In diesem Heft

Tipp

27. Januar bis 2. Februar, Bamberg – Beim oberfränkischen Kurzfilmfestival präsentieren sich binnen einer Woche Jahr für Jahr um die 150 Filme. Das durch einen gemeinnützigen Verein organisierte Festival verleiht Preise in sieben Kategorien, darunter auch einen Publikumspreis. Für einige Gattungen, etwa Spielfilm, Dokumentarfilm, Experimentalfilm oder Kinderfilm, gibt es eigene Sektionen.
22. bis 29. Januar, Solothurn – Mit der neuen Leiterin Anita Hugi geht das renommierte Festival des Schweizer Films in die 55. Runde. Zentrales Anliegen ist es, das heimische Filmschaffen auszustellen, Produzenten, Regisseure und Autoren in Solothurn zu versammeln und einen Austausch zu fördern. Als Eröffnungsfilm läuft »Moskau einfach!« von Micha Lewinsky, der ein dunkles Kapitel der jüngeren Schweizer Geschichte beleuchtet.
15. bis 19. Januar, Berlin – Als kultureller Vermittler in den deutsch-griechischen Beziehungen wurde 2015 das Festival des griechischen Films aus der Taufe gehoben. Die besondere Ästhetik modernen griechischen Filmschaffens soll Anstoßpunkt für Austausch und Diskussion sein. Der diesjährige Eröffnungsfilm ist der auf 16 Millimeter gedrehte »Winona« von Regisseur Alexandros Voulgaris, der als »The Boy & Miss Trichromi« vor der Aufführung Teile des Soundtracks performen wird.
12. Januar bis 26. Februar, Wien – Gleich zwei Skandalfilmschaffende holt sich das Österreichische Filmmuseum ins Haus. 21 Produktionen des 1997 gestorbenen Marco Ferreri werden gezeigt, darunter auch der Skandalfilm »Das grosse Fressen« mit Marcello Mastroianni sowie sein letztes Werk »Silbernitrat« von 1996. Catherine Breillat (»Romance XXX«, »Meine Schwester«) wird am 17. und 18. Januar zu Gast sein, um Teile ihres sehr persönlichen, früher als pornografisch umstrittenen Werks vorzustellen.
16. bis 22. Januar, Berlin – Beim 13. Festival des britischen Kurzfilms findet Filmkunst von der Insel den Weg in die bundesdeutsche Hauptstadt. Aus sämtlichen Genres und Gattungen setzt sich das Programm zusammen, Spielfilme können so etwa neben Musikvideos auftauchen. Ein Programm befasst sich beispielsweise mit dem Musikvideo-Künstler und Designer Weirdcore. Ergänzend gibt es Filmworkshops, Konzerte und Partys.
16. bis 19. Januar, Stuttgart – Der Filmwinter untersucht mit internationaler Ausrichtung die Grenzen zwischen Kino und Medienkunst. Dieses Jahr steht das Thema »Abwesenheit« im Zentrum. Wettbewerbe für Kurzfilm, Medien im Raum sowie Network Culture prägen das Programm. Des Weiteren gibt es Vorträge, Performances und eine Jugendschiene.
11. bis 19. Januar, in sieben Städten – Vom Fantasy Filmfest gibt es seit mittlerweile fünf Jahren einen Winterableger. Bei den White Nights werden in sieben Großstädten an jeweils einem Wochenende zehn aktuelle Genrefilme präsentiert, die zum Profil des Festivals passen. Dieses Jahr läuft etwa »Jojo Rabbit« von Taika Waititi oder der koreanische Cop-Thriller »The Beast«.
22. Januar bis 2. Februar, Rotterdam – Die niederländische Hafenmetropole wird Ende Januar wieder zum Treff des internationalen Independentkinos. Während ein Schwerpunkt auf jungem und aufstrebendem Filmschaffen liegt – begleitet von besonderen Workshopangeboten und einem Co-Production-Market, gibt es Platz für Retrospektiven und thematisch geprägte Programme. Diese schließen ein Programm zur spezifischen Weltsicht alter Filmschaffender sowie eine Rekontextualisierung asiatischer queer culture ein. Die kommende Ausgabe des Festivals wird die letzte für Festivaldirektor Bero Beyer sein. Ab Februar übernimmt Vanja Kaludjercic vom Streaming-Dienst MUBI die Leitung des Festivals.
20. bis 26. Januar, Saarbrücken – Das saarländische Festival hat sich über die letzten Jahrzehnte als zentrales Schaufenster des deutschen Filmnachwuchses höchstes Prestige erarbeitet. Spiel-, Kurz-, Dokumentar- und mittellange Filme konkurrieren in je eigenen Wettbewerben um Preisgelder von rund 110 000 Euro. Der diesjährige Ehrenpreisträger ist Rosa von Praunheim, einer der unbestechlichsten unabhängigen Filmemacher Deutschlands und eine wichtige Stimme der deutschen Schwulenbewegung. Vier seiner Filme werden in seiner Anwesenheit gezeigt.
Die Ausstellung »Brandspuren« im Filmmuseum Berlin zeigt nicht nur historische Plakate, sie dokumentiert auch ihre Geschichte
Die Serie »Trapped – Gefangen in Island« enthält alles, was man von einem »Nordic Noir« erwartet: Greueltaten, dunkle Familiengeheimnisse, ernste Ermittler und das Klima als wichtigsten Nebendarsteller
am So., den 12.01. in Frankfurt am Main – epd Film-Autor Urs Spörri spricht mit dem Produzenten Jonas Weydemann über »Systemsprenger«
Es ist hart, wenn der kleine Bruder die Showbiz-Karriere macht, von der die älteren Geschwister lang geträumt haben. Die Sitcom »The Other Two« macht sich darüber lustig
Er war Peter der Große und Simon Bolivar, Lenin und Einstein, er war Shakespeares Hamlet und Kafkas Landvermesser K. Das Deutsche Filminstitut & Filmmuseum (DFF) hat dem Schauspieler und Regisseur Maximilian Schell nun eine Ausstellung gewidmet
am Di., den 14.01. in Frankfurt am Main – epd Film-Redakteur Rudolf Worschech spricht mit Regisseur Christian Alavart über »Freies Land«
Ladj Ly schickt in seinem Spielfilmdebüt einen Provinzpolizisten in den sozialen Brennpunkt einer Pariser Vorstadt, wo er unmittelbar Ausschreitungen und den Machtkampf zwischen Gangs und Staatsgewalt erlebt. Packendes, authentisches Drama und Frankreichs Oscar-Kandidat

