Birgit Roschy
Filmkritiken von Birgit Roschy
Seiten
In dieser halbdokumentarischen Sozialkomödie werden alkoholsüchtige Frauen in einer Entzugsklinik porträtiert, ohne Larmoyanz und Moralisieren und mittels einer Stippvisite in die Wüste: ein weiterer französischer Erfolgsfilm über ein abtörnendes Thema.
In dieser dekonstruierten Chronik des Schicksals von FEMEN-Aktivistin Oxana Schatschko vermengen sich die Ereignisse ihres letzten Lebenstages in Paris mit den Stationen ihres politischen Werdegangs in der Ukraine: ein hautnah inszeniertes und auch dank einer überzeugenden Darstellerin berührendes Requiem für eine Frau, für die Kunst gleichbedeutend mit Revolte war.
Das Drama über den Maler Bonnard und seine Muse Marthe konzentriert sich auf die mysteriöse Frau und ist trotz thesenhafter Momente ein buchstäblich malerischer Film.
Statt der gewünschten ukrainischen Flüchtlingsfamilie kommt eine syrische in ein bretonisches Dorf, was Konflikte nach sich zieht, die leider arg konstruiert wirken: In ihrer satirischen Komödie über Fremdenfeindlichkeit verstolpert sich Julie Delpy zwischen Komik und Drama.
Der letzte Film der Agentenserie gerät durch Rückblenden und Erklärungen anfangs umständlich, feiert aber in haarsträubenden Actionszenen erneut die analoge Körperlichkeit ihres Helden – und ist mit ihrem Drive und Einfallsreichtum insgesamt ein würdiger Abschluss der vielleicht erfolgreichsten Actionserie aller Zeiten.
Ein Mädchen – »Systemsprengerin« Helena Zengel – entkommt der väterlichen Fuchtel, indem es in den Wald flüchtet und mit einer sagenumwobenen Kreatur Freundschaft schließt: ein metaphernüberladenes handgemachtes Märchen, im Ganzen leider weniger als die Summe seiner kreativen Teile.
Mit der Geschichte einer Lehrerin, die Ende des 19. Jahrhunderts in die Provinz zieht, will der Film die Durchsetzung der Schulpflicht veranschaulichen – was trotz guter Darsteller und idyllischer Naturkulisse gelegentlich etwas pädagogisch verkopft gerät.
Als sich der Verlobte seiner Tochter als Ex-Patient entpuppt, unternimmt ein Psychoanalytiker alles, um ihn zu vergraulen: zwischen Biederkeit und Farce schillernde Komödie, in der Christian Clavier erneut in der Paraderolle des selbstgerechten Bourgeois glänzt.
In dieser sanften Frauenkomödie raufen sich anlässlich eines Krankheitsfalls auf einer Hühnerfarm drei Generationen zusammen, was dank bukolischer Landschaftsfotografie und einer gut aufgelegten Catherine Deneuve als lässige Großmutter viel Spaß macht – sofern es einem gelingt, Klischees zu ignorieren.
Flott erzählt mit gut aufgelegten Darstellerinnen, werden in Karoline Herfurths Episodenkomödie die Frauenschicksale ihres Vorgängerfilms weitergesponnen – diesmal jedoch mit düstereren Klängen, gelegentlich forciert und weniger lebensnah.
Seiten
Weitere Inhalte zu Birgit Roschy
Seiten
Thema
Ist dieser Schauspieler »carygrantesk«? Glen Powell schickt sich an, der neue fesche Held im Filmbusiness zu werden – im Geschäft ist er aber schon länger.
Thema
Auf den ist Verlass: Mads Mikkelsen ist immer ein Hingucker – als Schurke, Rebell oder Familientyp. Ein Porträt.
Tipp
»Der Tätowierer von Auschwitz« erzählt, inspiriert vom gleichnamigen Tatsachenroman, vom Grauen des Konzentrationslagers durch die Perspektive eines Liebenden – der Jahrzehnte später Zeugnis ablegt.
Thema
Tom Cruise schwärmt für ihre Wangenknochen, die ihn an Ingrid Bergman erinnern. Eine Weltkarriere hätte Rebecca Ferguson aber auch ohne ihn geschafft, denn die Kamera liebt sie und entdeckt wurde sie gleich mehrfach. Auf der Straße wird sie bis heute dennoch kaum erkannt.
Tipp
In seiner epischen Serie »Masters of the Air« schildert Produzent Steven Spielberg mit viel Aufwand den Einsatz der Piloten der 100th Bombardement Group, einer legendären Einheit der US Air Force, im Zweiten Weltkrieg.
Tipp
Mit Bayard Rustin wird in diesem Biopic ein verkannter Held der Bürgerrechtsbewegung gewürdigt. Er wird gespielt vom Star der Stunde Colman Domingo (»Die Farbe Lila«).
Tipp
In der opulent ausgestatteten Kostümserie »The Buccaneers« gehen fünf unternehmungslustige Amerikanerinnen auf Bräutigamschau ins alte Europa und kollidieren dekorativ mit britischer Etikette und gesellschaftlichen Rollenzwängen.
Thema
Sandra Hüller spielt die Schriftstellerin, die des Mordes an ihrem Mann verdächtigt wird. Die Schauspielerin, demnächst auch in
»The Zone of Interest«, hat gerade wieder einen guten Lauf. Ein Porträt.
Thema
Anders als seine Helden war Aki Kaurismäki der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Mit ihm ist in den 8oern das Independent-Kino aufgeblüht. Eine Würdigung.
Tipp
Stachelexotik: Die Verfilmung von Holly Ringlands Romanbesteller »The Lost Flowers of Alice Hart« erweist sich als bildschön angerichtete Frauensaga.



