HBO Max: »A Knight of the Seven Kingdoms«

»A Knight of the Seven Kingdoms« (Miniserie, 2026). © HBO / Steffan Hill

»A Knight of the Seven Kingdoms« (Miniserie, 2026). © HBO / Steffan Hill

Zurück nach Westeros: Das sechsteilige »Game of Thrones«-Spin-off erzählt im Kleinformat von den Abenteuern des »Heckenritters« Ser Duncan der Große und seinem Knappen Ei

Ritterlich möchte Ser Duncan der Große (Peter Claffey) sein, im klassischen Sinne: ehrenhaft kämpfen für die Schwachen und Unschuldigen. Doch alsbald folgt die Desillusionierung. Eigentlich ist ein Aufrechter wie er an einem gnadenlosen Ort wie dem von George R. R. Martin ersonnenen Westeros heillos fehl am Platz. Zu viele sind in dieser mittelalterlichen Fantasywelt auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Zu sehr gilt das Recht des Stärkeren. Und so handelt die Erzählung davon, wie einer wie Duncan versucht, seinen Prinzipien treu zu bleiben – und zu überleben –, obwohl es leichter wäre, den Kopf unten zu halten und sich anzupassen.

Reiche, adelige Familienclans konkurrieren um die Vorherrschaft im Reich und knechten die ärmeren Bevölkerungsschichten, die in Dörfern und Elendsvierteln hausen. Aus einem solchen, nämlich Flohloch in der Hauptstadt Königsmund, stammt auch Sir Duncan. Damals hieß er noch Dunk und schlug sich als Waise durch. In höchster Not nahm ihn ein saufender, bärbeißiger, aber gutherziger Ritter, Ser Arlan von Hellerbaum, unter seine Fittiche. Als dieser stirbt, übernimmt Duncan dessen Titel. Dunk, ein etwas schwerfälliger, unbeholfener und gutmütiger Hüne, trifft auf den vorlauten Knirps Ei (eine Entdeckung: Dexter Sol Ansell), der sein Knappe wird, und macht sich auf, um am Turnier in Aschfurt teilzunehmen. Doch als sogenannter Heckenritter ohne Land ist es gar nicht so leicht, in den erlesenen Kreis der Duellanten zu gelangen. Als er es fast geschafft hat, setzt er sich – standhaft ritterlich – für eine Unschuldige ein, die von einem Prinzen gequält wird, und legt sich prompt mit dem Falschen an, einem Sprössling der Herrscherfamilie der Targaryens, bekannt aus »House of the Dragon«.

»A Knight of the Seven Kingdoms«, das zweite Spin-off von »Game of Thrones«, basiert auf der ersten von drei Erzählungen über den Heckenritter Dunk und seinen Knappen Ei aus der Feder George R. R. Martins. Und es hätte auch nur ein Film werden können, denn die Geschichte ist mit nur einem Handlungsstrang und Schauplatz viel weniger opulent, blutig und vielfältig als die Originalserie. Das ist einerseits erfrischend, da Spin-offs häufig dazu neigen, eine Nebenhandlung unnötig aufzublasen.

»A Knight of the Seven Kingdoms« erzählt hingegen eine Buddy-Geschichte (Frauen spielen in der Serie übrigens fast gar keine Rolle) von Heldenmut, Scheitern und überraschenden Schicksalswendungen, garniert mit einer ordentlichen Portion derbem Fäkalhumor: Es wird gerotzt, gekotzt, gepinkelt und geschissen. Auch die launige Musikauswahl (in den Credits läuft etwa »Sixteen Tons« von Tennessee Ernie Ford über einen Minenarbeiter) konterkariert das bierernste mittelalterliche Setting.

Andererseits könnte die kurze Serie (6 Folgen à 35 Minuten) einige Fans enttäuschen. Wer verworrene Handlungsstränge, fulminante Schlachten und fiese Intrigen erwartet, bekommt hier ein eher kleines Abenteuer in Westeros serviert, dem aber sicherlich noch weitere folgen werden. Beim nächsten Mal vielleicht sogar mit Frauenfiguren.

OV-Trailer

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