Kritik zu Polaroid

© Wild Bunch

Eine alte Kamera als verfluchter Gegenstand, der die Cliquenstruktur einer Highschool aufmischt: In seinem Spielfilmdebüt greift der norwegische Regisseur Lars Klevberg auf vertraute Horrorfilmthemen zurück

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Als die stille Bird von einem Mitschüler eine Polaroid-Kamera vom Flohmarkt geschenkt bekommt, ist die Begeisterung groß: Vintage! Old School! Einmal ausgelöst jedoch stellt sich der analoge Apparat als keineswegs harmlos heraus, und spätestens als sich die Hand einer Freundin spontan entflammt, wird der Highschool-Clique um Bird klar, dass es sich um einen jener Gegenstände handelt, auf denen ein Fluch lastet.

Ein unheimlicher, sozusagen alchemistischer Vorgang war das ja schon immer: Licht trifft auf eine chemisch behandelte Oberfläche und siehe da, ein Bild wird sichtbar. Ein Abbild der Wirklichkeit in wenigen Minuten, wo früher Kunstmaler Monate mit Pinsel und Farbe vor der Leinwand zubrachten; eine Fotografie, auf der mitunter mehr Dinge zwischen Himmel und Erde sichtbar wurden, als unsere Schulweisheit sich träumen ließ. Vor allem in der Frühzeit der Fotografie wurden gerne ektoplasmische Erscheinungen auf die Platte gebannt, Geister. Heutzutage geht es natürlich profaner zu, dafür aber viel schneller: Smartphone gezückt, auf den Auslöser gedrückt und ab mit dem Schnappschuss von der Pizza. Oder mit den Nacktfotos von einem wehrlosen Mädchen. Missbrauch, der, gleich ob er nun analog oder digital dokumentiert wird, Folgen hat: Mobbing, soziale Ächtung, Verzweiflung, Rache, Schuld und Gewissensqual.

Dies die ziemlich aktuellen und nicht unambitionierten Themen, die Lars Klevberg in seinem vorgeblichen Horrorfilm »Polaroid« aufgreift, um sie sodann in einer mit 0815-Personal bestückten, nach Schema-F ablaufenden Handlung zu lediglich illustrativem Exploitation-Material verkommen zu lassen. Soll heißen: Uninteressante Pappkameraden tauschen Dialoge des Grauens aus, wenn sie nicht gerade im Zappendusteren herumtappen, weil natürlich mal wieder niemand nirgends den Lichtschalter findet und die Taschenlampe soeben den Geist aufgegeben hat. Auftritt: Rachsüchtiger Dämon im abgehackten Zeitraffer-Bewegungsmodus. Gähn!

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