Cannes-Blog

Barbara Schweizerhof

Wie Ungleichheit im Korea von heute aussieht, bringt Regisseur Bong Joon-ho recht plakativ auf den Punkt: Die einen leben in engen Kellerwohnungen mit schlechtem Wlan und Ausblick auf eine Straßenecke, an der sich bevorzugt Betrunkene erleichtern. Die anderen residieren abgeschirmt von derlei Grobheiten in exquisit möblierten Villen und Panoramablick aufs eigene grüne Gartenparadies.

Barbara Schweizerhof

Almodóvar ist dagegen; Iñárrittu eher dafür. Und Tarantino liebt halt die gute alte Zeit. Die Rede ist natürlich von Netflix. Obwohl dessen Filme auf dem Festival in Cannes schon im zweiten Jahr aus den Sektionen des offiziellen Programms verbannt sind, war Netflix im Grunde überall. Auf nahezu jeder Pressekonferenz war es Thema, fast jeder Regisseur musste sich positionieren: »Wie hältst du's mit dem Streaming« ist die neue zentrale Glaubensfrage im Filmgeschäft. Auf die auch das Festival in Cannes eine Antwort finden muss.

Barbara Schweizerhof

Ein neuer Quentin-Tarantino-Film ist immer ein Ereignis. Besonders aber auf einem Festival in Cannes, wo in diesem Jahr kein anderer Film so lange Schlangen mit sich brachte wie »Once Upon a Time in Hollywood« und die Erwartung schon Tage vorher wie mit Händen zu greifen war. Und soviel sei verraten, gegen die Bitte von Tarantino selbst, der per Pressemitteilung darum bat, keine Spoiler preiszugeben: Zumindest das Publikum in Cannes enttäuschte er nicht.

Barbara Schweizerhof

Die echten Heldentaten, die, die unser aller Leben besser oder zumindest erträglicher machen, sind oft als solche nicht erkennbar. Weil sie in aller Stille, im Verborgenen vollbracht werden. Dass sein neuer Film auf diese These hinausläuft, stellt der amerikanische Regisseur Terrence Malick schon mit dem Titel, »A Hidden Life« – »Ein verborgenes Leben«, heraus.

Barbara Schweizerhof

Alle wollen es werden, niemand will es sein: so lautet das Paradox des Alters. In verstärktem Maß gilt das für Schauspieler, zumal für die berühmten, weshalb die meisten wohl lieber mit Hilfe von Maske und Make-up alt spielen, als ihre echten, eigenen Falten oder grauen Haare zu zeigen.

Barbara Schweizerhof

Welchen Rockstar-Status Elton John erreicht hat, lässt sich locker an der Zahl der Menschen ablesen, die seine Songs mitsingen können – ohne überhaupt seinen Namen zu kennen. »Rocketman«, der Titel des Biopics über den britischen Megastar, ist dafür das beste Beispiel. Er gibt quasi schon die Melodie vor. Und ähnlich wie der Refrain von Elton Johns Song die Einsamkeit besingt und damit den Scheinwerfer auf die Titelfigur richtet, beginnt Dexter Fletchers Lebensrevue mit Elton John selbst im Zentrum.

Barbara Schweizerhof

Genau 40 Jahre ist es her, dass Ken Loach zum ersten Mal mit einem Film nach Cannes kam – damals noch in der Nebenreihe »Quinzaine des Réalisateurs«. Zwei Jahre später präsentierte er mit »Looks and Smiles« seinen ersten Film im Wettbewerb an der Croisette. Es war der bescheidene Auftakt einer mittlerweile Rekord gewordenen Serie: Loach, stolze 82 Jahre jung, schickt mit »Sorry We Missed You« in diesem Jahr bereits den 15. Film ins Rennen um die Goldene Palme.

Barbara Schweizerhof

Eigentlich ist Centerville, der Schauplatz von Jim Jarmuschs »The Dead Don't Die«, der Inbegriff des friedlichen, des gemütlichen, des »guten« Amerika. Da gibt es die beiden Cops Cliff Robertson (Bill Murray) und Ronnie Peterson (Adam Driver), die nach dem Rechten sehen. Da gibt es das altmodische Diner-Restaurant, wo Fern und Lily den besten Kaffee der Gegend ausschenken, und ein erlesenes Sortiment an Gestalten, die über ihre Popkulturvorlieben vorgestellt werden.

Barbara Schweizerhof

Wenn in den kommenden Tagen Jungstars wie Robert Pattinson auf Idole wie Iggy Pop treffen und Hollywood-Adel wie Brad Pitt und Leonardo di Caprio sich vor europäischen Eminenzen wie Isabelle Huppert verneigt – dann weiß man, es ist Festival in Cannes. Am Dienstagabend geht es los mit der Premiere des neuen Films von Jim Jarmusch, »The Dead Don't Die«, in dem Adam Driver und Bill Murray zwei Provinzpolizisten spielen, die es mit Zombies zu tun kriegen.

Barbara Schweizerhof

Die stärkste emotionale Reaktion ging diesmal nicht von einem dankbaren, gerührten Preisträger aus, sondern von einer Schauspielerin, die im Wettbewerb dieses 71. Filmfestivals von Cannes gar nicht angetreten war. Die Italienerin Asia Argento sollte den Darstellerinnenpreis mitvergeben, feuerte aber statt der üblichen, vom Teleprompter abgelesenen Laudatio ein selbst formuliertes Statement ab: »1997 bin ich von Harvey Weinstein hier in Cannes vergewaltigt worden. Ich war 21 Jahre alt.