Harald Mühlbeyer

»Bardelys the Magnificent« ist in Mantel- und Degen-Stummfilm, den King Vidor zunächst als Komödie der Pikanterien inszeniert, inklusive witziger Zwischentitel: Bardelys the Magnificent ist ein Charmebolzen am Hofe des Königs von Frankreich im 17. Jahrhundert, der die Hofdamen reihenweise verführt und als Andenken eine Locke seines Haares hinterlässt – man sieht seine Diener diese Locken von einer Perücke schneiden und im Akkord in Medaillons verpacken. Das ist rasant und lustig, doch dann bewegt sich der Film doch immer mehr in Richtung Drama. 

Ulrich Sonnenschein

Vielleicht erinnert man sich noch an »Mammuth«, die schräge Komödie von Benoît Delépine und Gustave Kervern, die vor 10 Jahren hier im Wettbewerb lief? Gérard Depardieu reitet da auf einer Münch Mammut durch Frankreich, um Arbeitsbescheinigungen seiner ehemaligen Arbeitgeber für die Rente einzusammeln. Der Film ist voller schräger Begegnungen und absurden Gestalten, aber immer mit großer Sympathie für die Figuren.

Jens Balkenborg

Philippe Garrels »Le sel des larmes« verspricht so vieles. In betörender Schönheit knistern die Schwarz-Weiß-Bilder von Kameramann Renato Berta über die Leinwand, auch inhaltlich flirtet der Film mit dem klassischen französischen Erzählkino. Die junge Liebe in Paris, Spaziergänge durch die Straßen, verheißungsvolle Blicke. Ein Hauch Nouvelle Vague. 

Harald Mühlbeyer

Eine hervorragende Gelegenheit, Kirk Douglas zu feiern! Er strotzt vor Charisma und rauem Charme in diesem Western, in dem Douglas als Cowboy Dempsey erstmal als Hobo unterm Güterwaggon zu sehen ist. Raubeinig geht er mit »Kid« Jeff um, den er hier trifft, ein Jüngelchen, ein Möchtegern-Cowboy, den Demps unter seine Fittiche nimmt. 

Sabine Horst

Der Berlinale-Wettbewerb, heißt es im Programm, zeige nicht nur die besten Filme eines Jahrgangs, sondern auch die, über die man spricht, »die oft hitzige Diskussionen anregen«. Nach den ersten Tagen muss man sagen: Das hat noch nicht so ganz hingehauen. Ausgerechnet die Hauptsektion des Festivals wirkt merkwürdig gedämpft, fast etwas anämisch – hoffentlich wird es sich nicht rächen, dass Carlo Chatrian, der neue künstlerische Leiter des Festivals, die formal experimentelleren Arbeiten in eine eigene Abteilung, die »Encounters«, ausgelagert hat.

Silvia Hallensleben

Kleines erfreuliches Erlebnis in epd-eigener Sache. Gestern Abend kam ich beim Mantel anziehen mit der jungen Frau ins Gespräch, die im unwirtlichen Vorraum zum Filmhaus am Potsdamer Platz tapfer einen Werbestand für epd-Film betreut. Als Autorin finde ich es sowieso gut, dass für das Heft geworben wird. Besonders schön aber, dass sie ganz im Gegenteil zu den aggressiv-aufdringlichen Werbern, die einem vor deutschen Bahnhöfen die Sympathie für eigentlich unterstützenswerte NGOs wie »Amnesty« oder »Greenpeace« austreiben können, ist sie keine für die Aktion angeheuerte Söldnerin ist.

Jens Balkenborg

An mir ist der Regisseur Bastian Günther bisher leider größtenteils vorbeigegangen, seine Kinofilme »Autopiloten«, »Houston«, und »California City« habe ich allesamt nicht gesehen. Bis jetzt, die werden schnellstens nachgeholt!

Harald Mühlbeyer

Mitten während des Korea-Krieges zeigt King Vidor ein Schlachtfeld voll Leichen amerikanischer Soldaten. Das ist ein mutiger Anfang für einen Film. Nur einer regt sich noch: Jim Sterling. Der lernt im Folgenden im Lazarett eine japanische Krankenschwester des Roten Kreuzes kennen, diktiert ihr einen Brief – nicht an seine Eltern, sondern eine Liebeserklärung an sie. Bei ihrem Großvater hält er um ihre Hand an – der will, wie es das Ritual fordert, zwei Affen den Göttern opfern.

Retrospektive: Filme von Catherine Breillat

Catherine Breillat hat in ihren Filmen und Romanen die weibliche Sexualität ausgelotet. Seit sieben Jahren hat man von der französischen Regisseurin nichts mehr gehört. Das österreichische Filmmuseum hat ihr nun eine Retrospektive gewidmet. Und es war zu sehen, wie revolutionär dieses Werk ist
Ulrich Sonnenschein

Es ist ein Film der Gesichter. Schon die Eröffnungsszene ist eine grandiose Nahaufnahme, die viel verspricht, was der Film später einlösen wird. Stumm blicken Paula Beer als Undine und Jacob Matschenz einander an und man weiß sofort, dass hier etwas zu Ende geht. Eine Liebe stirbt und damit auch die Zukunft des Paares. »Wenn du mich verläßt«, wird Undine wenig später sagen, »muß ich dich töten, das weißt Du«, und bringt damit die märchenhaften Untertöne zum klingen, auf denen Christian Petzold seinen ebenso mythischen wie gegenwärtigen Film aufgebaut hat.

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