Disney+: »The Beauty«

»The Beauty« (Serie, 2026). © FX

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Eine Reihe bizarrer Todesfälle unter Supermodels ruft zwei FBI-Ermittler auf den Plan, die tief in die Welt der Reichen und Schönen eintauchen

Während einer Modenschau in Paris beginnt eines der Supermodels zu randalieren; von Polizisten verfolgt, läuft die hauteng in blutrotes Leder gekleidete Frau Amok und explodiert schließlich – Kaboom! – in tausend Fetzen. Es folgt der Serientitel: Knorpelige Sehnen, faserige Muskelstränge, pulsierendes Fleisch verweben sich wie von Geisterhand zum Schriftzug »The Beauty« und transformieren unterdessen ins Silberglänzend-Glitzrige.

Alles, was dann kommt, dreht sich um den Preis, der für die Schönheit zu entrichten ist. Das erinnert nicht zufällig an den Untertitel der beliebten Fernsehserie »Nip/Tuck« (2003 bis 2010), in der schwarzhumorig aus dem Leben zweier befreundeter Schönheitschirurgen erzählt wurde. Erdacht hatte diese Serie der verdienstreiche Fernsehmann Ryan Murphy, der nun wiederum, gemeinsam mit seinem langjährigen vormaligen Assistenten Matthew Hodgson, für »The Beauty« verantwortlich zeichnet. Und neuerlich ist die Geschichte in einer Welt angesiedelt, in der Schönheit (plus Fitness plus Langlebigkeit) als Währung gilt. Wer schön ist, hat Erfolg und damit Geld, und also wollen alle schön sein, koste es, was es wolle.

Die erste Staffel dieser Serie – die auf der gleichnamigen Comicreihe von Jeremy Haun und Jason A. Hurley basiert – besteht aus elf Episoden; da sie mit einem mächtigen Cliffhanger endet, wäre eine Fortsetzung wünschenswert. Und das nicht nur, um einige erlösende Antworten auf ein paar drängende Fragen zu erhalten. Sondern vor allem, um weiterhin Freude und Vergnügen an und mit diesem High-End-Splatter-Trash-Hybrid haben zu können, der sich auch nicht scheut, aus seiner nur leicht in die Zukunft verschobenen Perspektive zutiefst überzeugt gegen die mannigfaltigen Entgleisungen unserer Gegenwartsgesellschaft – zuvörderst zu nennen sind da Oberflächlichkeit und Materialismus – zu ätzen. Wenn nicht gerade eine Sexszene die Temperatur erhöht oder eine Transformationsszene für Entsetzen sorgt; übrigens hängen die drei miteinander zusammen: Sex, Transformation und Explosion. Aber das müssen die beiden auf den seltsamen Fall angesetzten FBI-AgentInnen, die nicht nur den Schreibtisch, sondern auch das Bett teilen, erst herausfinden. Einstweilen tappen sie im Dusteren und in die aufgestellten Fallen, während das Publikum bereits schlauer ist, denn Figuren aus allen Bereichen der breit angelegten Erzählung beleuchten die Verderbnis aus vielerlei Richtungen. Dabei geht es munter zwischen verschiedenen Zeitebenen und Orten hin und her, und für vermeintliche Abschweifungen, aus denen langfristig narrative Nebenstränge werden könnten, ist auch genügend Zeit.

Ihr ins Närrische ausgreifender Einfallsreichtum zeichnet »The Beauty« aus; ein besonders gelungener Coup ist die Besetzung Isabella Rossellinis als leidgeprüfte, exzentrische Gattin des Übel-Urhebers, den Ashton Kutcher als ein Exempel totaler Skrupellosigkeit anlegt. Sie sind aber nur die Spitze des Eisbergs, der uns hier rammt.

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