Sascha Westphal

Filmkritiken von Sascha Westphal

Natürlich ist Julien Rambaldis Film »Ein Dorf sieht schwarz« über einen aus Afrika stammenden Arzt, der 1975 eine Praxis in der französischen Provinz übernimmt, hochaktuell. Trotzdem erhebt Rambaldi nie den Zeigefinger. Sein Plädoyer für Toleranz besticht stattdessen durch eine heitere Leichtigkeit und eine feine Ironie
Bill Condon wagt sich mit seinem Realfilm-Remake des berühmten Disney-Musicals an eine feministische Re-Vision des berühmten Märchens von der Schönen und dem Biest. Allerdings bleibt Condon auf halber Strecke stehen. So wird sein Film zum Spiegel unserer politisch zerrissenen Gegenwart
Die Freundschaft zweier 13-jähriger Jungen wird durch die Konflikte ihrer Eltern auf eine harte Probe gestellt. Ira Sachs erzählt in »Little Men« diese vermeintlich kleine Geschichte mit so viel Gespür, dass sie zum Spiegel unserer Welt wird
Den politischen Diskurs kann Raoul Pecks Biopic »Der junge Karl Marx« durch seine ernsthafte, aber keineswegs hagiografische Auseinandersetzung mit Marx vielleicht befruchten. Ästhetisch kommt er aber nur in den wenigsten Szenen über biederes Kostümkino hinaus
Im zweiten Teil der Saga um den von Keanu Reeves gespielten Profikiller John Wick setzt Regisseur Chad Stahelski seine Ideen von einem Actionkino, das konsequent mit den heutigen Inszenierungskonventionen des Genres bricht, noch konsequenter um
Zehn Jahre nach »Black Book« meldet sich Paul Verhoeven endlich wieder mit einem neuen Kinofilm zurück. Eine von Isabelle Huppert grandios verkörperte Unternehmerin wird in ihrer Villa vergewaltigt und lässt sich daraufhin auf eine Affäre ein. Dabei verschwimmen außer der Grenze zwischen Opfer und Täter auch die Genres. In »Elle« wird der Thriller zur bitterbösen Gesellschaftssatire
Ein Vater will die Beziehung seiner Tochter zu einem Drogenhändler beenden und gerät dabei in eine Spirale der Gewalt. Der isländische Filmemacher Baltasar Kormákur kühlt die klassische Thriller-Geschichte in »Der Eid« derart herunter, dass sie einen trotz aller handwerklichen Meisterschaft kalt lässt
Whit Stillmans Adaption des eher unbekannten Briefromans »Lady Susan« ragt weit aus der Masse der Jane-Austen-Verfilmungen heraus. Der Amerikaner trifft exakt den spöttischen Ton der englischen Schriftstellerin. Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung harmonieren perfekt in seiner Inszenierung wie im leichten und doch hintergründigen Spiel seines brillanten Ensembles in »Love & Friendship«
Eine junge, von Salomé Richard umwerfend verkörperte Frau treibt einen Sommer lang durch Straßburg. Rachel Langs radikales, ebenso poetisches wie politisches Spielfilmdebüt »Baden Baden« zeichnet ein präzises Bild unserer Gegenwart, in der die Unangepassten, die Suchenden und die nicht nur am Erfolg Interessieren kaum mehr einen Platz finden, und bekennt sich zugleich nachdrücklich zu einer anderen Welt
Mit »Aloys«, seinem Porträt eines Privatdetektivs, der das Beobachten zu seiner einzigen Lebensaufgabe erhoben hat, legt Tobias Nölle ein bemerkenswertes Spielfilmdebüt vor

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Chloë Sevigny verkörperte einst als vieldeutiges weißes Blatt die Hoffnung auf ein anderes Kino jenseits des Mainstreams. Nun ist sie noch einmal in einem Whit-Stillman-Film zu sehen, »Love & Friendship«
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