Thomas Abeltshauser
Freier Journalist, Filmkritiker und Kurator in Berlin. Kritiken, Essays und Interviews zu aktuellen Kinostarts, Berichte von internationalen Filmfestivals u.a. Magister in Filmwissenschaften an der Freien Universität Berlin. Mitglied im Verband der deutschen Filmkritik, bei Fipresci und Galeca.
Filmkritiken von Thomas Abeltshauser
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Die griechische Regisseurin Athina Rachel Tsangari inszeniert in ihrer Versuchsanordnung eine selbstgenügsame Dorfgemeinschaft, die Opfer der Profitgier anderer wird, als zeitlose Gesellschaftsparabel über die Anfänge des modernen Kapitalismus.
Ein 21-Jähriger freundet sich mit einer Gruppe behinderter Jugendlicher an und gibt dabei vor, selbst ein Handicap zu haben. Federico Luis' preisgekröntes Langfilmdebüt stellt unbequeme Fragen um Identität, Stigmatisierung und Repräsentation.
Ein junger Mann kehrt nach Jahren in sein Heimatdorf zurück. Alain Guiraudies schwarzhumoriger Provinzthriller wird zur philosophisch verspielten Fantasie über unvorhersehbare Begierden und zum Plädoyer für barmherziges Miteinander.
Eine arme Holzfällerfrau rettet ein Baby, das aus dem Todeszug nach Auschwitz geworfen wurde. Oscarpreisträger Michel Hazanavicius erzählt in seinem märchenhaften Animationsfilm von den Gräueln des Holocaust und Momenten der Mitmenschlichkeit.
Vom innigen, zunehmend toxischen Verhältnis zweier Teenagerschwestern erzählt die Schauspielerin Ariane Labed in ihrem Regiedebüt als Mischung aus schwarzhumoriger Charakterstudie und klaustrophobischem Schauermärchen. Nicht ganz aus einem Guss, aber ein vielversprechender erster Wurf.
Die Geiselnahme der München-Olympiade 1972 aus Sicht des live berichtenden US-Fernsehteams ist packender Kammerspielthriller und kluge Reflektion über Medienverantwortung.
Satire über den russischen Machthaber mit KI-generiertem Antlitz, die auf rabiaten Exorzismus setzt statt politischer Analyse. Wenig erhellend und leidlich lustig.
In seiner Adaption des William-S.-Burroughs-Romans sucht Luca Guadagnino wahrhaftige Emotion im Artifiziellen und findet berührende Bilder für die Einsamkeit und Sehnsüchte seines Protagonisten.
Das Spielfilmdebüt von Payal Kapadia ist eine Ode an weibliche Solidarität und eine ambivalente Liebeserklärung an ihre Heimatstadt Mumbai, die in Bildern eher andeutet als auszubuchstabieren.
Kunst und Leben des Chronisten der schwulen Subkultur West-Berlins zur Hochphase der Aids-Krise macht dieser Dokumentarfilm anhand von Jürgen Baldigas Tagebüchern und Fotografien eindrücklich nachvollziehbar.
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Weitere Inhalte zu Thomas Abeltshauser
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Tipp
In der vierten Staffel von »The Bear« dürfen sich die Figuren trotz Stress und Druck weiterentwickeln, in kleinen Etappen und ohne dass die Konflikte gleich in Wohlgefallen aufgelöst werden.
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Mit »Grand Tour« war Miguel Gomes im vergangenen Jahr zum ersten Mal im Wettbewerb von Cannes vertreten und erhielt prompt den Regiepreis.
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Pamela Adlons Regiedebüt »Babes« mit Ilana Glazer in der Hauptrolle ist mit seiner temporeichen Unverfrorenheit ein großes Vergnügen.
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Es ist ihre erste Berlinale als Leiterin und dann gleich eine Jubiläumsausgabe. Tricia Tuttle über Herausforderungen und Perspektiven des krisengeschüttelten deutschen A-Festivals.
Meldung
Pablo Larraín, 1976 in Santiago, Chile geboren, wurde international 2008 bekannt, als sein Film »Tony Ramero« im Rahmen der Quinzaine des réalisateurs in Cannes gezeigt wurde. Mit »Post Mortem« (2010) und »No!« (2012) vervollständigte er eine Trilogie über Chile unter dem Pinochet-Regime, die er mit Filmen wie »Neruda« (2016) und »El Conde« (2023) ergänzte. Mit »Jackie« (2016), »Spencer« (2021) und jetzt »Maria« gibt es eine neue Trilogie.
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Nicht nur formal besitzt »Pepe«, der Film des dominikanischen Regisseurs Nelson Carlo de Los Santos Arias, einige Ähnlichkeit mit Mati Diops Goldenen-Bären-Gewinner »Dahomey«. Auch hier geht es um die Themen Kolonialismus, Trauma und Migration.
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In der Animationsserie »Traum Studios« wird die Innenwelt von Riley aus »Alles steht Kopf« weitergesponnen.
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»Say Nothing« erzählt von den Widersprüchen eines Engagements bei der IRA während der Hochphase der »Troubles« – so fesselnd und nachvollziehbar, dass sich Fragen an die Gegenwart unmittelbar anschließen.
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Die spanische Serie »La Mesías – Die Auserwählte« erzählt von religiösem Wahn und einer schwierigen Kindheit. Ihre Macher gelten als die Erben Pedro Almodóvars.
Tipp
In den neun Episoden von »Self-Portrait as a Coffee Pot« bespricht der südafrikanische Künstler William Kentridge selbstreferenziell, aber auch selbstironisch sein bisheriges Werk – mit sich selbst.



