Kritik zu Kalte Füße

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Die Anleihen beim französischen Vorbild sind unübersehbar: Wolfgang Groos' Komödie über die Begegnung eines schlitzohrigen Kleinkriminellen, der unfreiwillig zum Pfleger eines wohlhabenden Patienten wird

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Ziemlich beste Freunde werden der Loser Denis (Emilio Sakraya) und der reiche Schlaganfallpatient Raimund (Heiner Lauterbach) am Ende vielleicht doch noch. Von seinen windigen Freunden vor dessen vermeintlich verwaistem Anwesen ausgesetzt, um dort einzubrechen und mit der Beute seine Schulden zu begleichen, stolpert Denis buchstäblich über den vorzeitig in die heimische Pflege Entlassenen und wird für den angekündigten Krankenpfleger gehalten. Raimunds Enkelin Charlotte (Sonja Gerhardt), eine Polizeischülerin, taucht auf, um vorübergehend für den halbseitig gelähmten und sprachgestörten Mann zu sorgen. Über Nacht fällt Schnee, alle Kontakte zur Außenwelt einschließlich der Stromversorgung sind unterbrochen. Denis sitzt in der Falle. Und damit ist der ohnehin eher am – pardon – Krückstock sich fortbewegende Plot auch schon eingefroren.

Dramaturgisch durchsichtig und bisweilen wenig plausibel, müssen sich die drei endlose Scharmützel liefern, die die Story aber kaum vom Fleck bringen. Charlotte, der man die angehende Polizistin nicht abnehmen will, enttarnt den vermeintlichen Krankenpfleger irgendwann, findet den gut gebauten Denis aber auch attraktiv und landet mit ihm alsbald auf dem Sofa. Dazu gibt es reichlich Verfolgungsjagden, mit denen der ehemalige deutsche Karatemeister Sakraya etwas Bewegung in die Sache bringt, sowie leidlich komische Slapstick-Einlagen – altbewährt: Skifahrer rast gegen Baum – und ein Finale, bei dem die zarte Charlotte einen dicken Ganoven auf einen Glastisch knallt, der rasende Rollstuhlfahrer die tumben Gangster fast im Alleingang zur Strecke bringt und das obligatorische Happy End bevorsteht.

Regisseur Wolfgang Groos ist bisher mit Kinderfilmen (»Rennschwein Rudi Rüssel«, »Die Vampirschwestern«) hervorgetreten. Welche Zielgruppe er mit der vielfach geförderten deutsch-österreichischen Koproduktion im Auge hat, kann der Film nicht beantworten. Wenn der Verleih »Kalte Füße« als »moderne Adaption der klassischen Screwball-Komödie« anpreist, weckt er Erwartungen, die der Film nicht einlöst. Unvorhersehbarkeit, Wortwitz, die Herr-Knecht-Dialektik, wie sie aus dem Kontrast gegensätzlicher Charaktere und Milieus, etwa in Olivier Nakaches »Ziemlich beste Freunde« (2011), vorscheint, sucht man hier ebenso vergebens wie das Abgründige und Subversive, das eine gute Komödie auszeichnet. Die schlichten Dialoge sind mit Ausdrücken wie »Scheiße« und »Fuck« garniert, der grimmige Großvater Raimund – eine Rolle, die Heiner Lauterbach außer Grimassieren wenig abverlangt – fällt als Gesprächspartner ohnehin aus, zuweilen knurrt er ähnlich bissig wie sein Schäferhund. Obendrein leistet sich der Film auch einige Peinlichkeiten, etwa wenn Denis' Penis am Fensterbrett festfriert oder Charlotte unwissentlich an dem zum Eiszapfen erstarrten Urin leckt. Und auch die Körperpflege des Behinderten driftet in Richtung Fäkalhumor. Wer das lustig findet, wird an »Kalte Füße« seinen Spaß haben. Für die anderen ist der Film manchmal zum Fremdschämen.

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