Harald Mühlbeyer

Welch ein subtiler und eindrücklicher Stimmungsmaler King Vidor war, zeigt wie kein anderer der Filme, die ich auf der diesjährigen Retrospektive kennenlernen durfte, sein später Stummfilm »The Crowd« von 1928. Eines der großen Vidor-Werke, der Film wird in ungefähr jedem der Essays im Bertz+Fischer-Retro-Begleitband erwähnt.

Ulrich Sonnenschein

Nicht nur die Filme von Abbas Kiarostami oder Jafar Panahi prägen den Ruf, den der Iran als Filmland trotz Zensur und drastischer Drangsalierung von Filmemachern immer noch hat, sondern auch die von Palais ehemaligem Mitarbeiter Mohammad Rasoulof. Alle seine sieben Langfilme fielen der Zensur zum Opfer und der neustes »There is no Evil« erst recht. Vor drei Jahren wurde sein Pass eingezogen und seitdem darf er den Iran nicht mehr verlassen. Und das obwohl seine Tochter Baran, die in diesem Film eine stark autobiografische Rolle spielt, in Hamburg lebt.

Frank Arnold

An diesen Film hatte ich höchste Erwartungen. Der Vorgängerfilm des iranischen Regisseurs Mohammad Rasoulof, »A Man of Integrity«, hatte 2017 beim Festival von Cannes Premiere, der Regisseur war anwesend. Doch zur deutschen Premiere beim Filmfest in Hamburg (wo er und seine Familie zeitweise lebten) wurde ihm fünf Monate später die Ausreise verweigert. Erfreulicherweise kam der Film im vergangenen Jahr dann doch noch in die deutschen Kinos.

Silvia Hallensleben

Langsam löst sich schon wieder alles auf, viele Abreisen, auf der Straße vor dem CinemaxX übernehmen abhängende Schulklasssen das Feld der Kinogänger und Filmjournalisten. Ich hole mir zwar noch fleißig Tickets am Counter im Hyatt, schaffe es aber irgendwie nicht mehr in die Vorstellungen. Am Mittwoch stattdessen als Berichterstatterin bei der ARD: Abends die üblichen »Top-of-the-Docs«-Goodwill-Show für die dem Haus verbundenen Produzent*innen und Dokumentarist*innen, die von Pinar Atalay mit viel Spontaneität moderiert wurde.

Barbara Schweizerhof

Vieles ist anders auf dieser Berlinale, der 70. in der Gesamtzählung und der ersten unter der neuen Doppelspitze von Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek. Aber einiges ist doch – über das notorisch schlechte Februarwetter hinaus – vertraut geblieben. Zum Beispiel die Tatsache, dass »Skandalfilme« auf der Berlinale sich oft als eher unbedeutende Aufregungen entpuppen. So geschehen mit dem russischen Wettbewerbsbeitrag »DAU.

Harald Mühlbeyer

Konfrontation der schottischen Siedler mit dem mächtigen Donovan und seinen wilden Männern. Einer wird beschuldigt, zieht den Colt, ein Schuss – und er bricht zusammen. Der Schütze war, gestatten: William Bonney aka Billy the Kid. Ein großgewachsener, gut aussehender Mann mit stetigem Lächeln im Gesicht, ein so netter junger Mann, mit großem Gerechtigkeitssinn und schnell an der Waffe…

Rudolf Worschech

Rote Signallampen zucken über das dunkle Meer. Alles ist rot, der Himmel, das Wasser, eine schemenhafte Atmosphäre. Francis versucht seine Freundin Ida zu retten, doch es gelingt ihm nicht. Immer wieder tauchen Bilder der im roten Wasser versinkenden Ida in dem dreistündigen Film von Burhan Qurbani auf, der mit Spannung erwartet wurde in diesem seltsamen, oftmals sehr cinephilen Berlinale-Wettbewerb.

Ulrich Sonnenschein

Schlicht »Days« heißt der Film von Tsai Ming-Liang der nichts weiter will, als einen begrenzten Zeitraum für das Kino zu öffnen. Dieser umfasst dabei nicht mehr als zwei Tage und eine Nacht. Zwei Männer beginnen ihren jeweiligen Tag auf ganz eigene Weise. Der eine sitzt vor der Glasfront seines Hauses und schaut dem Regen zu, der andere kocht traditionelle Speisen auf einem kleinen Holzkohleofen im Treppenhaus.

Harald Mühlbeyer

Ehebruch. Auch in »Street Scene« hat King Vidor das Thema behandelt; in »Cynara« geht er es frontal an. Der Film ist eine lange Rückblende, eine nachträgliche Beichte des Ehemanns bei seiner Ehefrau, kurz, bevor er das Schiff nach Südafrika besteigt, kurz vor dem endgültigen Nimmerwiedersehen.

Ulrich Sonnenschein

Fassbinders Verfilmung von »Berlin Alexandserplatz« fürs Fernsehen gilt landläufig als Meisterwerk. Günter Lamprecht zumindest war ein glaubwürdiger Franz Biedenkopf. Alle anderen Adaptionen von Alfred Döblins Jahrhundertroman sind da nur Annäherungen, Heinrich George hin oder her.

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