Thema

Sie stand schon als Kind auf der Bühne. Heute gehört sie zu Deutschlands gefragtesten Schauspielerinnen. Und gerade hat Nina Hoss wieder einen besonders guten Lauf. Zwei Filme am Start, Preise in Hamburg und San Sebastian. Den spanischen gab es für ihre Rolle als Violinlehrerin in »Das Vorspiel«
Unsere "steile These" des Monats Januar
Zunächst hatte er sich als wildromantischer Frauenschwarm empfohlen. Dann schlug er sich als Schurke durch eine Reihe von Hollywoodkostümspektakeln. Inzwischen wechselt der Brite Rufus Sewell mühelos die Register, vom Bohemien in »The Marvelous Mrs. Maisel« bis zum Nazi-Boss in »The Man in the High Castle«
Man kann sie leicht erkennen: die eigenwilligen Filme aus Island. Und aktuell könnte man von einem Boom sprechen. Ein Überblick von Rudolf Worschech

Meldung

Ein junges, neues Festival, veranstaltet von einer »ehrwürdigen« Institution: Zum zweiten Mal lud die Frankfurter Kinothek Asta Nielsen zu den Frauen-Filmtagen »Remake« ein
Viele Stars kamen zum Festival von Marrakesch, dessen Wettbewerb von Aufbrüchen erzählte
Auf dem Fernsehfilm-Festival Baden-Baden, veranstaltet von der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste und dem Sender 3sat, ging es um Frauenbilder und Marktanteile

