Maxi Braun
Filmkritiken von Maxi Braun
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Die Sensation des angemessen zurückhaltend inszenierten Dokumentarfilms über den Holocaustüberlebenden Albrecht Weinberg ist die Neugierde, Offenheit und Zugewandtheit, mit der er als Zeitzeuge in seinen letzten zehn Lebensjahren unermüdliche Erinnerungsarbeit leistete.
Das Finale von Jane Schoenbruns »Screen-Trilogie« ist in seiner wilden Mischung aus Arthouse, Slasher-Anleihen und popkulturellen Referenzen ein sinnliches Schlachtfest, bei dem zwischen Gillian Anderson und Hannah Einbinder die Funken sprühen, Erotik prickelt und Blut spritzt.
Lotta Schwenks unabhängig produziertes Langfilmdebüt erzählt eine Coming-of-Age-Geschichte konsequent aus der Sicht der queeren Protagonistin. Die sinnliche, flirrende Bildgestaltung trifft in jeder Situation den richtigen Ton und zeichnet ein gleichsam individuelles wie universelles Porträt des Erwachsenwerdens.
In ihrem autobiografischen Dokumentarfilmdebüt verarbeitet Daniela Magnani Hüller einen Mordversuch, den sie als 16-Jährige nur knapp überlebte. Mit einer empathischen Mischung aus Sachlichkeit und Offenheit gibt sie nicht nur Einblick in ihre persönliche Traumabewältigung, sondern zeigt gesellschaftliche und juristische Strukturen, die Femizide begünstigen.
Regisseurin und Frauenrechtsaktivistin Mahnaz Mohammadi schickt eine Frau im berüchtigten Evin-Gefängnis auf eine psychologische Tour-de-Force. Nach einem rauen und immersiven Auftakt entwickelt sich der Film zum eleganten Pychothriller, der die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Wahrnehmung verschwimmen lässt.
Thematisch, visuell und narrativ eine echte Zumutung, gelingt Kristen Stewart mit der Adaption von Lidia Yuknavitchs autobiografischem Kultbuch ein brachiales, mutiges und expressives Regiedebüt, das weder Hauptfigur noch Publikum schont und ebenso gesellschaftlich relevant wie radikal subjektiv ist.
Milena Aboyan erzählt drei unterschiedliche Frauengeschichten, deren narrative Verknüpfung nicht ganz aufgeht. Dank starker Figuren und Darstellerinnen sowie durch die Thematisierung von häuslicher Gewalt, Rassismus (strukturell wie im Alltag) und der Unmenschlichkeit der deutschen Migrationspolitik gelingt ihr dennoch ein politisch wie gesellschaftlich relevanter Film.
Der Animationsfilm für Erwachsene erinnert an Adult-Swim-Serien wie »Final Space« oder »Rick and Morty« und ist voll von schrägen Einfällen, popkulturellen Zitaten und absurdem Humor. Ganz lässig im Vorbeigehen entwirft »Lesbian Space Princess« außerdem eine sexpositive, queerfeministische Utopie.
In Ausstattung, Kostüm und Bildsprache innovatives Spielfilmdebüt mit zwei guten Protagonistinnen, das sich nicht zwischen einem Plädoyer für selbstbestimmte weibliche Sexualität und Traumabewältigung entscheidet und gerade dadurch am Ende unausgegoren wirkt.
Mit einer ambivalenten Hauptfigur, experimenteller Narration und Bildsprache sowie schwarzem Humor rund ums Thema Mutterschaft ist Lynne Ramsay ein hohes Risiko eingegangen, das sich auszahlt. Jennifer Lawrence agiert wie eine Naturgewalt, die den Tradwives dieser Welt mutig den Mittelfinger zeigt und eine der interessantesten Frauenfiguren des Kinojahres darstellt.
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Thema
Schöner Slashen: Mit »Teenage Sex and Death at Camp Miasma« beendet Jane Schoenbrun deren Screen-Trilogie. Ein Werkporträt.
Meldung
Von »Jurassic Park« bis »Peaky Blinders« prägte Sam Neill über Jahrzehnte Film und Fernsehen. Ein Rückblick auf das vielseitige Leben und die Karriere des neuseeländischen Schauspielers, der im Alter von 78 Jahren starb.
Tipp
Dazugehören – um jeden Preis. Amy Wang verknüpft Highschoolfilm und Body Horror mit Rassismuskritik zu einem kurzweiligen Vergnügen.
Thema
Als Nebendarsteller hat Stephen Graham Gangster, Neonazis und Psychopathen gespielt, die im Gedächtnis blieben. Spätestens seit seinem Erfolg mit »Adolescence« bekommt er auch in der ersten Reihe die Aufmerksamkeit, die er schon lange verdient.
Thema
Nur ein Jungsregisseur? Von wegen: reihenweise taffe Frauen. Zum Start von »Kill Bill: The Whole Bloody Affair« würdigt Maxi Braun Quentin Tarantinos feministische Seite.
Blogeintrag
Ob als Historiendrama mit Sandra Hüller oder Dokumentarfilm über einen versuchten Femizid – die Berlinale richtet ihren Blick auf Gender-Rollen und strukturelle Gewalt.
Thema
Die malaysische Schauspielerin Michelle Yeoh erhält auf der Berlinale den Goldenen Ehrenbären. Mit über 60 Jahren vollführt die Alleskönnerin noch immer ihre eigenen Stunts und füllt auch psychologisch anspruchsvolle Rollen mit Distinguiertheit, Disziplin und innerer Ruhe.
Thema
Ferien, Wasser, like ice in the sunshine – die eine Seite des Sommers. Die andere hatte schon vor der Klimakrise eine große Tradition im Hollywoodkino. Hitze in urbanen Zentren wirkt als Katalysator der Handlung, ist Metapher für gesellschaftliche Spannungen und ein beliebter Vorwand, mehr oder minder nackte Frauen zu zeigen.
Thema
Noemié Merlant zieht die Blicke auf sich und schleudert sie mit roher Kraft zurück. In ihren stärksten Rollen ist sie ebenso zart wie widerständig – als Regisseurin entwickelt sie ihre eigene Perspektive auf Dinge, die ihr wichtig sind.





