Film des Monats Februar: »Souleymans Geschichte«
Zwei Tage hat Souleyman noch Zeit, sich auf das entscheidende Gespräch bei der Asylbehörde vorzubereiten. Dort fällt die Entscheidung, ob der junge Mann aus Guinea in Frankreich bleiben kann. Der Film beschreibt die 48 Stunden vor der Anhörung. Die Kamera bleibt nah an ihrer Hauptfigur. Der Druck, unter dem Souleyman steht, wird für den Zuschauer fast körperlich spürbar. Er arbeitet – illegal – als Essensauslieferer, rast auf dem Fahrrad bei Wind und Wetter durch die Straßen von Paris und memoriert dabei immer wieder die Geschichte, die er der Asylbehörde erzählen soll. So zumindest hat Barry es ihm gesagt. Letzterer ist ein Westafrikaner, der mit diesen Beratungen sein Geld verdient. Aber es ist nicht Souleymans eigene Geschichte, die der junge Asylbewerber da auswendig lernt. Nach und nach offenbaren sich Bruchstücke seines bisherigen Lebens: eine Liebesbeziehung zu einer Frau in seiner Heimat, die er zurückgelassen hat, und eine Mutter, die krank ist. Zum Schlafen ist Souleyman auf die Obdachlosenunterkünfte außerhalb der Stadt angewiesen. Allein um den Bus pünktlich zu erreichen, der ihn spätabends dorthin bringt, muss er sich anstrengen. Zwischen all den aufreibenden Anforderungen gibt es nur kurze Momente der Aufmerksamkeit anderer, einen Kaffee, einen Bonbon, einen empfundenen Dank. Souleyman will nicht lügen. Ohne zu tricksen hat er jedoch keine Chance, in der neuen Umgebung zurechtzukommen.
Der Film zeigt die Härte der sogenannten Gig-Economy exemplarisch am Geschäft der Lieferdienste. Ein System, das die Ausgebeuteten zu ihren eigenen Agenten macht, eine Not, von der die westliche Gesellschaft profitiert. Trotz der Nähe zu Souleyman ist die Inszenierung fast dokumentarisch. Die überragende schauspielerische Leistung des Laiendarstellers Abou Sangaré ist eindrücklich. Die Anhörung selbst wirkt am Ende fast wie eine Katharsis und stellt die Maßstäbe der juristischen Beurteilung in den Zusammenhang menschlicher, universaler Beweggründe. Der Film ist ein Plädoyer für Humanität gegenüber Menschen, die an den Rändern der Großstadt um ihre Existenz und ihren Aufenthaltsstatus ringen.



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