Kritik zu Chaos im Netz

© Walt Disney

In der Fortsetzung von »Ralph reichts« entdecken Wreck-It Ralph und Vanellope einen Wi-Fi-Router und brechen ins Internet auf

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Willkommen im Internet! Das mag sich 2018 merkwürdig anhören, aber für Figuren, die die Protagonisten von Videospielen sind, denen man noch in Videoarkaden (statt auf dem Computer oder anderen mobilen Endgeräten) fröhnt, ist diese Welt tatsächlich Neuland.

Diese Figuren sind Wreck-It Ralph, dessen Unzufriedenheit mit seiner Rolle als »bad guy« eines Videospiels die Geschichte des Vorläuferfilms »Ralph reicht's« in Gang setzte, und Vanellope von Schweetz, Heldin des Autorennspiels »Sugar Rush«. Von ihrer sich entwickelnden Freundschaft erzählte der Disney-Animationsfilm von 2012.

Sechs Jahre danach beklagt sich Vanellope, dass ihr Spiel langweilig geworden sei. Bei Ralphs Versuch, es zu modernisieren, zerbricht dummerweise das Steuerrad der Spielerin. So gilt es, ein Ersatzteil aufzutreiben. Das allerdings ist so kostspielig, dass der Betreiber der Videoarkade abwinkt, weil er diese Investition nie wieder einspielen würde. Bevor also der Stecker gezogen wird, machen sich Ralph und Vanellope per Wi-Fi nach eBay auf, wo ihnen ein neues großes Abenteuer bevorsteht.

Sechs Jahre nach »Ralph reicht's« kommt vom damaligen kreativen Team, Produzent Clark Spencer, Regisseur Rich Moore und Co-Autor Phil Johnston, die zwischenzeitlich den nicht weniger originellen »Zoomania« verantworteten, die Fortsetzung des Überraschungserfolges, gleichermaßen Reise in die Vergangenheit wie Ausblick auf eine nahe Zukunft. So wie die Charaktere aus den Videospielen nach Feierabend Freizeit haben, so sind die Benutzer des Internets dort in Gestalt ihrer Avatare unterwegs, wo sie die Hilfe einer Internetseite namens BuzzzTube oder einer Suchmaschine namens KnowsMore in Anspruch nehmen können – allesamt vermenschlicht.

Es geht wiederum um die Freundschaft zweier ungleicher Charaktere, selbstgenügsam der eine, der gutmütige Riese, dessen Hände immer noch größer sind als sein Kopf, abenteuerlich-lustig die andere, das quirlige Mädchen, das aufblüht in der hektischen, lauten und unübersichtlichen Welt des Internets, während er davon überfordert ist. Ihre Sehnsucht nach Veränderung stellt ihre Freundschaft infrage, aber natürlich gibt es ein Happy End.

Wie die meisten neueren Disney-Animationsfilme verfügt auch »Chaos im Netz« über eine selbstreflexive Komponente. Hinreißend die Szene, in der Penelope, die ja selber eine Prinzessin ist, Hilfe von mehr als einem Dutzend Prinzessinnen aus dem Disney-Universum erhält, einschließlich einer, deren unverständliche Äußerungen mit dem Satz erklärt werden, sie sei »aus dem anderen Studio« – es handelt sich um Merida, die rothaarige Protagonistin des gleichnamigen Pixar-Films, die hier wie im Originalfilm von Kelly Mcdonald mit schwerem schottischen Akzent spricht. Dass in dieser Szene schließlich noch ein Gast aus einem ganz anderen Universum, jetzt ebenfalls Teil der Disney-Familie, zur Tür hereinschaut, bringt definitiv einen Lacher. Wie überhaupt »Cameos« der Disney-Zukäufe sich zum Running Gag entwickeln.

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