Gerhard Midding

Gerhard Midding ist freier Autor für Tageszeitungen (Berliner Zeitung, Die Welt), Zeitschriften (epd Film, filmbulletin) sowie Radio-(rbb Kulturradio) und Fernsehsender (3sat). 

Filmkritiken von Gerhard Midding

Um zuerst eine hübsche Krankenpflegerin und dann ihre querschnittsgelähmte Schwester zu verführen, gibt ein erfolggewohnter Schürzenjäger vor, an den Rollstuhl gefesselt zu sein. Als Autor, Regisseur und Hauptdarsteller bemüht sich Franck Dubosc mit boulevardeskem Elan aus dieser heiklen Prämisse barrierefreien Humor zu schöpfen: »Liebe bringt alles ins Rollen«
An Spaniens Kinokassen traf Javier Fessers Komödie »Wir sind Champions« über den überheblichen Basketballcoach Marco, der einen bunten Trupp geistig Behinderter trainieren soll, offenbar einen Nerv. Die flotte Hymne auf Außenseiter mit unverhofften Talenten transportiert eine unkomplizierte Botschaft von Würde und Gemeinschaftssinn (nicht von ungefähr nennt sich die Mannschaft »Amigos«) und findet sogar Raum für Zwischentöne
In ihrem Langfilmdebüt »Wolf and Sheep« gelingt der afghanischen Regisseurin Sharhbanoo Sadat ein kleines Meisterstück der poetischen Wirklichkeitserkundung. Ihre Impressionen vom Leben einer Gemeinschaft von Bauern und Hirten sind tief verwurzelt im Alltag und den Legenden einer abgeschiedenen Bergregion
Mit seinen rassistischen wie sexistischen Äußerungen ist der Juraprofessor Pierre Mazard kaum noch tragbar. Im Namen der politischen Korrektheit soll er eine Studentin aus der Banlieue auf einen Wettbewerb in Redekunst vorbereiten. Yvan Attal inszeniert ihr Tauziehen als dramatische Komödie um Kulturerwerb und Aufgeschlossenheit: »Die brillante Mademoiselle Neïla«
Aus seltenen Archivaufnahmen von Bühnenauftritten und Selbstzeugnissen montiert Tom Volf eine schwelgerische Hommage, die ihre schillernde Legende respektiert: »Maria by Callas«
Ein Dokumentarfilm über Krieg und Flucht, Zerstörung und Wiederaufbau, der sich mit anmutiger Formenstrenge auf den Titel stiftenden Baustoff konzentriert: Der im Exil lebende syrische Regisseur Ziad Kalthoum entlockt ihm eine verblüffende, niemals arglose Poesie: »Taste of Cement«
Eine komplexbeladene, aber ehrgeizige IT-Angestellte glaubt, sich in eine unwiderstehliche Schönheit verwandelt zu haben. Die Komödie »I Feel Pretty« mit vielen Spiegelblicken, aber leider wenig Chemie zwischen den Darstellern bietet der munteren Komikerin eigentlich eine Paraderolle, bleibt aber sträflich outside Amy Schumer
Das Kino als Zeitmaschine, die gleichzeitig in zwei Epochen haltmacht: Christian Petzold verlegt Anna Seghers' Exilroman »Transit« nicht einfach in die Gegenwart, sondern lässt die Historie im Jetzt weiterwirken
Emily Atef inszeniert das letzte Interview, das Romy Schneider einem deutschen Medium gab, nicht als tragischen Offenbarungseid. Dank ihrer Darsteller wird daraus die intime, wehmütige Chronik eines souveränen Abschieds: »3 Tage in Quiberon«
Josef Bierbichlers Roman »Mittelreich« knüpft an die eigene Biografie des Schauspielers an. Nun hat er diese bayerische Jahrhundertchronik verfilmt, mit hochkarätigen (Bühnen-)Darstellern und inszenatorischem Ungestüm. Zuweilen wünscht man sich, ein Produzent oder Redakteur hätte ihm erklärt, dass dies im Kino so nicht funktioniert. Und dann wieder ist man froh, dass er nicht auf sie gehört hat: »Zwei Herren im Anzug«

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In seiner Heimat Israel ist er bereits Legende: Lior Ashkenazi hat lange die schwierigen, sich vom Einfluss der Väter befreien wollenden Söhne gespielt. In »Foxtrot« schlüpft er nun in die Rolle des Vaters