Kritik zu Die Bestimmung – Divergent

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Vielleicht der Beginn eines wunderbaren Franchise: Die Verfilmung des ersten Teils der Bestsellertrilogie von Veronica Roth, in der Shailene Woodley als junge Frau im postapokalyptischen Chicago der Zukunft ihre Aufgabe finden muss

Bewertung: 4
Leserbewertung
2.666665
2.7 (Stimmen: 3)
Die Sehnsucht dazu zu gehören und der Unwille sich einzuordnen – das ist einer der produktivsten Widersprüche des Jugenddaseins. Denn zwischen der Anpassung und der Reibung an vorgegebenen sozialen Strukturen entsteht die Energie, die jeder Teenager zur Persönlichkeitsfindung braucht. An diesen Prozess dockt Die Bestimmung – Divergent an, der nun im Windschatten von Die Tribute von Panem um die Gunst des jugendlichen Publikums buhlt. Auch hier steht eine starke, junge Heldin im Zentrum einer Geschichte, die ein postapokalyptisches Zukunftsszenario mit einer rigiden Gesellschaftsordnung entwirft. 
 
Nach einem nicht näher spezifizierten Krieg hat sich das Chicago der Zukunft durch einen hohen Zaun vom Rest der verwüsteten Welt abgeschottet. Um den Frieden in der Überlebensgemeinschaft zu sichern, werden die Menschen auf der Basis ihrer charakterlichen Eignung in fünf Fraktionen eingeteilt. »Alle wissen, wo sie hingehören. Nur ich nicht«, sagt Tris (Shailene Woodley) zu Beginn aus dem Off. Der als unfehlbar geltende Test weist sie als »Unbestimmte« und damit auch als potenzielle Gefahr für die gesellschaftliche Ordnung aus. In der Initiationszeremonie entscheidet sie sich für die furchtlosen Krieger der Ferox, die die Stadt vor inneren und äußeren Gefahren schützen. Aber aufgrund von Schwächen und Fähigkeiten, die nicht zur gewählten Kategorie passen wollen, droht sie sich als »Unbestimmte« zu verraten. 
 
Ein interessantes und komplexes Zukunftsszenario hat Veronika Roth in ihrer Jugendromantrilogie entworfen. Anders als in Die Tribute von Panem ist es hier kein diktatorisches Regime, mit dem die Heldin in Konflikt gerät, sondern die subtile, strukturelle Gewalt einer Gesellschaft, die vom Individuum eine Gruppenzuordnung einfordert – eine Vision, die sehr nah an die kollektiven Zwänge jugendlicher Erlebniswelten herangebaut ist. 
 
»Die Zukunft gehört denen, die wissen, wo sie hingehören«, lautet das Motto des Systems, das die wechselhafte Natur des menschlichen Wesens auszutricksen versucht. Nicht zu wissen, wo man hingehört, und gerade daraus die eigene Kraft zu ziehen – das ist der nichtopportunistische Weg, den die junge Tris zu beschreiten beginnt. Shailene Woodley (The Descendants) hat vielleicht nicht die Aura von Jennifer Lawrence, aber ihre Figur muss sich auch erst noch zum Heldinnendasein vortasten. Natürlich wird hier auch eine Liebesgeschichte mit dem etwas älteren Ausbilder Four (Theo James) eingeflochten, die aber erstaunlich schmalzfrei erzählt wird. Regisseur Neil Burger (Ohne Limit) findet zwischen Romantik, Action, Thrillerelementen und philosophischem Subtext eine gute Balance, auch wenn Die Bestimmung eher als Pilotfilm zu sehen ist, in dem die Grundlagen für die Handlung der Nachfolgewerke gelegt werden. Auf die darf man nach diesem intelligent-unterhaltsamen Auftakt allerdings vorbehaltlos gespannt sein.

Meinung zum Thema

Kommentare

Ernsthaft?? Der Filmemacher zaubert aus einem schon schwachen Buch einen traurigen Film der -wenn schon- höchstens durch seine Belang- und Farblosigkeit auffällt. Und wer aus der Woodley einen Star hypt hat in der Filmjournalistenschule wohl eher gefehlt als aufgepasst. In "Das Schicksal..." mag diese triste Person ja noch auf die Rolle einer blassen und schwer kranken Frau passen, eine Rebellin nehme ich ihr in keiner Weise ab. So wie Jennifer Lawrence als etwas reichlich zu mopsige Vertreterin einer doch im Buch zumindest hungernden Gemeinde in Panem ein logischer Griff ins Klo war... Armut, Verzicht und einen leeren Bauch kann ich Frau Prior jun. mit üppigen Schenkeln hier auch nicht abnehmen.

Leider schreibt Herr Schwickert nicht, wo sich denn wohl welcher philosophischer Subtext finden lässt, der Divergent I über die schon hundertfach durchgekauten Themenkreise rund um Gut vs. Böse seit den ersten Westernfilmen erheben mag. Einen intelligent-unterhaltsamen Auftakt kann ich nicht sehen.

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