Filmkritik

Trotz gelegentlich missratener Computeranimation erweist sich die Verfilmung des berühmten Musicals »Cats« über Londoner Straßenkatzen dank Starpower und inszenatorischem Know How als meist mitreißendes Spektakel
Zwischen ausgelassenem Klamauk und zarter Wahrhaftigkeit erzählt Taika Waititi die Coming-of-Age-Geschichte eines zehnjährigen Jungen in einer fiktiven deutschen Kleinstadt in den letzten Monaten des »Dritten Reiches«. Im Ringen um Orientierung zwischen einem imaginären väterlichen Freund namens Adolf Hitler und einem jüdischen Mädchen, reift Jojo zu einem lebensklugen jungen Menschen
Als ihr Mann stirbt, begehrt eine Milchbäuerin in der isländischen Provinz gegen die mafiösen Machenschaften der Bauernkooperative auf. Grímur Hákonarson erzählt mit augenzwinkernden Genre-Entlehnungen von Empowerment in undemokratischen Systemen. In der ersten Hälfte spannend, mündet »Milchkrieg in Dalsmynni« in einer etwas übers Knie gebrochenen und letztlich zu einfachen Auflösung
Während eines verregneten Tokioter Sommers lernen sich der Ausreißer Hodaka und das Waisenmädchen Hina kennen, das die Sonne scheinen lassen kann. Gemeinsam verändern sie nicht nur das Wetter, sie verändern auch die Welt, nicht unbedingt zum Guten. Farbenfroher, fröhlicher Animationsfilm, der eine etwas eigenwillige Perspektive auf den Klimawandel anlegt
Ein berühmter Dirigent (Peter Simonischek) soll ein Jugendorchester aus Israelis und Palästinensern zusammenstellen und wird dabei vom Maestro quasi zum Friedenscoach. Was überzeugt, sind die musikalischen Szenen, die Darstellung des Alltags der Jugendlichen sowie das kraftvolle Schauspiel: »Crescendo«
Dem Liebesduft kann niemand widerstehen: Jessica Hausners stilsicheres, hochelegantes Science-Fiction-Stück über eine genmanipulierte Blume führt in eine Hölle des programmierten Glücks: »Little Joe«
Die Sachbuch-Bestseller-Verfilmung verbindet das Porträt des Autors Peter Wohlleben mit Naturaufnahmen aus der Welt des Waldes zu einer unterhaltsamen, politisch engagierten Dokumentation, der man jedoch mehr analytische Schärfe wünschen würde: »Das geheime Leben der Bäume«
Starbesetzter Krimi in Agatha-Christie-Manier, der dank spielfreudiger Darsteller Unterhaltungswert entwickelt, insgesamt aber zu bemüht wirkt, um vollends zu überzeugen
In ihrem Debütfilm als Regisseurin erzählt Valentina Primavera vom gescheiterten Aufbruchsversuch ihrer geliebten Mutter – und gibt düster aussehende Einblicke ins Familienleben der italienischen Provinz
Ladj Ly schickt in seinem Spielfilmdebüt einen Provinzpolizisten in den sozialen Brennpunkt einer Pariser Vorstadt, wo er unmittelbar Ausschreitungen und den Machtkampf zwischen Gangs und Staatsgewalt erlebt. Packendes, authentisches Drama und Frankreichs Oscar-Kandidat: »Les Misérables«
Im Winter 1968, wenige Monate vor ihrem Tod im Alter von nur 47 Jahren, gastiert Judy Garland in London. Es ist das letzte Aufbäumen einer Legende, die wegen Tab­lettensucht und privater Katastrophen in Scherben liegt. Renée Zellweger spielt sie glorreich: als frühes Opfer von Hollywoods Starsystem, das nun verzweifelt um die alte Energie und Professionalität ringt
Cool, stylisch, politisch, herzergreifend ist diese afroamerikanische Bonnie-&-Clyde-Variation – ein äußerst vielversprechendes Spielfilmdebüt mit zwei herausragenden Darstellern, Daniel Kaluuya und Jodie Turner-Smith, im Zentrum: »Queen & Slim«
Christian Alvart gelingt mit seinem Remake von Alberto Rodríguez' Thriller »La isla mínima – Mörderland« ein atmosphärisch ungeheuer intensives Porträt Ostdeutschlands nach der Wende. Die Geschichte von zwei Polizisten, die im Marschland Mecklenburg-Vorpommerns nach einem Serienmörder fanden, legt den Finger in deutsch-deutsche Wunden, die bis heute nicht wirklich verheilt sind
