Anke Sterneborg

Filmkritiken von Anke Sterneborg

Agathe Riedinger prangert die Mechanismen einer Selbstoptimierung an, die an Selbstverstümmelung grenzt, betrachtet die Reality-TV-Obsession der 19-jährigen Liane aber voll Empathie und Respekt.
Ein Mann will beweisen, dass er in woken Zeiten noch zukunftstauglich ist. Dafür bittet Simon Verhoeven u. a. Jan Josef Liefers, Nadja Uhl, Meltem Kaptan und Denise M'Baye auf warmherzig amüsante Weise zum Tanz mit den Fallstricken von Gleichberechtigung und Diversität.
All den widersprüchlichen Gefühlen einer Frau und Mutter spürt »Haltlos« in einer Intensität nach, die ihn zu einer emotionalen Achterbahnfahrt macht. Schlingernd, strauchelnd, irrlichternd verkörpert, spielt und singt Lilith Stangenberg sich die Seele aus dem Leib, unter der Regie von Kida Kodhr Ramadan, der hier seine Komfortzone entschieden hinter sich lässt.
Kein Biopic, sondern ein Film, der eine Einladung in den Kopf des Choreographen John Cranko (Sam Riley) sein und mit seiner Seele auch die des Tanzes erfassen will. Dabei zielt Joachim A. Lang weniger auf naturalistische Wahrhaftigkeit als auf gelegentlich ein bisschen zu ausgeprägten Kunstwillen.
Ein böses Katz-und-Maus-Spiel zwischen einer bemüht korrekten amerikanischen und einer englischen Familie. Auch im britisch gefärbten US-Remake des dänischen Thrillers zeigt sich, dass düstere Abgründe besonders interessant sind, wenn sie unter verführerisch-charmanter Fassade brodeln.
In Tim Burtons Wiederaufnahme seines »Beetlejuice«-Klassikers geht der Gruseltanz der Lebenden mit den Geistern der Toten in die zweite Runde. Das ist ein wildes, nostalgisches, handgemachtes Späßchen, das vor visuellen und motivischen Ideen nur so sprüht, aber als 105minütige Geisterbahnfahrt auch ein wenig ermüdet.
In der bewährten Mischung aus komischen, ernsthaften und gefühlvollen Noten bringt der Film Uwe Ochsenknecht und Corinna Harfouch unter existenziell dringlichen Bedingungen als Paar zusammen.
Anders als ihr Kollege Thomas Vinterberg nutzt Annika Appelin das Familienfest nicht als Katalysator für einen existenziellen Schlagabtausch, sondern eher verspielt und sinnlich als Karussell neuer Möglichkeiten, als kleiner Schubs aus den festgefahrenen Bahnen des Lebens: Man könnte ja noch mal was ganz Neues probieren, alte und neue Leidenschaften wiederentdecken.
In ihrem Regiedebüt serviert Zoe Kravitz eine Cinderella-Story mit finsterem Twist und mischt das neue Feld feministischer Thriller mit neuen Ideen und tollem Ensemble auf.
In einem Film, der den Anspruch hat, der Western aller Western zu sein, rollt Kevin Costner die Geschichte der Besiedelung des amerikanischen Westens neu auf, erzählt mit langem Atem, in vielen verschiedenen, angemessen multikulturellen Perspektiven. Costner selbst übernimmt die klassische Figur des Lone Rangers.

Weitere Inhalte zu Anke Sterneborg

Tipp
Wurmreiten leicht gemacht: Die DVD von »Dune: Part Two« gewährt Einblick in die Werkstatt des Wüstenplaneten.
Tipp
Flucht in die Fantasie: »Deep Sea« beeindruckt durch besondere Animation.
Tipp
Fiktion und Realität: Die Miniserie »The Long Shadow« über den »Yorkshire Ripper«.
Tipp
Selbstbewusst und frei: »Fass mich an« ist das Porträt einer Frau, die ohne Bindungen ihre sexuellen Wünsche auslebt.
Tipp
Ein Grenzgänger zwischen Film und bildender Kunst: Julian Schnabel
Tipp
Diskrete Forschung: Über den Dokumentaristen Frederick Wiseman.
Tipp
Der Mann in der Rüstung: Disney bringt Serien wie »The Mandalorian« nun auch physisch heraus.
Tipp
Mit »Der lange Abschied« und »Kurze Begegnungen« erscheinen zwei lange unentdeckte Filme der ukra­inischen Regisseurin Kira Muratowa gemeinsam auf DVD und Blu-ray.
Meldung
Zum 36. Mal wurden die European Filmawards am 9.12. vergeben, wie jedes zweite Jahr in Berlin, der Gründungsstadt der Akademie.
Tipp
Alle nichts gewusst? »Deutsches Haus« erzählt von den ersten Prozessen gegen SS-Offiziere in Frankfurt.