Jannek Suhr

Nachdem İlker Çataks letzter, Oscar-nominierter Film »Das Lehrerzimmer« bei der Berlinale 2023 noch in die Nebenreihe Panorama geschoben wurde, war sein neuer Film »Gelbe Briefe« nun nicht nur im Wettbewerb vertreten, sondern gewann gleich den Hauptpreis, den Goldenen Bären.

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Gerhard Midding

Bevor wir zur diesjährigen Berlinale kommen, erlauben Sie mir eine kurze Rückblende in frühere, zweifellos beschaulichere Zeiten. In ihnen wurde britischen Filmkopien stets eine Schrifttafel vorangestellt, die Vertrauen erweckte. Sie mutete ein wenig wie der verschnörkelte Zwischentitel eines Stummfilms an. Tatsächlich war sie ein Zertifikat, das die Zensurbehörde des Vereinigten Königreichs dem jeweiligen Film ausstellte.

Gelbe Briefe

Wie schon zuletzt mit seinem Welterfolg »Das Lehrerzimmer« beweist İlker Çatak auch mit »Gelbe Briefe«, dass er es auf überzeugende Weise versteht, sich anspruchsvolle Arthouse-Themen so vorzunehmen, dass sie auch als Unterhaltung für ein breites Publikum funktionieren. Seine Geschichte eines Künstlerehepaares, das angesichts staatlicher Repressionen erst seine Existenz und dann sich selbst zu verlieren droht, ist dabei nicht nur eine dezidiert türkische und gleichzeitig universell erzählte Geschichte, sondern auch klug inszeniert und hervorragend gespielt.

E-Mail an… Ilker Çatak

İlker Çatak, geboren 1984 in Westberlin, ist Regisseur und Drehbuchautor. Er studierte Film- und Fernsehregie in Berlin und Hamburg. Sein Abschlussfilm »Sadakat« (2015) wurde auf dem Max-Ophüls-Festival ausgezeichnet. Es folgten: »Es war einmal Indianerland«, »Es gilt das gesprochene Wort« und »Räuberhände«. Sein Film »Das Lehrerzimmer« war 2024 als bester fremdsprachiger Film für den Oscar nominiert.
Gerhard Midding

Manche Filme sind wie Kassiber, die heimlich aus einem Gefängnis geschmuggelt werden. Das ist uns heute aus dem Iran oder anderen autokratisch regierten Ländern vertraut. Das Glück ihrer Sichtbarkeit ist nie ganz ungetrübt. Keiner weiß, wie groß die Dimension des Pechs ist, nie mehr an die Öffentlichkeit zu gelangen.

Jannek Suhr

Wie politisch ist die Berlinale und für welche Haltungen steht sie? Diese Debatte begleitete die 76. Berlinale einmal mehr.

Gerhard Midding

Als geborene Weiß hätte sie womöglich auch Karriere gemacht, eventuell sogar unter ihrem Vornamen Käthe. Genug Talent besaß sie schließlich. Aber Ellen Richter klang dann doch weltläufiger. In den 1920er Jahren, als die Schauspielerin und Produzentin ihre größten Erfolge feierte, herrschte in der deutschen Filmpresse eine brennende Neugier auf die wahre Identität, die sich hinter Künstlernamen verbarg.

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In »Banksters«, der ersten deutschen HBO-Produktion, werden unbedarfte Azubis zu Bankräubern.

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Laura Poitras' in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichneter Dokumentarfilm ist das Porträt einer Überlebenden: Die Fotografin Nan Goldin hat eine traumatische Kindheit und die AIDS-Krise überstanden, nun kämpft sie gegen die Opioidkrise, die in den USA bislang 500 000 Todesopfer forderte. Poitras zeichnet ein intimes, lebhaft vielschichtiges Bild der Künstlerin.

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