Gerhard Midding

Seine Kindheit dürfen wir uns als eine tapfer ausgehaltene Zerrissenheit vorstellen. John Schlesinger, der heute vor 100 Jahren geboren wurde, stammte aus einer jüdischen Familie, wuchs aber in einem protestantischen Haushalt auf. In den Ferien nahmen ihn seine Eltern samstags in die Synagoge mit und am nächsten Morgen musste er zum anglikanischen Gottesdienst. Wem sollte er nun glauben, dem Rabbi oder dem Pastor? 

Das Kino von Josh Safdie ist eine Beobachtungsmaschine, immer in ­Bewegung, immer unter Druck.

Wovon sollen wir träumen

Milena Aboyan erzählt drei unterschiedliche Frauengeschichten, deren narrative Verknüpfung nicht ganz aufgeht. Dank starker Figuren und Darstellerinnen sowie durch die Thematisierung von häuslicher Gewalt, Rassismus (strukturell wie im Alltag) und der Unmenschlichkeit der deutschen Migrationspolitik gelingt ihr dennoch ein politisch wie gesellschaftlich relevanter Film.

Father Mother Sister Brother

Jim Jarmuschs betont ruhiger Episodenfilm über Eltern und (erwachsene) Kinder besticht durch ein hervorragendes Ensemble und findet gerade in der dramaturgischen Ereignislosigkeit eine emotionale Tiefe.

Marty Supreme

Josh Safdie gelingt mit seiner ersten Solo-Regie ein Film, der die Stärken früherer Arbeiten aufgreift und auf ein ganz neues Niveau hebt. Die fiktive, aber in realen Begebenheiten verwurzelte Geschichte des überambitionierten Marty Mauser, der im New York der frühen 50er Jahre davon träumt, Tischtennis-Weltmeister zu werden, vibriert vor rastloser Energie, bietet emotionale Achterbahnfahrten, die trotz Überlänge nie langweilen, und besticht durch einen überragenden Timothée Chalamet in der Hauptrolle.
Sabine Horst

Wer mal dachte, der typische Berlinale-Film sei eher ruhig erzählt, in langen Einstellungen, umsichtig und sensibel, der könnte sich am Wochenende die Augen gerieben haben. Es ist der reine Horror hier! Oder war es Zufall, dass sich da mehrere Filme zusammenrotteten, in denen das Blut nicht nur floß, sondern quoll, strömte, spritzte und über die Leinwand explodierte?

arte-Mediathek: »Ich hatte nur das Nichts«

Guillaume Ribots Dokumentation erinnert an die mühsamen Dreharbeiten zu Claude Lanzmanns epochalem Film »Shoah«.

Nachruf: Catherine O'Hara

Mit über 60 feierte sie ein großes Comeback in extravaganten Rollen, die gleichermaßen glamourös und goofy sein konnten. Am 30. Januar ist Catherine O'Hara mit 71 Jahren verstorben.
Gerhard Midding

Die Fügung, dass die Weltpremiere der 4-K-Restaurierung von »The Pornographers« auf den diesjährigen Valentinstag fällt, hätte den Regisseur zweifellos begeistert. Shohei Imamura liebte die filmische Kollision. Romantische Eintracht verheißt dieser Titel mitnichten. Im Original ist er noch etwas ausführlicher und gibt sich als »Einführung in die Menschenkunde« zu erkennen, was ebenfalls keine einvernehmliche Verzauberung in Aussicht stellt.

Netflix: »How to Get to Heaven from Belfast«

Nach ihrem Erfolg mit »Derry Girls« startet Lisa McGees neue Serie auf Netflix: ein Mix aus Thriller und Comedy.

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