Patrick Seyboth

Filmkritiken von Patrick Seyboth

Nach »Höhere Gewalt« und »The Square« geht Ruben Östlund in seinem neuen Film etwas brachialer zu Werk: Im Mikrokosmos einer Luxusjacht der Reichen und Schönen erzählt er vom ganz normalen Wahnsinn des Kapitalismus, seinem Untergang und einem fragwürdigen Neubeginn. Ein bitterböser, aber nicht herzloser Film.
Stanislaw Mucha porträtiert in seinem Dokumentarfilm ein paar Menschen am Ende der Welt: Meteorologen auf einer abgeschiedenen Wetterstation am russischen Polarmeer. Mit viel Gespür für die Poesie des Desolaten erzählt er aber auch düstere Geschichten von hungrigen Eisbären, Wahnsinn und zwischenmenschlichen Dramen.
Laura Bispuris Ensembledrama um die Geburtstagsfeier einer alten Dame ergeht sich lange in Andeutungen, bevor eine Überzahl an Themen plakativ ausgespielt und metaphorisch überhöht wird. Trotz starker Einzelmomente können dabei weder die dürftig gezeichneten Figuren noch die skizzenhaft bleibenden Konflikte Interesse erwecken.
Das Porträt des russischen Oppositionellen Alexei Nawalny ist hautnah an seinem Protagonisten. Zwar bleibt der Film etwas vordergründig und neigt zur Heroisierung Nawalnys, abgesehen davon bietet er neben der Spannung eines Thrillers faszinierende Einblicke in die Mechanismen des Systems Putin.
Apichatpong Weerasethakul erzählt von einer Frau, die von einem rätselhaften Knallgeräusch heimgesucht wird und sich in Kolumbien auf die Suche nach dessen Ursprung macht: Eine audiovisuelle Quest von meditativer Ruhe, die in eine Welt der Rätsel und Wunder führt. In der Hauptrolle fasziniert Tilda Swinton.
In einer mitreißend montierten Mischung aus Poem und Essay vereint der Film spektakuläre Bilder von sechs Kontinenten, die allesamt um Flüsse und unser Verhältnis zu ihnen kreisen. Allerdings neigt schon die Musikauswahl stellenweise zum allzu dicken Auftrag; eine Narration voller Gemeinplätze und Weisheiten fürs Poesiealbum schmälert die Wirkung leider noch mehr.
In sinnlicher Sommeratmosphäre erzählen die Zwillingsbrüder Damiano und Fabio D'Innocenzo römische Vorstadtgeschichten als Pandämonium unterdrückter Aggressionen und uneingestandener Sehnsüchte. Reizvolle Details und grotesker Humor verhindern nicht, dass seine alles überlagernde Abgeklärtheit und Bitterkeit den Film letztlich stumpf machen.
In diesem außergewöhnlichen Regiedebüt zwischen Folk Horror und absurder Komödie, angesiedelt in den Weiten Islands, wird in einem Schafstall ein merkwürdiges Mischwesen geboren – und vom jungen Bauernpaar wie ihr eigenes Kind aufgezogen. Doch die unheilige Familie bleibt nicht lange unter sich.
Ein Kunstmarkt-Dokumentarfilm als packende Mischung aus Farce und Thriller, der den Weg des Leonardo da Vinci zugeschriebenen Gemäldes »Salvator mundi« vom anonymen Schnäppchen zum teuersten Kunstwerk der Welt rekonstruiert
Kunstvoll verschachtelt und doch schnörkellos erzählt, ist Mia Hansen-Løves Drama über ein Filmemacher-Paar eine wunderbar elegante und subtile Studie über das Verhältnis von Leben und Kunst

Weitere Inhalte zu Patrick Seyboth

Thema
Der Fall Relotius hat die Öffentlichkeit aufgestört. Jetzt startet Bully Herbigs Film »Tausend Zeilen« dazu. Und Patrick Seyboth stellt fest: Journalisten hatten im deutschen Kino schon immer etwas Dubioses.
Tipp
Mythen des »Dritten Reichs«: Rüdiger Sünners Dokumentarfilm »Schwarze Sonne«.
Tipp
Monumentaler geht nicht: Sergei Bondartschuks »Krieg und Frieden« wurde restauriert.
Meldung
Endlich wieder Kino: Nach zwei fast ausschließlichen Onlineausgaben konnte das DOK.fest München in diesem Jahr in seine Partnerkinos zurückkehren
Tipp
Fast 50 Jahre lang war Moderator und DJ Jimmy Savile der Darling der Briten. »Jimmy Savile: A British Horror Story« erzählt vom Abgrund hinter der Fassade.
Tipp
Ein Wiedersehen wert: David Lynchs »Dune – Der Wüstenplanet« in opulenter Edition.
Tipp
Zeitreisen und ein Horrorhase: Zum 20. Jubiläum in 4K restauriert: »Donnie Darko« von Richard Kelly.
Tipp
Dunkler Traum Hollywood: David Lynchs »Mulholland Drive«, frisch restauriert.
Tipp
Mörder ohne Ich: Mary Harrons »American Psycho« in luxuriöser 4K Special Edition.
Tipp
Stylish, sexy, brutal: Paul Verhoevens »Basic Instinct«, digtal restauriert.