Auch Bruno Dumonts zweiter Film über Jeanne d'Arc bricht mit allen Erwartungen und Konventionen. Er dekonstruiert den Mythos von der Nationalheiligen und -heldin und feiert sie stattdessen als Seelenverwandte, deren Kompromisslosigkeit sich in seinem Schaffen widerspiegelt
Handwerklich schlichter, aber mit Herzblut gemachter Dokumentarfilm über die Veränderungen am Arbeitsmarkt, wo an die Stelle von fairen Verträgen immer öfter Leiharbeit und Freelancertum treten. Leslie Franke und Herdolor Lorenz warnen vor sozialer Schieflage und fordern einen Systemwandel zurück zu Solidarität und gemeinsamer Verantwortung
In der Erzählweise mit häppchenweise aneinandergereihten Interviews eher enttäuschend, bietet er dennoch für mit seinem Werk und Leben nicht Vertraute eine brauchbare Einführung, die Davis' Selbstbewusstsein als Afroamerikaner betont, aber auch sein problematisches Verhalten gegenüber seinen Lebensgefährtinnen und seine zeitweilige Heroinsucht nicht verschweigt
Auch in seinem zweiten Kriegsfilm nach »Jarhead« vermeidet Sam Mendes die Schlachtfelder. Mit atemraubender Leichtigkeit gleitet die Kamera von Roger Deakins mit zwei jungen Soldaten auf einer nahezu unmöglichen Botenmission in einer scheinbar ungeschnittenen Einstellung durch ein weitläufiges Kriegspanorama: »1917«
Mit viel Liebe für Kulissen und Kostüme zeichnet Regisseurin Hermine Huntgeburth das Leben des Panikrockers bis zu seinem Durchbruch in den frühen 70er-Jahren nach. Jan Bülow brilliert als junger Udo und tröstet über ein paar Längen hinweg
Judith Kerrs viel gelesenes Kinderbuch »Als Hitler das rosa Kaninchen stahl« ermöglicht durch die Verfilmung auch einem jungen Publikum den Zugang zu einem erschütternden Teil deutscher Geschichte aus dem Blickwinkel einer geglückten Flucht
Mit seinen kunstvoll arrangierten cineastischen Tableaus spiegelt der Palästinenser Elia Suleiman den Nahostkonflikt mit dem Weltgeschehen ineinander: »Vom Gießen des Zitronenbaums«
Der irische Meister der ernsthaften Feel-Good-Doku Ken Wardrop generiert aus der Rehabilitation der privaten Klavierstunde eine von Empathie getragene Würdigung der Musik im Allgemeinen und ihres gemeinsamen Studiums im Besonderen
Keine Neuerfindung des Dokumentarfilms, aber sehenswert: Die möglicherweise lauteste, auf jeden Fall aber immersivste Liveband der Welt, von ihren Wurzeln im New Yorker Post-Punk-Rock der Achtziger bis heute in Interviews, Konzertausschnitten und Selbstanalysen ihres Masterminds Michael Gira
Anna Bronsky lehrt an einem renommierten Musikgymnasium. Ihr eigener Wunsch, Musikerin zu werden, hat sich nicht erfüllt. Ina Weisse erzählt von einer Gratwanderung zwischen Unsicherheit und der Suche nach dem Absoluten, bei der jede kleine Disziplinlosigkeit für Anna zur unerträglichen Zumutung wird. Mit Nina Hoss in der Titelrolle zeichnet der Film nicht nur das Porträt einer in ihrer Leistungsbesessenheit harten Frau und ihrer Familie, sondern ist auch Studie über Konkurrenz und Abgrenzungen
Alles, was der »Star Wars«-Fan erwartet und dann doch noch ein bisschen mehr: Zum Abschluss der »Skywalker Saga« packt J.J. Abrams die wesentlichen Elemente des »Space Western« in einen actionreichen, amüsanten und überraschend fesselnden Film
Ein Superspion muss als Taube seine Mission erfüllen und ein nerdiger Außenseiter wächst über sich hinaus. »Spione Undercover« ist Animationsspaß für die ganze Familie mit vielen Reminiszenzen an die großen Vorbilder des Genres

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