Gerhard Midding

Gerhard Midding ist freier Autor für Tageszeitungen (Berliner Zeitung, Die Welt), Zeitschriften (epd Film, filmbulletin) sowie Radio-(rbb Kulturradio) und Fernsehsender (3sat). 

Filmkritiken von Gerhard Midding

Eine chorale Komödie von der Heimatfront: Während ihre Männer in Afghanistan Dienst leisten, entdecken einige Soldatenfrauen ihre Lust am Singen. Militärische Disziplin und Lässigkeit geraten in erbitterten Widerstreit, bis sich die ungleichen Protagonistinnen dieser herzigen Brit-Com (Kristin Scott-Thomas und Sharon Horgan) zu Ein- und Wohlklang zusammenraufen
Eine filmische Masterclass voller Erstaunen, Stolz und Selbstironie: Agnès Varda zieht die Bilanz ihres Lebenswerks. Die zierliche Dame mit dem keck gefärbten Pilzkopf nennt dies eine Plauderei. Aber für die Filmemacherin, Fotografin und bildende Künstlerin ist das Persönliche stets unauflöslich mit der Gesellschaft verbunden. So erzählt ihr Selbstporträt auch von der Zeitgeschichte, die sie mit wachsamer Phantasie begleitet hat
Angesichts ihres Themas – der schwierigen Annäherung zweier entfremdeter Brüder, nachdem bei dem älteren ein Tumor entdeckt wurde – mutet der Titel von Valeria Golinos zweiter Regiearbeit paradox, ja leichtfertig an. Aber sie löst ihn mit großer Sensibilität ein. Ihre exzellent besetzte (Valerio Mastandrea, Riccardo Scarmarcio) Tragikomödie schlägt poetische Funken aus der Konfrontation unterschiedlicher Lebensauffassungen, bei der Schmerz und Trauer nicht das letzte Wort behalten
Im Winter 1968, wenige Monate vor ihrem Tod im Alter von nur 47 Jahren, gastiert Judy Garland in London. Es ist das letzte Aufbäumen einer Legende, die wegen Tab­lettensucht und privater Katastrophen in Scherben liegt. Renée Zellweger spielt sie glorreich: als frühes Opfer von Hollywoods Starsystem, das nun verzweifelt um die alte Energie und Professionalität ringt
Das Regieduo Eric Toledano und Olivier Nakache sind seit »Ziemlich beste Freunde« als Meister der hintergründigen Gesellschaftskomödie bekannt. Ihr neuer Film zeigt, dass ihr Blockbuster nur ein Probelauf war: In Gesellschaft ihrer Figuren empfindet man ein Hochgefühl, das so belastbar ist, dass man es auch ins wahre Leben mitnehmen kann
Ein 85-jähriger Dichter und ein zielloser Jugendlicher lernen, sich gegenseitig zu helfen. Francesco Bruni dirigiert ein gut aufgelegtes Figurenensemble in einem wunderbaren Film über Altern, Lernen und Erziehung: »Alles was du willst«
Die verwitwete Polizistin Yvonne (Adèle Haenel) stellt fest, dass ihr Mann nicht der heldenhafte Gesetzeshüter war, für den ihn alle Welt hielt. Ihre Wiedergutmachungsversuche inszeniert Pierre Salvadori mit klugem Irrwitz
Ein raffinierter Thriller, der diverse Register zwischen Komödie und Katastrophenfilm zieht. Das verhängnisvolle Aufeinandertreffen zweier unterschiedlicher Familien ist zugleich lesbar als Miniatur der südkoreanischen Gesellschaft
Eine risikoreiche Raumfahrtmission, die zugleich von einer Vatersuche erzählt, die mit dem Durchtrennen der Nabelschnur endet: James Grays erste Eskapade ins Science-Fiction-Genre ist ein intimes Epos, das spektakuläre Schauwerte und Seelenerforschung schillernd verknüpft. Bad Pitt spielt einnehmend den anfangs stressfreien Astronauten, der in der Weite des Alls nach Erkenntnis sucht. Tommy Lee Jones, Ruth Negga und Donald Sutherland leisten charismatische Unterstützung
Drei Jahre nach dem Terroranschlag auf das Pariser Bataclan spiegelt Mikhael Hers in seinem sommerlichen Melodram die Verletzbarkeit der Städte und ihrer Bewohner – mit wunderbaren Darstellern und hingebungsvoller Detailgenauigkeit

Weitere Inhalte zu Gerhard Midding

Thema
Was reist um die Welt außer SARS-CoV-2? Wie kosmopolitisch ist das Kino? Und was macht John Wayne in Japan? Über die globale Erfahrung im Erzählfilm
Blogeintrag