Familienbande

Ein kleiner irischer Film, der sich ganz auf seine Hauptfiguren konzentriert und trotzdem typisch irisch bleibt. Sprachwitzig, charaktervoll und in der Einsamkeit jenseits der großen Stadt stimmungsvoll erzählt

Erich Mielke – Meister der Angst

In Jens Beckers Film gewinnt das deutsche Geschichtsfernsehen moralisch gegen Erich Mielke: Die dokumentarische Bilder und wenige und dazu kaum überzeugenden Auskunftsgeber werden von lächerlichen Nachspielszenen beherrscht, in der Stasi-Chef (Kaspar Eichel) Auskunft über sein Innerstes gibt

El Club

Der chilenische Regisseur Pablo Larraín thematisiert in seinem mit dem Silbernen Bären ausgezeichneten Kammerdrama Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche und inszeniert die moralische Ambivalenz mit eindrucksvollen Bildern

Eisenstein in Guanajuato

Von zehn Tagen im Leben des Sergej Eisenstein und dessen Begegnungen mit Sex und Tod in Mexiko erzählt Peter Greenaway in seinem erstaunlich zugänglichen neuen Film. Visuelle Verspieltheit und Dekonstruktion gehen Hand in Hand mit klassischem, farbenprächtigem Erzählkino, und auch der quirlige Hauptdarsteller Elmer Bäk sorgt für Schwung und Humor

Democracy – Im Rausch der Daten

David Bernet gelingt mit seinem auch formal herausragenden Dokumentarfilm ein starkes Plädoyer für einen verantwortungsvollen Umgang mit privaten Daten. Ganz nebenbei zeigt er mit dem Datenschützer Jan Philipp Albrecht als Don Quijote des digitalen Zeitalters auch eine moderne Heldengeschichte

Body

Ein Vater, seine Tochter und ihre Therapeutin ringen auf unterschiedliche Weise mit der Trauer. Aus der Reibung zwischen ihren Temperamenten entsteht am Ende eine neue Perspektive, in »Body«, einem Film der zugleich ein trauriges Bild des heutigen Polen zeichnet

Aus unerfindlichen Gründen

Ein Stilmix wie aus einem Guss: Mit seinem Debüt über einen verträumten Loser im modernen Budapest gelingt Gábor Reisz ein großer Wurf

Alki Alki

Axel Ranisch, der Rosa von Praunheim und seine verwegene Großmutter zu Vorbildern hat, meidet in seinem »Trinkerdrama« die gängigen Problemfilmklischees und stellt die Sucht als Wesen aus Fleisch und Blut und besten Freund dar

Crimson Peak

Eine angehende Schriftstellerin verfällt im New York des Jahres 1901 einem britischen Adligen und wird seine Ehefrau. Doch in dem alten Familienbesitz in Großbritannien hat sie wiederholt Geistererscheinungen. Offenbar hat das Gebäude eine unheilvolle Vergangenheit. Guillermo de Toros Film balanciert souverän zwischen haunted house und gothic romance und ist zudem ein Fest für die Augen
Gerhard Midding

Gegen Ende von Costa-Gavras' Verfilmung von »Der Stellvertreter« gibt es eine Szene, deren Pathos mich beim ersten Sehen enorm ergriffen hat und mir nachhaltig in Erinnerung geblieben ist. Der von Mathieu Kassovitz verkörperte Jesuitenpater Riccardo hat bis zu diesem Moment alles versucht, um die Weltöffentlichkeit über die Judenvernichtung aufzuklären. Nun sieht er seine Anstrengungen gescheitert: Der Papst ließ den Holocaust in seiner Weihnachtsansprache unerwähnt. Das Morden geht weiter.

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