Kritik zu Maria Stuart, Königin von Schottland

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Die britische Theaterregisseurin Josie Rourke macht in ihrem Spielfilmdebüt die ­höfischen Intrigen des 16. Jahrhunderts zu einem frauenzentrierten Politthriller

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Prinzessinnenträume haben wenig mit der Realität der Königinnenexistenz zu tun, erst recht nicht, wenn der Blick in die Historie mit moderner und, ja, mit weiblicher Sensibilität erfolgt, so wie im Kinodebüt der Theaterregisseurin Josie Rourke. So stolz, stark, selbstbewusst und entschlossen die Königinnen Elizabeth I. und Maria Stuart auch sein mögen, sie werden immer wieder von den Männern um sie herum ausgebremst. »So weit ist es jetzt schon gekommen, eine Frau auf dem Thron...«, tuscheln sie im Hintergrund und setzen alles daran, die Oberhand zurückzugewinnen.

Nach Katherine Hepburn, Vanessa Redgrave und Zarah Leander ist Saoirse Ronan die erste Mary Stuart-Darstellerin, die tatsächlich annähernd so jung ist wie die berühmte schottische Königin, als sie nach dem Tod ihres französischen Mannes als blutjunge Witwe in die Heimat zurückkehrte, um nicht nur den schottischen, sondern auch den britischen Thron zu beanspruchen. Beide Schauspielerinnen, Ronan als Maria Stuart und Margot Robbie als Queen Elizabeth verkörpern mit ihrer ganzen, modernen Präsenz starke, entschlossene und emotionale Heldinnen, und vermitteln doch zugleich eine Ahnung davon, wie schwer es vor 500 Jahrhunderten gewesen sein muss, so eine ererbte Stellung tatsächlich auszufüllen und weibliche Ideen gegen die männliche Übermacht durchzusetzen.

Josie Rourke breitet diese Geschichte auf souveräne und sinnliche, zugleich kraftvolle und einfühlsame Weise aus. Allein schon die Kostüme von Alexandra Byrne (die auch schon Cate Blanchetts Elizabeth in Shekhar Kapurs beiden Filmversionen eingekleidet hat) sind eine Augenweide, mit ihrem Spiel der Farben, Strukturen und Formen, mit Spitze und Stickereien, Manschetten, Epauletten und Brustpanzern, mit kunstvoll gelegten Kragenfalten und rauschenden Röcken, immer zugleich individueller Ausdruck der Königinnen und einengendes Korsett der Zeit. Während Saoirse Ronans Mary Stuart ihre Wut, ihren Kummer und ihre Enttäuschung aus ihren klaren blauen Augen blitzen und durch ihre zarte Haut scheinen lässt, werden die Gefühle bei Margot Robbie im Laufe des Films zusammen mit den Narben einer Pockenerkrankung von immer dickeren Schichten von Make-up übertüncht und maskiert.

In Wirklichkeit sind sich die schottische und die britische Königin leibhaftig nie begegnet, ihr Aufeinandertreffen ist eine beliebte Erfindung des Kinos. Josie Rourke inszeniert die Begegnung als heimliches Treffen, in einem Zelt mitten in der Landschaft, konspirativ zwischen Schleiern und Vorhängen. Wie vieles andere in diesem Film, könnte sich auch diese Szene tatsächlich so zugetragen haben, ohne dass sie historisch überliefert ist. Es ist bitter, mit anzusehen, wie wenig die Frauen ausrichten können, wie unerbittlich sie gezwungen werden, ihre Ideale zu verkaufen.

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