Anke Sterneborg

Filmkritiken von Anke Sterneborg

Der erste, in mehrfacher Hinsicht vielstimmige Spielfilm des Dokumentarfilmregisseurs Daniel Roher wechselt die Genres so fließend wie ein virtuoser Musiker die Tonlagen. Es beginnt als liebenswert verspielte Buddy-Komödie über den Arbeitsalltag zweier New Yorker Klavier-Stimmer, geht fließend in eine romantische Liebesgeschichte über, die wiederum von einem Heist-Thriller wird.
Rosanne Pel entfaltet das Psychogramm einer dysfunktionalen Familie, pointiert formuliert, sinnlich erzählt und virtuos gespielt von Jil Krammer, Susanne Wolff und Hildegard Schmahl.
Eine kleine Coming-of-Age-Odyssee durch die brütende Hitze eines Berliner Sommertages. In ihrem Spielfilmdebüt findet Sorina Gajewski eine fragile Balance zwischen Nähe und Distanz, Bewegung und Stillstand, Resignation und Dringlichkeit.
Auch zwanzig Jahre nach dem Original trägt der Teufel noch Prada: Im Sequel unter der Regie von David Frankel gleichen Meryl Streep, Stanley Tucci, Anne Hathaway und Emily Blunt einer Band, die ein neues Album aufnimmt und damit auf Tour geht: Sie liefern dem Publikum die alten Hits und spielen zugleich ein paar moderne Songs.
David Dietl hat den Ludwig-Thoma-Klassiker zum Spielfilm ausgebaut, und da der Titelheld von Maximilian Brückner gespielt wird, ist er weniger Grantler als sympathischer Hallodri. In der recht konventionellen Erzählweise schimmern charmante Momente auf, die an das große Talent von Dietls Vater Helmut erinnern.
Markus Schleinzer entfaltet das vielschichtige ­Drama einer Frau, die sich für kurze Zeit Freiheiten erschwindelt, die im 17. Jahrhundert nur Männern zugestanden werden. In der Titelrolle kann man erneut ­erleben, wie Sandra Hüller ein existenzielles Geheimnis wahrt. Ein Film, der en passant sehr gegenwärtige Debatten kommentiert.
Im echten Leben mag die geistig und körperlich gebrechliche L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt das Opfer eines schamlosen Schwindlers gewesen sein, unter der Regie von Thierry Klifa und im schillernden Spiel von Isabelle Huppert wird sie zur vergnügten Rebellin gegen ein Leben im goldenen Käfig.
Weltuntergang mal nicht als Katastrophe, sondern als Chance für erfinderische Zusammenarbeit: In der Verfilmung von Andy Weirs Roman beweisen Phil Lord und Christopher Miller ihre Fähigkeit, alten Genres neue Facetten abzugewinnen, zusammen mit Ryan Gosling der als tragischster Mensch im Universum kindliche Entdeckerlust und komischem Schalk walten lässt.
Das Regiedebüt des Drehbuchautoren Bryan Fuller ist ein überbordend prächtig ausgestatteter und vor visuellen Ideen nur so strotzender Genre-Hybrid, der Kinderfantasie und Horroralptraum mit Tim Burton-Morbidität, Wes Anderson-Phantasie, Anders Thomas Jensen-Absurdität und Stephen Spielberg-Nostalgie verschmilzt.
»Die größte Liebesgeschichte aller Zeiten« als schillernd düstere Märchenfantasie: Zusammen mit Margot Robbie und Jacob Elordi dockt Emerald Fennell in ihrer Version von Emily Brontës viktorianischem Klassiker mit überwältigenden Schauwerten an den jugendlichen Überschwang der Gefühle an.

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