Gerhard Midding
Gerhard Midding ist freier Autor für Tageszeitungen (Berliner Zeitung, Die Welt), Zeitschriften (epd Film, filmbulletin) sowie Radio-(rbb Kulturradio) und Fernsehsender (3sat).
Filmkritiken von Gerhard Midding
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Victor Hugos gewaltiger Roman diesmal nicht als Epos, sondern als Kammerspiel. Éric Besnard schildert, wie der spätere Menschenfreund Jean Valjean seinen Kompass findet. Seine Inszenierung des Streitens um sittlichen und sozialen Fortschritt ist berückend düster und die Besetzung des Vierpersonenstückes glänzend: Als intime, konzentrierte Adaption sind diese »Elenden« beinahe so gewaltig wie die Vorlage.
Im sommerlichen Flirren der Cote d' Azur ringt ein gut behüteter Teenager mit seinen Träumen und muss entscheiden, welche Richtung er seinem Leben geben will. Einfühlsam begleiten Robin Campillo und der vor Drehbeginn verstorbene Laurent Cantet ihn durch den Taumel der Gefühle. Ein Gemeinschaftswerk, das nicht nur als postumer Freundschaftsdienst bewegend ist.
Toni Servillo ist Paolo Sorrentinos Muse. In ihrem siebten gemeinsamen Film verkörpert er einen Staatspräsidenten am Ende seiner Amtszeit, der heimgesucht wird von den trügerischen Erinnerungen an seine verstorbene Frau. Dringend anstehende Aufgaben schiebt er mit philosophischer Gelassenheit vor sich her, um dann verblüffende Entscheidungen zu treffen. Ein Hohelied auf die Melancholie, das ein, zwei Enden zu viel hat.
Ein sterbenskranker Gangsterboss, sein zukunftstrunkener Gegenspieler und eine Auftragskillerin, die ohne Schalldämpfer arbeitet: Christoph Hochhäusler inszeniert einen zeitgenössischen Film Noir, in dem das Alte und das Neue einen erbitterten Kampf um die Hoheit austragen. Eine Frischzellenkur für das Genre - nicht nur dank des ungeläufigen Drehorts Brüssel und einer Besetzung voller unverbrauchter Gesichter (Sophie Verbeek ist magistral), die um einen alten Löwen (der anmutig verwitterte Louis-Do de Lencquesaing) kreist.
Die nächtliche Bühne, die der dritte Langfilm des Regiegespanns Marcio Reolon und Filipe Matzembacher im Titel führt, ist mindestens doppeldeutig. Zwei ehrgeizige Schauspieler und ein aufstrebender Politiker spielen in dem queeren Erotikthriller eine Rolle, hinter der sich ihre wahre Identität verbergen muss.
Regiedebütant Lauro Cress und sein Co-Autor Florian Plumeyer haben Stefan Zweigs Vorlage frei und zugleich mit großer emotionaler Präzision adaptiert. Souverän erkunden sie die Schattierungen von Mitgefühl, Aufrichtigkeit, Stolz und Liebe. Das einnehmende Ensemble trägt maßgeblich zur elektrisierenden Frische des Melos bei.
In drei Epochen tragen sich auf dem Campus der Philipps-Universität Marburg drei stille, heitere Abenteuer der Entdeckung zu. Sie alle kreisen um einen stattlichen Ginkgobaum, dem zuzuhören sich lohnt. Ildikó Enyedi inszeniert ihren Film als eine Sinfonie der Sinneswahrnehmungen – aufgeweckt, verblüffend und empfänglich für die leiseste Seelenregung. Nebenbei ist ihr ein Lockdown-Film gelungen, auf den man schon nicht mehr zu hoffen wagte.
Eine späte Heimkehr, die in Aussöhnung und ein künstlerisches Comeback münden soll: Joachim Trier erzählt von einem Regisseur, der seine entfremdeten Töchter zurückgewinnen und sein Karrieretief überwinden will. Renate Reinsve und Stellan Skarsgård sind die Aufmerksamkeitsmagneten jeder Szene, aber Triers Film birst bis in die Nebenrollen vor klug gelenkter Schauspiellust.
Paolo Genovese inszeniert in seiner italienischen Erfolgskomödie eine leidlich verrückte Gefühlsverwirrung, bei der ein angehendes Liebespaar sich der widersprüchlichen Stimmen aus seinem Unterbewusstsein erwehren muss. Im Kern eine Variante von Pixars »Alles steht Kopf«; diesmal mit recht animierten Realfiguren.
Jean Dujardin und Regisseur Jan Kounen erzählen Richard Mathesons Geschichte »The Incredible Shrinking Man« neu. Voller solider Spezialeffekte und halbgarer philosophischer Erkenntnisse.
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Thema
Kosmopolitin des Lichts : Die Kamerafrau Hélène Louvart gehört zu den ganz Großen ihres Fachs. In diesem Frühjahr scheint sie überall zu sein...
Blogeintrag
Die Bären sind vergeben und das Festival klingt mit dem entspannten Berlinaletag aus. Ein Menge Fragen lässt der 76. Jahrgang dennoch zurück. Zum Beispiel nach einer bedeutsamen Belanglosigkeit.
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