Claudia Lenssen

Filmkritiken von Claudia Lenssen

Andrzej Wajda, der große alte Mann des polnischen Kinos, rollt in der kunstvollen Episodenstruktur seines Dramas »Das Massaker von Katyn« die Umstände und Folgen der Ermordung von über 20.000 polnischen Offizieren und Zivilisten im Wald von Katyn auf
Kunst als Repräsentationsware, Imageprothese, Popartikel, Galeristen in der Rolle des Art-Dealers und Künstlermachers: Der in Deutschland lebende kroatische Dokumentarfilmer Zoran Solomun porträtiert in »Super Art Market« fünf Galeristen, die im Zuge des Kunstbooms in den Jahren vor der Finanzkrise zu erfolgreichen Global Players avancierten
Eine – vielleicht – unschuldig verhaftete junge Frau bringt im Gefängnis einen Sohn zur Welt und lernt mit Hilfe einer Freundin und Geliebten im Müttertrakt zu überleben. »Löwenkäfig« ist eine präzise Milieustudie aus Argentinien über den Alltag inhaftierter Mütter
Der kanadische Autorenfilmer Atom Egoyan ist ein besessener Erzähler familiärer Verstrickungen. Viele seiner Filme sind magische Trips, doch in seinem neuen Werk erweist sich die komplexe Erzählstruktur um eine Halbwaise auf der Suche nach ihrer wahren Familiengeschichte als reichlich konstruiert: »Simons Geheimnis«
Werner Schroeters Verfilmung eines Romans von Juan Carlos Onetti ist Thriller und barockes Welttheater zugleich. Ein Arzt und Rebell (Pascal Greggory) kehrt nach verlorenem Krieg in die Stadt zurück, um seine Geliebte zu suchen, und gerät zwischen die Fronten ehemaliger Genossen und neuer Machthaber: »Diese Nacht«
Hildegard Knefs Biografie in einem atemlosen Episodenreigen von den frühen Kriegserlebnissen bis zum Ruhm einer selbst erschaffenen Chanson-Ikone. Heike Makatsch singt tapfer, aber ohne rauchiges Timbre. Mit großen Gesten kämpft sie gegen wenig ausgefeilte Dialoge und ein überladenes Drehbuch an, das die wechselvolle Karriere der Knef als plakative Aufstiegs- und Emanzipationsgeschichte nacherzählt
Komödie um drei Männer im besten Alter, die sich am Bett ihres sterbenskranken Freundes treffen. Ein Generationenporträt der Post-68er, das, vom Schauspielerensemble angenehm dezent verkörpert, aus der Situation des Wartens und Erinnerns jedoch zu wenig Substanz entwickelt
Ein Ausflug zweier Freunde in die Wälder von Oregon wird als sarkastisch melancholisches Generationenporträt erzählt. Die einstmals vom alternativen Leben überzeugten Dreißigjährigen ziehen sich vor Bushs Amerika zurück, ohne ganz entfliehen zu können
Amerikanische Zeitgeistkomödie um eine allein lebende Geschäftsfrau, die sich mit Hilfe einer Leihmutter ihren Kinderwunsch erfüllen will. Knallige Lifestyle-Kritik mit romantischer Wendung
Max Färberböcks Verfilmung des Bestsellers einer Berliner Journalistin, die in ihrem Tagebuch von den Vergewaltigungen der Roten Armee am Kriegsende 1945 berichtete, kapituliert trotz guter Detailzeichnung vor den Konventionen des Mainstreams