Kritik zu Super Art Market

© Peripher Filmverleih/Arsenal Distribution

Der Handel mit Kunst generierte bis zur Finanzkrise weltweit Milliardenumsätze, hinzu kam der Auktionshandel, der die pure Spekulation mit imageträchtigen Namen antrieb. Zoran Solomun hat den Hype noch rechtzeitig dokumentiert

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Am Ende von »Super Art Market« beobachtet die Kamera, wie auf einer Kunstmesse leere Kekspackungen aus China für drei Dollar das Stück angeboten werden. Das Publikum merkt zwar an, dass der Kunstcharakter der Ware eigentlich »nothing« ist, kauft aber doch den Stand allmählich leer.

Mit solchen Impressionen, die ohne kritischen Off-Kommentar auskommen, fängt der Dokumentarfilmer Zoran Solomun das fragile, diffuse, irrationale Phänomen des zeitgenössischen Kunst-Hypes ein. Obwohl der Film eine zurückhaltende, scheinbar affirmative Studie über diesen Nebenschauplatz des heiß gelaufenen Finanzmarktes ist, stellt er implizit Fragen nach dem Wert und der Bedeutung von Kunst in einer Marktstruktur, in der es dreist und draufgängerisch in erster Linie um Image, um ein obszönes Je-teurerdesto- besser geht. Der Kekstütenkram mit der gigantischen Handelsspanne ist nur ironisches Aperçu, eines der vielen absurden Kunstobjekte und ästhetischen Gebrauchsanweisungen, die »Super Art Market« mit beträchtlichem Unterhaltungswert vorführt. Im Zentrum des Films stehen jedoch fünf unruhige Akteure der internationalen Galeristenszene, die Solomun an charakteristische Schauplätze ihrer Geschäfte begleitet.

Leo König, ein 30-jähriger Draufgänger, Spross einer gut vernetzten Kölner Kuratorenund Kunstbuchhändlerfamilie, floh vor der Bundeswehr nach New York und mauserte sich zum Shootingstar in New Yorks Kunstquartier Chelsea. König jongliert mit fantastischen Preisen in einer geschlossenen Welt aus Künstlerfreunden und Sammlern. Julian Schnabel »bespielt« beispielsweise sein niedersächsisches Schloss mit großformatigen Bildern und wir sehen im Film dessen Sohn Vito, einen Nachwuchs-Art-Dealer, in einer maliziösen Parodie auf diese Welt über die blauen Putzlappen räsonieren, die Schnabel als Material für seine Bilder benutzte.

Anders der Schweizer Sinologe Lorenz Helbling, der mit seiner Galerie in Shanghai auf der Suche nach attraktiven Abrissquartieren ist, die Lagerkapazität bieten. Der Grübler besucht den Künstler Zhou Tiehai, der Bilder aus dem Internet zieht und diese von namenlosen Atelierhelfern abmalen lässt. Der junge rumänische Kunstvermittler Mihai Pop vertritt Osteuropa in der Szene, wenn er zum Beispiel einer amerikanischen Messekundin geduldig erklärt, warum ein Video, in dem ein rumänischer Junge Coca Cola mit Pepsi mischt, eine Auseinandersetzung mit der Globalisierung darstellt. Und das sächsische Schlitzohr Judy Lybke von der Berliner Galerie Eigen+Art wird als moderner Impresario gezeigt, der den Small-Talk beherrscht, mit dem sich Kunden für tolle Bilder einnehmen lassen. Die Londonerin Laura Bartlett schließlich überzeugt eine zaudernde Künstlerin von ihrem Talent für das große Galerie-Parkett.

Ende letzten Jahres brach der Boom ab, so dass Zoran Solomun mit dem Nachsatz schließt, viele Galerien seien inzwischen insolvent. Sein Film ist ein schönes Dokument über die Betriebstemperatur des Geschäfts kurz vor der Implosion.

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