Ulrich Sonnenschein

Es war, bis zum letzten Film gestern, ein Wettbewerb der Tiere. Mit Kenneth Branaghs Cinderella, der außer Konkurrenz im Wettbewerbsprogramm lief, schloss eine Berlinale, die nicht nur außergewöhnlich viele gute Filme bereithielt, sondern auch gut zu den Tieren war. Die Mäuse, die Cinderellas einzig als Freunde  bleiben, waren zwar digitale Produkte, aber doch herzallerliebst. Die Gans, die zum Kutscher wurde, die dienenden Eidechsen und der stolze Hirsch hatten in diesem rührenden Ausstattungsfilm für die ganze Familie nicht nur Nebenrollen.

Silvia Hallensleben

Viele sind schon abgereist, am Potsdamer Platz ist es sonnig und leer. Gestern bei der Forums-Empfang Gespräche mit mehreren Kollegen über den neuen Film von Nikolaus Geyrhalter im Forum, deren Urteile von "sozialvoyeuristisch" bis "herausragend" reichten. Auf jeden Fall hat Geyrhalter sich von den visuellen Überwältigungsstrategien seiner letzten doch arg plakativen Stücke befreit.

Barbara Schweizerhof

Er hätte die Welt verändert. Es fehlte eine Kleinigkeit von 13 Minuten, und vom 9. November 1939 an wäre nicht nur die deutsche Geschichte eine ganz andere. Die Bombe, die am Abend zuvor im Münchner Bürgerbräukeller hochging, hätte zusammen mit Adolf Hitler fast die gesamte Nazi-Führung in den Tod gerissen. Allein schon der Reiz, der von der Vorstellung dieses alternativen historischen Verlaufs ausgeht, hätte dem Bombenleger Georg Elser eigentlich Weltruhm sichern müssen. Statt dessen ist sein Name in Deutschland kaum geläufig; seine Motive galten die längste Zeit als dubios.

Harald Mühlbeyer

Alexander Horwath, Leiter des österreichischen Filmmuseums, der die Technicolor-Retro mitkuratiert hat und sie mit leicht anderer Filmauswahl demnächst nach Wien bringen wird, hat bei dem Panel zur Vorstellung der Retro von dem Thema des Gendering of Color gesprochen, das einmal näher untersucht werden müsste: Die Frage nach männlicher und weiblicher Ästhetik, ob es sie gibt, wie sie sich je ausdrücken; welche Rolle – im Fall von Technicolor – Natalie Kalmus spielte; ob vielleicht Farbe selbst weiblich konnotiert sei.

Ulrich Sonnenschein

Irgendwie kann ich es nicht leiden, wenn Gewalt sinnlos ausgestellt wird. Es gibt Filme, da ist das fraglos nötig, Oliver Hirschbiegels Experiment gehört sicher dazu. Andere, wie Peter Jacksons Bad Taste oder Braindead spielen mit der ironischen Übertreibung, aber meistens machen Gewaltszenen überdeutlich, was man auch verstehen würde, wenn man subtiler mit Blut, Schweiß und Tränen  umgehen würde. In Hirschbiegels neuem Film Elser nun, gibt es beides.

DVD-Tipp: "Die Fastnachtsbeichte" (1960)

Mainz wie es singt und mordet. Einer der wenigen Spielfilme die im Rahmen der fünften Jahreszeit spielt, wurde 2013 von der Murnau-Stiftung zur DVD-Veröffentlichung freigegeben
Barbara Schweizerhof

Eine weiteres Jahr ist vorüber, eine weitere Berlinale vergibt am Samstag ihren Goldenen Bären und ein weiteres Mal wird man Festivaldirektor Dieter Kosslick aus allen Richtungen gratulieren. An der Oberfläche scheint ja auch alles in bester Ordnung zu sein: Mit Christian Bale, James Franco, Nicole Kidman und Natalie Portman liefen genug Hollywoodstars über den Roten Teppich, um den Hunger von Filmfans und Glamour-Fotografen zu befriedigen.

Sabine Horst

Die gute Nachricht ist: Der Film ist besser als das Buch, dieser rätselhafte, in 52 Sprachen übersetzte Millionen-Seller, der selbst unter Fans nicht als entfernt literarisch gehandelt wird. Die schlechte Nachricht lautet: Bei dem lange erwarteten BDSM-Kracher, der am Mittwoch auf der Berlinale als Special Premiere feierte, handelt es sich um ein – Problemdrama. Das »Fifty Shades of Grey«-Massageöl der Parfümeriekette Douglas und den Kabelbinder aus dem Baumarkt können wir erstmal wieder wegpacken.

Harald Mühlbeyer

Technicolor ist allgemein betrachtet ein Stil der Affirmation und des Eskapismus, mit Musical und Abenteuer, mit Farbenpracht und Glamour ein krasser Gegensatz zur zeitgleichen Schwarzen Serie. Sicherlich liegt diese Tendenz auch daran, dass Technicolor teuer war, für die größeren Produktionen angewandt wurde und damit auch die wirklich große Masse ansprechen musste.

Gerhard Midding

Nein, im Gegensatz zu ihrer fürsorglichen Schwester will es Dari partout nicht als Gnade empfinden, dass jemand sie heiraten will. Ihre Mimik lässt keinen Zweifel daran, wie selbstverständlich das sein sollte. Geliebt zu werden, verdient sie schließlich nicht weniger als jeder andere Mensch.

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