Sascha Westphal

Filmkritiken von Sascha Westphal

Ava
Als die 13-jährige Ava erfährt, dass sie bald erblinden wird, bricht sie aus ihrem Leben aus und lässt sich nur von ihren Sehnsüchten leiten. Mit ihrem Spielfilmdebüt hat Léa Mysius ein märchenhaftes und poetisches Comig-of-Age-Drama geschaffen, das so wild und faszinierend ist wie seine Heldin
Ruth Beckermann analysiert mit Originalmaterial die Waldheim-Kontroverse von 1986. Ihr Essayfilm »Waldheims Walzer« gleicht einer Zeitkapsel, die jedoch viel über die aktuellen politischen Entwicklungen erzählt
Frieder Schlaich greift in seinem Film »Naomis Reise« zwar die typischen Motive eines Gerichtsdramas auf, aber nur um konsequent mit ihnen zu brechen. Sein bewusst spröder, halbdokumentarischer Stil ermöglicht einem einen analytischen Blick auf das deutsche Justizsystem, der dessen Voreingenommenheit schonungslos offenlegt
Ein aus Syrien geflohener Aktivist will durch einen »Mr. Gay Syria«-Wettbewerb ein Zeichen gegen die Homophobie in der arabischen Welt setzen. Die Filmemacherin Ayşe Toprak unterstützt ihn zwar, aber ihrer Dokumentation fehlt der kämpferische Optimismus, den sie eigentlich porträtieren will
Mit der Geschichte um einen Vater, der die Spuren seiner verschwundenen Tochter im Netz verfolgt, schöpft Aneesh Chaganty die Möglichkeiten des Desktop-Films kongenial aus. Allerdings kann die formale Brillanz die dramaturgischen Schwächen von »Searching« nicht ganz überdecken
Ein Veteran des Irakkriegs kehrt in seine Heimatstadt zurück, um den Tod seiner Schwester aufzuklären. Damian John Harpers »In the Middle of the River« beginnt wie eine Mischung aus Thriller und Western, entwickelt sich aber bald zu einem stilistisch extrem anspruchsvollen Psychogramm der Trump-Ära
Im sechsten Teil der Serie muss Tom Cruise einmal mehr die Welt vor skrupellosen Terroristen retten. Regisseur und Drehbuchautor Christopher McQuarrie verknüpft allerdings Action und Emotion, Spektakel und Psychologie so perfekt, dass selbst altbekannte Situationen und Konstellationen in »Mission: Impossible – Fallout« einen unwiderstehlichen Sog entwickeln
Juliana Rojas und Marco Dutra vermischen auf wunderbar leichthändige Weise Politisches und Poetisches. Das Horrormärchen um einen Werwolfjungen und seine beiden Mütter besticht dabei vor allem durch Rui Poças fantastische Bildkompositionen, die das Kino der 40er Jahre zitieren und doch fest in unserer Zeit verankert sind
Stefano Sollimas Sequel, das sich dem »War on Drugs« aus einer anderen Richtung nähert, ist deutlich reißerischer als Denis Villeneuves »Sicario«, zugleich aber auch deutlich politischer. Wie einst Samuel Fuller nutzt Sollima die Spielräume des Genrekinos, um die US-amerikanische Wirklichkeit so schonungslos wie möglich abzubilden
Inspiriert von Édouard Louis' Roman »Das Ende von Eddy« erzählt Anne Fontaine in »Marvin« eine bewegende queere Comig-of-Age-Geschichte. Ihr sensibles Porträt der Verwandlung eines schwulen Arbeiterkindes aus der Provinz in einen aufstrebenden Pariser Schauspieler feiert zugleich die Kunst als Macht, die tatsächlich die Welt verändern kann

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Blutige Effekte waren gestern. In neueren Horrorfilmen wie »Hereditary« oder »The Killing of a sacred Deer« schleicht sich der Schrecken leise an
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Mit Gangsterserien und dem Thriller »Suburra« hat der Italiener Stefano Sollima sich als Spezialist für die Analyse prekärer Gesellschaften etabliert. Kein Wunder, dass man ihn für »Sicario 2« verpflichtet hat
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Manchmal wirkt sie fast körperlos – zart und zerbrechlich. Aber gerade mit ihrer Physis erzielt Alba Rohrwacher auf der Leinwand nachhaltige Wirkung. Die italienische Schauspielerin arbeitet vor allem mit Autorenfilmern zusammen. Wie jetzt in »Meine Tochter« zum zweiten Mal mit Laura Bispuri
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Der philippinische Autorenfilmer Lav Diaz bringt Bilder auf die Leinwand, in denen man sich verlieren kann – stundenlang. Sascha Westphal über den Traum von einem entgrenzten Kino
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In den neuen »Star Wars«-Filmen steht er als General Hux auf der dunklen Seite der Macht. Typischerweise aber spielt der Ire Domhnall Gleeson Figuren mit Idealen, Leute, die versuchen, das Richtige zu tun. Das gibt ihm in unseren unsicheren Zeiten eine fast unwiderstehliche Aura
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Der japanische Regisseur Sabu erzählt ­in seinen Filmen von Gangstern, Killern, Gelegenheits­kriminellen. Und entwickelt ein sehr eigenwilliges Genrekino mit Gespür für die Verwerfungen der zeitgenössischen Gesellschaft, für moderne Ausbeutungsverhältnisse. Und manchmal scheint sogar etwas Utopisches auf – wie in seinem neuen Film »Mr. Long«. Sascha Westphal über die schrecklich schöne Unberechenbarkeit des Sabu-Universums
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Bekannt ist sie für Kostümrollen, gern mit melodramatischem Touch. Aber eigentlich ist Alicia Vikander eine ganz gegenwärtige Schauspielerin – und manchmal, wie in »Ex Machina«, sogar ihrer Zeit voraus
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Wo sein Name draufsteht, steckt Krawall drin. Michael Bay, Regisseur von Blockbustern wie »Armageddon« und »Transformers«, ist der Angstgegner jedes ernsthaften Cineasten. ­Gelegentlich, etwa mit »Die Insel« oder »Pain & Gain«, hat er Abstecher ins erzählende Genre­kino unternommen. Aber meistens kann man bei ihm schon wegen der hektischen Montage nicht viel sehen. Oder? Sascha Westphal hat noch einmal hingeschaut
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Ihren endgültigen Durchbruch erlebte Viola Davis mit einer Serienrolle: In »How to Get Away with Murder« verkörpert sie eine weiblich-schwarze Spielart des Antihelden à la Walter White. Im Kino bislang auf die üblichen Nebenrollen reduziert, kommt sie derzeit in Denzel Washingtons Dramaverfilmung »Fences« groß raus
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Chloë Sevigny verkörperte einst als vieldeutiges weißes Blatt die Hoffnung auf ein anderes Kino jenseits des Mainstreams. Nun ist sie noch einmal in einem Whit-Stillman-Film zu sehen, »Love & Friendship«