Sascha Westphal

Filmkritiken von Sascha Westphal

Ute Adamczewski spürt in ihrem Essayfilm der Geschichte der wilden Konzentrationslager nach, die die Nationalsozialisten ab März 1933 in Sachsen eingerichtet haben, und zeigt zugleich wie das dort Geschehene in Vergessenheit geraten ist. Sie beschwört so ein fortwährendes Nebeneinander von Vergangenheit und Gegenwart herauf, das einen lehrt, die alltägliche Welt um einen herum mit offeneren Augen zu betrachten
Bryan Fogel inszeniert seine überaus aufschlussreiche Recherche zum Mord an Jamal Khashoggi und zu den Methoden, mit denen das saudische Königshaus Oppositionelle zum Schweigen bringen will, bewusst mit den Mitteln eines Politthrillers. So schärft er den Blick für die manipulativen und propagandistischen Aspekte der gegenwärtigen (Geo-)Politik
Eine Ehe zerbricht, nach fast 30 Jahren. William Nicholsons kühler Blick auf ein Paar, das nie wirklich zusammengepasst hat, besticht vor allem durch seine beiden Hauptdarsteller, Annette Bening und Bill Nighy. Deren Spiel ist viel ausdrucksstärker als Nicholsons literarisch überambitioniertes Drehbuch
Michael Venus verknüpft in seinem atmosphärischen dichten Spielfilmdebüt klassische Schauermärchenmotive mit Reflexionen zu aktuellen politischen Entwicklungen. Das Horrorgenre trifft auf den deutschen Heimatfilm und bringt so das zum Vorschein, was der immer verleugnet hat
Kantemir Balagovs zweiter Spielfilm ist ein ästhetisches Vergnügen, das seinesgleichen sucht. Er erzählt die tragische Geschichte zweier Frontteilnehmerinnen im Leningrad der Nachkriegszeit in überwältigenden Bildern, die klassischen Gemälden gleichen. Die Schönheit der Einstellungen schiebt sich manches Mal vor die Geschichte und nimmt ihr etwas von ihrer emotionalen Wucht
Mit »Train to Busan« hat Yeon Sang-ho einen der eindrucksvollsten Zombie-Filme der vergangenen Jahre gedreht. Dessen nahezu blinde, aber ungeheuer geräuschempfindliche Zombies kehren zwar zurück, sind aber eher Beiwerk in diesem Sequel. Yeons post-apokalyptisches Szenario besticht zwar wieder durch die szenische Phantasie seiner Inszenierung, nur fehlt ihm die emotionale Tiefe seines Vorgängers
Was passiert, wenn in Brooklyn ein schwarzes Mädchen aus einer Arbeiterfamilie verschwindet? Vlad Feier zeigt in emotional extrem dichten Szenen, wie Rassismus, Armut, Gewalt und Ungleichheit das alltägliche Leben in den USA nachdrücklich bestimmen
Malik Vitthals Horrorthriller um eine Mordserie an Streifenpolizisten hat einige erzählerische Schwächen. Aber er trifft den Geist unserer von Polizeigewalt und »Black Lives Matter«-Protesten geprägten Zeit derart exakt, dass es fast schon unheimlich ist: »Body Cam«
Zwei Studenten des georgischen Nationalballetts verlieben sich ineinander und geraten in Konflikt mit einer zutiefst homophoben Gesellschaft. Levan Akins Film ist zugleich eine mitreißende Hommage an die traditionellen Tänze Georgiens
Ein nerdiger Computerspiel-Programmierer wird gegen seinen Willen zum Star eines mörderischen Fight Clubs, dem Millionen Zuschauer über das Internet folgen. Jason Lei Howdens Actionfilm »Guns Akimbo« erinnert an exzessive Genrespektakel wie »Crank«, jedoch fehlt es ihm die stilistischer Brillanz

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