Patrick Heidmann
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Filmkritiken von Patrick Heidmann
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Dass der erschreckende Gedanke, die US-Regierung könnte das Sexleben ihrer Bürger*innen regulieren und unverheirateten Menschen bis auf eine Nacht des Jahres den Geschlechtsverkehr verbieten, in »One Night Only« ganz unpolitisch zur Prämisse einer RomCom gerät, hätte man wohl akzeptieren können. Zumal der Genre-erfahrene Regisseur Will Gluck mit Monica Barbarbo und Callum Turner zwei Hauptdarsteller*innen mitbringt, denen man verdammt gerne zusieht. Doch die nicht nur für eine Komödie rund ums Thema Sex erschreckende Prüderie, die sich hier breitmacht, verdirbt dann doch einen Großteil des Spaßes.
Hübsche, wenn auch allzu glatt polierte Bilder der Toskana sowie mit Halle Bailey und Regé-Jean Page zwei einnehmende Hauptdarsteller*innen reißen viel heraus in der sonst durch und durch belanglosen Romcom von Regisseurin Kat Coiro.
17 Jahre nachdem ihre Mutter–Tochter–Geschichte »LOL« zumindest in Frankreich zum Kassenhit wurde, nimmt sich Lisa Azuelos noch einmal der gleichen Familie an. Von einer aufregenden Geschichte übers Älterwerden jenseits von Coming of Age kann nicht unbedingt die Rede sein, aber Sophie Marceau und Thaïs Alessandrin bringen genug Charisma und Wahrhaftigkeit für kurzweilige Unterhaltung mit.
Unerwartet clevere und erkennbar am Computer entstandene Schafe machen sich in einem britischen Dörfchen auf die Suche nach dem Mörder ihres geliebten Schäfers. Harmlos geht es dabei allemal zu, aber »Minion«-Regisseur Kyle Balda und Drehbuchautor Craig Mazin ringen der deutschen Bestseller-Vorlage erfreulich viel Charme und Humor ab.
Statt auf überbordende Gefühle und Dramatik setzt Regisseurin Anna Cazenave Cambet auf Nüchternheit und Ruhe. Dass ihre Romanadaption über weibliche Selbstermächtigung trotz der einen oder anderen Länge zum Ereignis wird, liegt vor allem am ebenso nuancierten wie intensiven Spiel von Hauptdarstellerin Vicky Krieps.
Von den frühen, nicht nur emotional schwierigen Tagen als Kinderstar an der Seite seiner Brüder über die Emanzipation als Solo-Künstler bis hin zum Dasein als größter Popstar aller Zeiten folgt »Michael« der Biografie Michael Jacksons und feiert dabei nicht zuletzt sein künstlerisches Talent. Die dunklen Seiten seines Lebens werden dabei recht simpel abgehandelt oder – wie die zahllosen, bis heute im Raum stehenden Missbrauchsvorwürfe – einfach ausgeblendet. Fans, die damit kein Problem haben, kommen hier voll auf ihre Kosten, denn als konventionelles Biopic ist der Film von Antoine Fuqua mitreißender als die meisten anderen. Alle anderen werden sich am gänzlich unkritischen Ansatz fraglos stören.
Bill Condons Adaption des erfolgreichen Broadway-Musicals thematisiert den Gegensatz zwischen der Brutalität des echten Lebens und der vergeblichen Hoffnung, im Eskapismus ein Heilmittel zu finden. Ein bisschen zu unversöhnlich stehen hier die bittere Gefängnisrealität und die glitzernde Musical-Welt nebeneinander, aber mit Newcomer Tonatiuh ist ein neuer Star geboren.
Filme, in denen es der Oberschicht an den Kragen geht, haben Hochkonjunktur. Doch dieser lose inspirierten Neuverfilmung von »Adel verpflichtet« gehen nicht nur das Spezifische des Settings und der beißende Witz des Originals ab. Es fehlt auch an erhellenden Erkenntnissen und vor allem ein Protagonist, der mehr zu bieten hat, als Herzlosigkeit und Verdorbenheit noch mit Charme zu verbinden.
Mit seiner dritten Regiearbeit setzt Bradley Cooper statt auf Pathos und große Gesten auf fein beobachtete Zwischenmenschlichkeit in Form einer bescheidenen tragikomischen Beziehungsgeschichte. Dass er selbst dieses Mal nur eine Nebenrolle übernommen hat, erweist sich als Vorteil, doch Co-Autor Will Arnett als vom Ehe-Ende überforderter Vater, der plötzlich Stand-up-Comedy zur Krisenbewältigung für sich entdeckt, ist nicht der einnehmendste Protagonist.
Wie schon zuletzt mit seinem Welterfolg »Das Lehrerzimmer« beweist İlker Çatak auch mit »Gelbe Briefe«, dass er es auf überzeugende Weise versteht, sich anspruchsvolle Arthouse-Themen so vorzunehmen, dass sie auch als Unterhaltung für ein breites Publikum funktionieren. Seine Geschichte eines Künstlerehepaares, das angesichts staatlicher Repressionen erst seine Existenz und dann sich selbst zu verlieren droht, ist dabei nicht nur eine dezidiert türkische und gleichzeitig universell erzählte Geschichte, sondern auch klug inszeniert und hervorragend gespielt.
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