In dem düsteren Familiendrama erzählt Felix Hassenfratz von inzestuösem Missbrauch und was er nicht nur mit den unmittelbaren Opfern macht. »Verlorene« überzeugt mit einem starken Ensemble, allen voran Maria Dragus und Anna Bachmann, aber auch Clemens Schick und Enno Trebs. Aber der Regisseur und Drehbuchautor überlädt diese beklemmende Geschichte. Der durchweg badische Dialekt ist eine zusätzliche Herausforderung
Mit einem wirren Mix aus Anspielungen und reißerischer Action wird in dieser Neuauflage des klassischen Volksmärchens versucht, Robin Hood zum hippen Revolutionär »The Hood« weiterzuentwickeln
Ein Vater versucht verzweifelt, seinen Sohn aus der Drogensucht zu befreien. Klug aufgebaut und sehr gut gespielt, verliert »Beautiful Boy« durch die allzu gediegene Inszenierung an Kraft und entwickelt nicht die dem Thema angemessene verstörende Wucht
Jason Reitmans minutiöse Analyse des Sexskandals um den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Gary Hart im Wahlkampf 1988 verweigert sich konsequent der konventionellen Spannungsdramaturgie: »Der Spitzenkandidat«
Spielfilmdebüt mit dokumentarischem Charakter über eine Theatergruppe, die zu Recherchezwecken nach Auschwitz fährt. Trotz einiger gelungener Momente bleibt die Handlung zu ungenau: »Hotel Auschwitz«
Den veränderungswütigen Sommer 1989 in Deutschland inszeniert der Film »Adam und Evelyn« als melancholischen Abschied von der DDR. Mit komischen und anrührenden Momenten
Yorgos Lanthimos mal nicht hermetisch, sondern schwung- und lustvoll und sehr zugänglich: Sein Historiendrama »The Favourite« über Polit- und Liebesintrigen am Hof der englischen Königin Anne ist ein bitterböses Dekadenzbild mit aktuellen Bezügen. Emma Stone, Rachel Weisz und ganz besonders Olivia Colman begeistern als zentrales Trio
Ein Flüchtlingsfilm mit einer ungewöhnlichen Perspektive. Zweimal ist Yves von Marokko nach Europa übergesetzt. Doch die Doku folgt ihm nur am Rande, sie beschäftigt sich mit seiner Familie in Kamerun – und den Hoffnungen, die sie in ihn setzt
In ihrem Kinodebüt macht Josie Rourke zusammen mit Saoirse Ronan und Margot Robbie die höfischen Intrigen des 16. Jahrhunderts zu einem Politthriller, der bis in die Amtszeiten von Maggie Thatcher und Angela Merkel hineinstrahlt: »Maria Stuart, Königin von Schottland«
Eine feministische Mutter versucht damit klarzukommen, dass ihre pubertierende Tochter zum Islam konvertiert ist. Trotz der gut aufgelegten Hauptdarstellerin Caroline Peters zieht die Culture-Clash-Komödie nicht und hinterlässt mit seiner unglücklichen Erzählhaltung einen bitteren Beigeschmack: »Womit haben wir das verdient?«
Mit minimalistischen, aber sinnlichen Bildern wird dieses französische Drama über ein kriegsversehrtes Frauendorf, in das ein Unbekannter gerät, zu einer Studie über Begehren und Überlebenswillen von Frauen: »Das Mädchen, das lesen konnte«
Das Schicksal eines etwa 12-jährigen Jungen in den Elendsvierteln von Beirut, erzählt mit erstaunlicher Unmittelbarkeit und Authentizität, am Ende leider etwas didaktisch und emotional überbetont: »Capernaum«
Sensibler Dokumentarfilm über die Geschwister von Kindern, die an einer chronischen oder gar lebensbedrohenden Krankheit leiden. »Unzertrennlich« ist sehr gut beobachtet und unaufdringlich realisiert
Philipp Hirschs Debüt »Raus« ist eine moderne Aussteigerfabel, die durch ihre unerwartete Pointe überzeugt
Die Komödie »Kalte Füße« über einen netten Kleinkriminellen, der notgedrungen zum Pfleger eines durch einen Schlaganfall gezeichneten Millionärs wird, kommt über flaue, manchmal auch geschmacklose Gags nicht hinaus
Packend und kurzweilig ist dieses Box-Sequel, für dessen Inszenierung dieses Mal Steven Caple Jr. verantwortlich zeichnete, ohne Frage, und »Rocky«-Nostalgiker kommen genauso auf ihre Kosten wie Fans von Michael B. Jordan. Schade nur, dass nicht nur die Handlung, sondern auch das latent reaktionäre Männerbild in »Creed II« allzu erwartbar daherkommen
