Thomas Abeltshauser
Freier Journalist, Filmkritiker und Kurator in Berlin. Kritiken, Essays und Interviews zu aktuellen Kinostarts, Berichte von internationalen Filmfestivals u.a. Magister in Filmwissenschaften an der Freien Universität Berlin. Mitglied im Verband der deutschen Filmkritik, bei Fipresci und Galeca.
Filmkritiken von Thomas Abeltshauser
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Ein leises, melancholisches Drama über Erinnerung, Musik und die Liebe zweier Männer, die nur kurz gelebt werden kann. Oliver Hermanus erzählt zurückhaltend und bildstark von verpassten Möglichkeiten. Nicht immer straff, doch getragen von Paul Mescal und Josh O'Connor sowie der emotionalen Kraft der überlieferten Lieder.
Harry Lighton erzählt in seinem Langfilmdebüt von Macht und Begehren als Versuchsanordnung der Selbstfindung. Zwischen Leder und leiser Melancholie wächst ein junger Mann über seine Rolle hinaus. Eine überraschend zärtliche Dom-Com über den Mut, die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen.
Der neue Film der Brüder Dardenne erzählt von mehreren sehr jungen Frauen, die mit ihren Babys in einer Maison maternelle nahe Lüttich um Zukunftsperspektiven ringen. Der Film bricht nicht nachgerade mit dem sozialrealistischen Stil des Dardenne- Werks, zeigt aber eine neue Sanftheit und eine Zurückhaltung, die der Geschichte besonderen Nachdruck verleihen.
Inspiriert von Dantes Inferno, entwirft Gala del Sol in ihrem Langfilmdebüt ein Kino der Nacht, in dem Körper, Musik und Begehren wichtiger sind als klare Dramaturgie. Nicht alles fügt sich in diesem düster schillernden Seelenhandel, doch aus dem Überfluss entsteht eine eigene, unverwechselbare Handschrift.
Hasan Hadi erzählt in seinem warmherzigen Regiedebüt aus kindlicher Perspektive von Würde unter Zwang und Mut im Schatten der Diktatur Saddam Husseins. Eine kleine Geschichte, die zum Porträt der irakischen Gesellschaft Anfang der 1990er wird, ohne je ins Thesenhafte zu kippen.
Zwischen Existenzialismus und Gegenwartsbewusstsein findet Ozon einen behutsamen Ton: visuell bestechend, schauspielerisch präzise und mit sensibler Aufmerksamkeit für die kolonialen Schatten der Vorlage.
Ein visuell kraftvolles, poetisches Debüt über Angst und Begehren in der chilenischen Wüste zwischen Mythos und Realität, queerer Utopie und Aberglauben, getragen von großer Zärtlichkeit.
Warm-melancholische Tragikomödie über den »höflichen Räuber« Jeffrey Manchester: empathisch, unaufgeregt und getragen von Channing Tatums nuanciertem Spiel zwischen Müdigkeit, Charme und leiser Verzweiflung.
Katharina Huber erzählt in ihrem Langfilmdebüt von einem Dorf, in dem sich die Zeichen eines möglichen Endes der Welt mehren. Eine Dystopie ganz ohne Spezialeffekte, die einen eigentümlichen Sog entfaltet. Ein Glücksfall des deutschen Kinojahres.
Edward Berger schickt Colin Farrell als glücklosen Glückspieler in die Casino-Hölle Macaus. Eine Kino-Oper der Oberflächenreize, die der Sinnleere ihres Protagonisten und dessen Sucht außer audiovisueller Opulenz nichts abgewinnt.
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Thema
Ulrich Köhlers neuer Film »Gavagai«, der im April auf dem Lichter Filmfest läuft, kreist um aktuelle Fragen: Wie verfährt die Kunst mit Rassismus und kolonialen Blicken? Wie woke ist das Kino? Thomas Abeltshauser hat den Regisseur getroffen.
Tipp
Die Dokumentation von Gianfranco Rosi zeigt das Leben um den Vesuv unter der latenten Bedrohung eines Ausbruchs.
Tipp
Valerie Cherish ist zurück – und Hollywood am Abgrund. Nach zwölf Jahren Pause nimmt die finale Staffel der Sitcom nun die KI-Ära ins Visier. Smarter, schärfer und komischer denn je.
Meldung
Julia Ducournau, 1983 in Paris geboren, ist eine französische Regisseurin und Drehbuchautorin. 2016 gab sie mit »Raw« ihr Spielfilmdebüt, 2021 gewann sie mit »Titane« die Goldene Palme von Cannes. Ihr Stil zeichnet sich durch eine eigentümliche Mischung aus Body-Horror und Arthouse-Drama aus.
Thema
Das Kino von Josh Safdie ist eine Beobachtungsmaschine, immer in Bewegung, immer unter Druck. Deshalb ist der schwer preisverdächtige »Marty Supreme« auch viel mehr als ein Film über einen Tischtennisspieler.
Meldung
Lynne Ramsay zu ihrem jetzt auf Mubi erscheinenden Film »Die My Love«, über Punk, Schwangerschaft und Vertrauen am Set.
Thema
In ihrem Berlinale-Gewinner »Körper und Seele« begegneten zwei Menschen einander in Tiergestalt. Im neuen Film »Silent Friend« entwickeln Pflanzen ein aufregend unmenschliches Eigenleben. Das Kino von Ildikó Enyedi geht an die Grenzen des Wahrnehmbaren.
Meldung
Im Gespräch erklärt Regisseurin Hafsia Herzi, warum sie Fatima Daas' Roman verfilmt hat, wie sich innerer Monolog ins Kino übersetzen lässt und wie persönliche Erfahrungen ihre Arbeit mit Darstellerinnen prägen.
Meldung
Sie hatte die Romanvorlage an Lynne Ramsay herangetragen. Jennifer Lawrence im Interview zu »Die My Love« (Kinostart 13. November).
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