arte-Mediathek: »The Danish Woman«
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Trine Dyrholm widmet sich als kämpferische Nachbarin den Problemen in einer isländischen Mietskaserne
Reykjavík liegt in bläulich-trübem Licht. Ditte Jensen erklimmt eine Anhöhe über der Stadt und beginnt zu tanzen. Sie trägt eine leuchtend rote Jacke. Ihre Farbe. Die Dänin lebt seit zwei Monaten auf Island, unauffällig in einem gewöhnlichen Wohnblock. Auf der schmucklosen Rasenfläche hat sie ein Beet angelegt und züchtet Gemüse. Zu ihrem Ärger hinterlässt eine Katze regelmäßig ihre Häufchen in dem Gärtchen. Ditte lauert ihr auf, die Katze tapst in eine Falle und lässt ihr Leben.
Die Anfangssequenz der Serie »The Danish Woman« erinnert vage an den Einstieg in die Neuverfilmung von »House of Cards«, in der Frank Underwood einem Hund das Genick bricht. Ein unglücklicher Auftakt, ist doch damit bereits alles über den Charakter dieser Figur gesagt.
Die Autoren Ólafur Egilsson und Benedikt Erlingsson, beide treten in Nebenrollen als Rocker auf, machen es besser. Die Rolle der rätselhaften Ditte erlaubt der über Dänemarks Grenzen hinaus bekannten Hauptdarstellerin Trine Dyrholm, eine Fülle von Gemütszuständen zum Ausdruck zu bringen. Vor- und Abspann jeder Folge sind wie ein Videoclip gestaltet. Dyrholm und wechselnde Partner tanzen, sie singt. Keine neue Disziplin für sie. Als Teenager war sie Mitglied der Formation »The Moonlighters« und nahm später auch unter eigenem Namen Platten auf. Der Eindruck, bei Ditte Jensen handele es sich um eine alltägliche Person, verfliegt schnell. Der Künstler Thorir verärgert die anderen Mieter durch laute und ausschweifende Partys. Als seine entfesselten Gäste Dittes Beet verwüsten, ist das Maß voll. Ditte wird aktiv. Diese Frau ist ganz groß darin, ausgefuchste Strategien auszuhecken, um ihre Ziele zu erreichen.
Die summieren sich, denn in Dittes Umgebung muss einiges behoben werden. Ihre Sextipps für die 15-jährige Björk, die sie mit dem älteren Tunichtgut Gummi im Waschkeller erwischt, gehören zu den harmlosen Maßnahmen. Die Kinder der alleinerziehenden Gulla hängen gebannt an ihren Computern. Ihr Sohn Kari schlägt buchstäblich um sich, wenn man ihm den Stecker zieht. Ástrídur wird von ihrem Freund geprügelt, Björks Mutter ist Alkoholikerin. Ditte hilft einem Kind auf die Welt und bewahrt die aus Libyen stammende Salima vor der Abschiebung.
Wenn Ditte getarnt und verkleidet mit teils drastischen Maßnahmen für Gerechtigkeit sorgt, bewegt sie sich auf den Spuren von Robin Hood, Batman, Zorro und hat uns zunächst auf ihrer Seite.
»The Danish Woman« ist zwar reich an kaustischem Witz, aber kein Comicstrip. Die Aktionen der ehemaligen Elitekämpferin und Auslandsagentin bekommen zusehends fanatische Züge. Ihr Wesen verändert sich, auch durch äußere Einflüsse. Der dänische Geheimdienst erpresst sie, sie erfährt Undankbarkeit, leidet unter Trugbildern, Nachwehen eines schweren Kriegstraumas. Eine originelle Erzählung, überzeugend in der Wirklichkeitsnähe, aber auch mit mal amüsanten, mal bestürzenden Brecht'schen Verfremdungseffekten.
OmeU-Trailer




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