Anke Sterneborg

Filmkritiken von Anke Sterneborg

Auch zwanzig Jahre nach dem Original trägt der Teufel noch Prada: Im Sequel unter der Regie von David Frankel gleichen Meryl Streep, Stanley Tucci, Anne Hathaway und Emily Blunt einer Band, die ein neues Album aufnimmt und damit auf Tour geht: Sie liefern dem Publikum die alten Hits und spielen zugleich ein paar moderne Songs.
David Dietl hat den Ludwig-Thoma-Klassiker zum Spielfilm ausgebaut, und da der Titelheld von Maximilian Brückner gespielt wird, ist er weniger Grantler als sympathischer Hallodri. In der recht konventionellen Erzählweise schimmern charmante Momente auf, die an das große Talent von Dietls Vater Helmut erinnern.
Markus Schleinzer entfaltet das vielschichtige ­Drama einer Frau, die sich für kurze Zeit Freiheiten erschwindelt, die im 17. Jahrhundert nur Männern zugestanden werden. In der Titelrolle kann man erneut ­erleben, wie Sandra Hüller ein existenzielles Geheimnis wahrt. Ein Film, der en passant sehr gegenwärtige Debatten kommentiert.
Im echten Leben mag die geistig und körperlich gebrechliche L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt das Opfer eines schamlosen Schwindlers gewesen sein, unter der Regie von Thierry Klifa und im schillernden Spiel von Isabelle Huppert wird sie zur vergnügten Rebellin gegen ein Leben im goldenen Käfig.
Weltuntergang mal nicht als Katastrophe, sondern als Chance für erfinderische Zusammenarbeit: In der Verfilmung von Andy Weirs Roman beweisen Phil Lord und Christopher Miller ihre Fähigkeit, alten Genres neue Facetten abzugewinnen, zusammen mit Ryan Gosling der als tragischster Mensch im Universum kindliche Entdeckerlust und komischem Schalk walten lässt.
Das Regiedebüt des Drehbuchautoren Bryan Fuller ist ein überbordend prächtig ausgestatteter und vor visuellen Ideen nur so strotzender Genre-Hybrid, der Kinderfantasie und Horroralptraum mit Tim Burton-Morbidität, Wes Anderson-Phantasie, Anders Thomas Jensen-Absurdität und Stephen Spielberg-Nostalgie verschmilzt.
»Die größte Liebesgeschichte aller Zeiten« als schillernd düstere Märchenfantasie: Zusammen mit Margot Robbie und Jacob Elordi dockt Emerald Fennell in ihrer Version von Emily Brontës viktorianischem Klassiker mit überwältigenden Schauwerten an den jugendlichen Überschwang der Gefühle an.
Ganz wahrhaftig, klischeefrei, ohne voyeuristische Schlüpfrigkeit und immer wieder auch komisch erzählt Alexe Poukine von einer jungen Sozialarbeiterin, die nach dem Tod ihres Partners auf keinen Fall zum Sozialfall werden will und darum in die Welt der Sexarbeiterinnen eintaucht.
Was macht man, wenn man sich nach dem Tod zwischen den zwei großen Lieben des eigenen Lebens entscheiden muss? Bei der Beantwortung der Frage nimmt der Film ein paar umständliche Wendungen, unterhält aber durch die schiere Fülle an gewitzten Ideen und Ausstattungsdetails.
Die erste Begegnung einer Teenager-Tochter mit dem italienischen Vater ist ein fein austariertes Ringen zwischen Anziehung und Abstoßung, Nähe und Fremdheit. In ihrem Spielfilmdebüt hat die Schauspielerin Alissa Jung eine Coming-of-Age-Geschichte auf drei Tage verdichtet, mit Juli Grabenreich als großer Entdeckung.

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