Patrick Seyboth
Filmkritiken von Patrick Seyboth
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Aleksandre Koberidze erzählt von einem Vater auf der Suche nach seiner verschwundenen Tochter. Sein Roadtrip zu lauter ländlichen Fußballplätzen Georgiens ergibt jedoch kein typisches Road Movie mit tollen Landschaftspanoramen: Gedreht auf einem Handy von 2008 ist der Film ein hintersinnig-vertracktes Spiel mit der Wahrnehmung und unseren Erwartungen, wunderbar ironisch und poetisch.
Der dritte Spielfilm des Chinesen Bi Gan ist eine überaus ambitionierte, immer wieder berauschend schöne Liebeserklärung an das Kino, dessen enge Verbindung zum Traum hier in sechs Kapiteln, durch 100 Jahre Film- und chinesische Geschichte virtuos durchgespielt wird.
Zweieinhalb Stunden sind leider zu wenig, um den Aufstieg Putins und des Putinismus durch die Augen seines enigmatischen Beraters zu erzählen. Jude Law und Paul Dano in den Hauptrollen glänzen, doch die Erzählung bleibt über weite Strecken zu flüchtig, trotz einiger messerscharfer Dialoge und teils unheimlicher Erkenntnisse über Macht und Manipulation.
Park Chan-wooks neues Werk ist eine virtuos inszenierte Satire auf den Spätkapitalismus: Stets zwischen Schrecken und Spaß wechselnd, erzählt sie von einem Angestellten, der wegrationalisiert wird, doch seinen Status und Wohlstand mit drastischen Mitteln verteidigt.
Ein Liebesfilm aus der Innenperspektive eines englischen Abschiebezentrums, in dem die Liebe der Protagonistinnen der Härte des Asylsystems trotzt. Die Ruhe und Einfühlung der Inszenierung und das leidenschaftliche Spiel der Darstellerinnen kommen leider nicht ganz gegen ein sehr schwaches Drehbuch an.
In einem Kaff in der Wüste New Mexicos brechen sich zur Zeit der Corona-Pandemie so ziemlich alle Konflikte Bahn, die die US-Gesellschaft seitdem prägen. Starbesetzt, teils virtuos erzählt und gnadenlos in alle Richtungen austeilend, bleibt diese Versuchsanordnung doch zu steril, um ihrer eigenen Ambition gerecht zu werden.
Ein furioser Thriller um eine (versehentliche) Koranverbrennung bei einem Filmdreh und eine Praktikantin in Nöten – grandios gespielt von Devrim Lingnau. Im vielschichtigen wie -deutigen Geflecht aus Projektionen, Vorurteilen und Paranoia spiegelt Mehmet Akif Büyükatalay treffsicher und sarkastisch Dynamiken einer gespaltenen, hysterisierten Gesellschaft.
In ihrem ersten Langfilm erzählt die Wiener Filmemacherin, Autorin und Punkmusikerin Marie Luise Lehner unaufgeregt wie einfühlsam von einer 12-Jährigen, die an ihrer »poshen« Schule mit Scham für ihre soziale Herkunft und die gehörlose Mutter konfrontiert wird. Ein berührendes Plädoyer für Offenheit und das Überwinden von Grenzen.
Der neue Film von Christian Petzold, wieder mit Paula Beer, ist ein sommerlich-abgründiges Spiel der Identitäten: Eine junge Pianistin findet nach einem schrecklichen Unfall auf dem Land Aufnahme bei einer Familie, die ein dunkles Geheimnis hütet.
Elmar Imanovs bizarres Drama erzählt von einem Schriftsteller, der Abschied von seinem entfremdeten Vater nehmen muss. Doch das ist nur eine Ebene des Films, der mit surrealen Motiven, absurden Details und schrägem Humor einen faszinierenden Trip in Innenwelten unternimmt.
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