Überraschend kehrt der 19-jährige Ben am Weihnachtsmorgen aus seinem Entzugsprogramm in die Familie zurück. »Ben Is Back« ist eine leise, zunehmend dramatische Studie über Ko­abhängigkeit, in der Julia Roberts und Lucas Hedges die rohen Gefühle ihrer Figuren fast ohne Worte vermitteln
Christian Frei erzählt von der anstehenden biotechnologischen Revolution im Spannungsfeld zwischen archaisch anmutenden sibirischen Elfenbeinjägern und modernster Hightech-Wissenschaft: »Genesis 2.0«
Ein in der Form ärgerlich konventionelles Familienporträt über den ehemaligen CSU-Granden Leo Wagner, das nichtsdestotrotz aufschlussreiche Einsichten in die Verhältnisse der mittleren Bonner Jahre bietet: »Die Geheimnisse des schönen Leo«
Die schöne alte Vintage-Polaroid-Kamera entpuppt sich als verfluchter Gegenstand und zieht allerhand standardisierten Horrorfilm-Kokolores nach sich, der das eigentlich brisante Thema um Mobbing und Missbrauch unter sich begräbt
Wieder mal ein besserer Michael Moore: Mit einem bissigen und streckenweise auch analytischen Rundumschlag beschreibt der Dokumentarfilmer das zerrissene Land, das Trump den roten Teppich ausrollte: »Fahrenheit 11/9«
In einer Mischung aus Erzählung und Tanz porträtiert die Regisseurin Icíar Bollaín in »Yuli« den weltbekannten kubanischen Balletttänzer Carlos Acosta. Ein originelles, angenehm geerdetes Biopic, dem gelegentlich allerdings seine innere erzählerische Spannung abhandenkommt
Caroline Link und Hape Kerkeling lassen die 70er Jahre im Pott neu vor unseren Augen entstehen. Die Kindheitsgeschichte des Entertainers inszeniert Link ganz im Sinne der Literaturvorlage – humorvoll, traurig und mit viel Optimismus für die Zukunft: »Der Junge muss an die frische Luft«
In ihrem ersten englischsprachigen Film sympathisiert Haifaa Al-Mansour spürbar mit Mary Shelleys Kampf um Freiheit und Selbstverwirklichung, überlässt es aber weitgehend ihrer Hauptdarstellerin Elle Fanning, dieses Ringen zu vergegenwärtigen
In seinem Cannes-Gewinnerfilm »Shoplifters« zeichnet Kore-­eda das sensible Porträt einer eigentümlichen Familie von Dieben und Betrügern. Sein stiller Film ist gleichermaßen das Por­trät japanischer Rezessionsverlierer und eine Reflexion über die Definition von »Familie«
Glenn Close spielt die zurückgesetze Gattin eines Nobelpreisträgers als kultivierte Frau von großer Selbstkontrolle. Die Verfilmung des Meg-Wolitzer-Romans »The Wife« ist ganz ihr Film, aber zugleich auch ein Kabinettstück über die Sexismen des Literaturbetriebs
Spannende Spurensuche im ländlichen Iran – Regisseur Jafar Panahi (»Taxi Teheran«) spielt sich in »Drei Gesichter« erneut selbst und begibt sich in dieser gekonnten Mischung aus Doku und Fiktion auf die Suche nach einem angeblich in den Selbstmord getriebenen Mädchen
Eine junge Frau, von Geburt an stumm, lebt ein naturverbundenes und unabhängiges Leben in der Provinz. Der soziale Druck von Familie und Umfeld auf sie ist allerdings immens: »Sibel«
Porträt der Künstlerin als junge Frau: Mit zwei herausragenden Darstellern, Keira Knightley und Dominic West, erzählt »Colette« mit präzisem Blick für Zwiespältigkeit von den frühen Jahren der später erfolgreichen Schriftstellerin
In der nostalgieseligen Fortsetzung des Musicalklassikers um ein zauberhaftes Kindermädchen wird der einstige Kernkonflikt zwischen strengem Vater und kindlichem Freiheitsbedürfnis durch ein vergleichs­weise banales Abenteuer ersetzt: »Mary Poppins' Rückkehr«
In einer Silvesternacht sollen vier Randgestalten in einem abgelegenen Haus über den Fortbestand der Menschheit entscheiden, denn Gott persönlich gesellt sich zu ihnen. Caye Casas und Albert Pintó legen ihr Spielfilmdebüt »Killing God« als schwarze Komödie an und verlieren sich dabei in Splatter und Klamauk
Prallbunt-spektakulärer Superheldenfilm, der beinahe eine sinnhafte Geschichte erzählt hätte, aber nur beinahe. Davon abgesehen kann man sich an ernstzunehmenden Mimen erfreuen, die kindischen Unfug treiben. »Aquaman« ist ein hübsch verpacktes Tischfeuerwerk
Der Animationsfilm »Spider-Man: A New Universe« aus dem Marvel-Universum ist visuell reizvoll gestaltet, weist aber Defizite in der erzählten Geschichte auf

Film