Barbara Schweizerhof

Filmkritiken von Barbara Schweizerhof

Ana-Felici Scutelnicu erzählt anhand einer auseinanderfallenden Intelligenzija-Familie von der schwierigen postsowjetischen Umbruchsphase in Moldova. Ein Film voll authentischer Details, gelebten Erfahrungen und gedreht in überraschend zeitakkurater Kulisse.
Das »Desktop-Documentary« von Kevin B Lee versucht einen Umgang mit Gewalt-Videos wie die der ISIS-Terroristen zu finden. Die intellektuelle und künstlerische Analyse, die andere Ansätze und Experten mit einbezieht, kommt nicht immer zu überzeugenden Ergebnissen, ist aber als Reflexion an sich überaus aufschlussreich.
Aus der Kombination von Erfahrungsbericht und Experteninterviews entsteht ein ungeheuer eindrücklicher, informativer und damit wichtiger Film zum Thema häusliche Gewalt. In der Form sachlich und zurückhaltend, im Inhalt einschlägig und bewegend.
Zeitreisekomödie um ein braves 50er-Jahre-Ehepaar, das sich plötzlich in der modernen Welt zurechtfinden muss. Erschreckt von Dingen wie sprechenden Kaffeemaschinen und Homo-Ehe, tun sie alles dafür, um zurückzukehren. Das Charisma der Hauptdarsteller tröstet über manchen Logikfehler und abgeschmackten Witz hinweg.
Mit Mads Mikkelsen und Nikolaj Lie Kaas als ungleichem Brüderpaar in Nöten entfaltet der dänische Regisseur Anders Thomas Jensen einmal mehr ein Chaos aus Komik- und Gewalt-Elementen, mit viel schwarzem Humor und noch mehr Verständnis für die Verrücktheiten, die befreiend wirken, wenn man sie akzeptiert.
Ein Hollywoodstar stellt bei einem wilden Europa-Trip sein Leben und seine Filmkarriere infrage. Noah Baumbachs neuer Film will sich über die Eitelkeit der eigenen Branche mokieren, ist für echten Spott aber zu selbstverliebt. George Clooney spielt gut, aber Adam Sandler spielt besser.
Eine Komödie über Depressive und wie sie im Chor neue Wege fürs Glücklichsein finden: Nicht alle Ideen zünden, nicht alle Figuren überzeugen, aber zwischendurch gibt es große Momente sowohl der Komik als auch der Rührung.
Michail Lockshin macht in seiner Bulgakow-Adaption deutlich, dass es um Zensur, die Natur von Gut und Böse, die Macht von Liebe und Kunst sowie um die Feigheit der Intellektuellen in einem totalitären Regime geht. Das ist alles ein bisschen viel, entzieht sich aber auf angenehme Weise der einfachen Aktualisierung und Erklärung.
Ein bisschen »La La Land«, ein bisschen »Teorema«, ein bisschen »Lola rennt«: Mit Flasmob-Getanze und einem bunten Themenmix versucht Tom Tykwer ein Porträt der Gegenwart. Vage, aber nie besserwisserisch, mit Mut zu Peinlichkeit und Fragilität.
Aaron Taylor-Johnson und Fred Hechinger können als ungleiche Halbbrüder zwar überzeugen, aber ein wirres Drehbuch verhindert, dass man diesen für einen Superhelden-Film so raren Ausflug in die Natur genießen könnte.

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