16. Kirchliches Filmfestival Recklinghausen
Das Kirchliche Filmfestival Recklinghausen, das vom 11. – 15. März zum 16. Mal stattfindet, zeigt Filme mit Haltung. Die kann die Welt gerade dringend brauchen
Das Kirchliche Filmfestival in Recklinghausen ist eine Besonderheit in der deutschen Festivallandschaft. Es ist nicht nur das einzige Filmfestival in ökumenischer Trägerschaft der Evangelischen und der Katholischen Kirche, es gehört auch zu den wenigen Festivals, die weder einem Thema noch einer Sparte verpflichtet sind. Es zeigt Filme, die eine Botschaft haben und sich auseinandersetzen – wobei das Wort »kirchlich« beileibe nicht nur Filme meint, die einen deutlichen religiösen oder spirituellen Bezug haben. »Unbequeme Filme« heißt seit einigen Jahren das Motto des Festivals, das traditionell im Kino Cineworld in Recklinghausen stattfand, und das meint Filme, die sich zur Lage in der Welt äußern, die gesellschaftliche Relevanz haben.
»Bilder von Filmen haben eine besondere Wirkung auf uns Menschen«, sagt Julia Borries, die zum Leitungsteam des Festivals gehört (zusammen mit Oliver Berkemeier, Marc Gutzeit und Friederike Melloh sowie Kai Theveßen, Theaterleiter des Cineworld Recklinghausen, und Michael M. Kleinschmidt und Horst Walther vom Institut für Kino und Filmkultur). »Mit dem Kino ist es wie mit einem guten Gottesdienst, aus dem man mit einer neuen Haltung oder Erkenntnis herausgeht. Es kann sein, dass man merkt: Jetzt schaue ich noch mal anders auf die Dinge oder das Thema. Dadurch können unsere Kirchen wunderbar mit dem Film arbeiten. Und Veranstaltungen wie die unsere bieten der Kirche ja auch den Raum, andere Menschen oder andere Zielgruppen zu erreichen.«
Wie im letzten Jahr beginnt auch die 16. Ausgabe des Kirchlichen Filmfestivals mit einem Filmgottesdienst am Sonntag, den 8. März. In der eigentlichen Festivalwoche vom 11. bis 15. März zeigt das Festival, das auch den Ökumenischen Filmpreis verleiht, unter anderem das Debüt »Sechswochenamt« von Jacqueline Jansen, das beim Filmfest München seine vielbeachtete Premiere feierte und um Trauer und Verlust kreist. Zum Weltgebetstag der Frauen läuft »Cotton Queen« von Suzannah Mirghani. Im Mittelpunkt des Weltgebetstags steht immer ein Land, in diesem Jahr Nigeria. »Cotton Queen« spielt im Sudan, nimmt aber Themen auf, die auch in Nigeria eine Rolle spielen, Frauenrechte und Beschneidung etwa«, so Borries. Und das Festival zeigt den Film des Monats Februar der Jury der Evangelischen Filmarbeit, »Souleymans Geschichte«. Im letzten Jahr lief der Jury-Film »Heldin«.
Nukleus des Festivals ist die seit 2002 bestehende Reihe »Kirche und Kino«, in der einmal im Monat ein Film mit Einführung und Diskussion präsentiert wird. Zusammengestellt wird das Festivalfilmprogramm im Team, eingebracht von Michael M. Kleinschmidt und Horst Walther. Die beiden fungieren als künstlerische Leitung des Festivals, dessen erste Ausgabe im Jahr 2010 schon ein wegweisender Aufschlag war, mit Filmen wie »Die Päpstin« von Sönke Wortmann oder »Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen« von Hajo Schomerus, einer der vergnüglichsten Filme über die christlichen Religionen, die je gedreht wurden. Zum Profil des Festivals gehört auch: Jede Vorstellung wird begleitet von einem Gast, der mit dem Publikum diskutiert, meistens Regisseurinnen und Regisseure. Wim Wenders hat seinen Franziskus-Film hier präsentiert, Volker Schlöndorff den Dokumentarfilm »Der Waldmacher«, und Ken Loach zeigte 2019 »Jimmy's Hall« und »Ich, Daniel Blake«.
Das erste Festival von 2010 entstand mit Mitteln von »RUHR.2010 – Kulturhauptstadt Europas«, und in den Anfangsprogrammen war die Beschäftigung mit dem Ruhrgebiet, mit der Veränderung der Arbeitswelt, auch ein wichtiges Thema. Das Portfolio des Festivals ist seither stetig gewachsen. Filme mit religiösen Themen gehören immer noch zur Kernkompetenz, durchaus auch kirchenkritische wie die Missbrauchsfilme »Gelobt sei Gott« oder »Verfehlung«, aber das Spektrum hat sich erweitert. Seit 2018 kommen historische Filme dazu, in diesem Jahr kann man Fritz Langs Stummfilm »Der müde Tod« (1921) in einer Kirche mit Orgelbegleitung neu entdecken.
Filme zum Thema Migration und Flucht bildeten eine feste Schiene der letzten Festivalausgaben, etwa der kluge Dokumentarfilm »Eldorado« oder die schräge österreichische Komödie »Die Migrantigen«. »Wir schauen ja schon mit einer christlichen Haltung auf die Filme«, sagt Julia Borries, »und ich würde sagen, dass wir eine doch sehr christliche Themenspannbreite haben: Ethik, Umgang mit Leid, mit Trauer und Tod. Die Themen Menschenrechte und gerade Frauenrechte sind immer stärker geworden. Ebenso das Thema Migration, das in den letzten Jahren herausragende Filme hervorgebracht hat.«




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