Böse ist langweilig

Unsere "steile These" des Monats Januar
Christoph Waltz

Christoph Waltz

Die Schurken sind am interessantesten, heißt es. Oder: Ein Thriller, Krimi, Actionfilm ist immer nur so gut wie sein Bösewicht. Aber was sind das eigentlich für Typen? Mindestens die Hälfte der Figuren, die in der Popkultur als profilierte Dunkelmänner gelten, sind für sich genommen Langweiler, behaupte ich mal. Stellen Sie sich vor, Sie wären zu einem Dinner eingeladen. Links den Tisch runter sitzen Darth Vader, Sauron, der Terminator und Michael Myers. »Wie ist denn das Wetter in Mordor so?« Von rechts quatschen Hannibal Lecter, Stavro Blofeld und Hans Landa auf Sie ein; gegenüber leckt Heath Ledgers Joker sich die Soße vom Kinn...

Das Problem ist doch: Schurken werden oft von guten Schauspielern verkörpert und haben die cooleren ­Accessoires (die alte Blofeld-Katze), aber sie sind hoffnungslos egozentrisch. Sie wissen alles besser, lassen sich nicht auf Argumente ein, und wenn sie einmal auf dem Gleis sind, fahren sie immer nur geradeaus, Richtung Geld, Macht, Terror, Apokalypse. Im Fernsehen fällt das besonders auf; da kann so eine kriminelle Karriere sich über Jahre erstrecken. Was erwarten wir von Cersei Lannister-Baratheon in Game of Thrones oder dem Ehepaar Underwood in »House of Cards«? Dass sie in sich gehen, auf Thron und Präsidentschaft verzichten und bei Amnesty International anheuern?

Wird nicht klappen. Deshalb sind mir die Guten lieber. Da ist Dynamik drin, die haben Konflikte zu bearbeiten und Probleme zu lösen. Zum Beispiel: wie man die Bösen loswird und die Welt voranbringt. Das beste Beispiel ist Spielbergs Klassiker »Schindlers Liste«, der im Januar wieder ins Kino kommt. Während der Nazi Amon Göth damit beschäftigt ist, jüdische Gefangene zu quälen und seine Cognacflaschen zu sortieren, macht Oskar Schindler eine Entwicklung durch: Was ihm anfangs Gewinn gebracht hat, tut er am Ende aus moralischen Gründen. Auf die aktuelle Politik übertragen hieße das: Nicht mehr auf  Donald Trump und die AfD starren wie das Kaninchen auf die Schlange, sondern neue Konzepte anbieten. Dass der Himmel über Mordor immer dunkel ist, wissen wir sowieso.

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Noch interessanter ist es, Dokumentarfilme zu drehen, die das Glück thematisieren. So als Ausgleich zur Katastrophensucht unserer Zeit. Schaut mal: DIE HIMMELSWIESE. DIE KLEINEN WUNDER VOn BAAN GERDA.

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