Kritik zu We'll Find Happiness

© Cinemien

2025
Original-Titel: 
We'll Find Happiness
Filmstart in Deutschland: 
16.07.2026
L: 
101 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Léa Pools Filme kommen nur noch sporadisch in unsere Kinos. Dabei ist die schweizerisch-kanadische Regisseurin (»Emporte-moi – Nimm mich mit«) fleißig wie eh und je.

Bewertung: 4
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Dieser Film erzählt von einer langen Reise, aber er bevorzugt die kurzen Wege: Gerade erst hat Reza seine Frau in der Hochzeitsnacht verlassen, um sie mit seinem Geliebten zu verbringen. Jäh scheucht die iranische Polizei das Paar auf. Reza ergreift im Schutz der Nacht die Flucht und findet sich ein paar Straßen weiter in Montreal wieder. In Sachen Brillanz liegt dieser rasante Orts- und Zeitwechsel auf halber Strecke zwischen Stanley Kubrick und Cédric Klapisch.

Überhaupt verschieben sich die Ebenen in Léa Pools neuem Film behände. In einer komplexen Rückblendenstruktur rekapituliert er Rezas Flucht nach Kanada, die ihn über Spanien und Frankreich führt und auf der er eine neue Liebe findet: den Marokkaner Saad, der in seiner Heimat ebenfalls als Homosexueller verfolgt wurde. Reza droht die Abschiebung; er muss sich im Keller einer Kirche verstecken. Saad, der seine eigentliche Identität sogar mit dem Verbrennen seiner Fingerkuppen verschleiern will, arbeitet als Taxifahrer und unternimmt alles, um Rezas Zwangsrückkehr zu verhindern. Als er im Radio von einem Termin der Ministerin für Migration hört, fährt er kurzerhand dorthin. Immerhin gelingt es ihm, Kontakt zu Laurent, ihrem persönlichen Referenten, aufzunehmen. Der verliebt sich umgehend in ihn.

Laurent ist die einzige Figur, die in diesem Strudel der Zerrissenheit keine zweite, verborgene Agenda hat. Aber Pool war seit jeher eine engagierte Begleiterin von emotionalen Grenzgängen: Sie hat ein Gespür dafür, wie leicht man Gefühle miteinander verwechseln kann. Ihre erzählerische Sympathie ist bewundernswert gerecht verteilt; jeder hat seine Gründe. Die Lüge ist nicht nur eine Notwendigkeit, sondern besitzt jene Würde, die mit Scham einhergeht. Das Drehbuch des Dramatikers Michel Marc Bouchard (dessen Stücke bereits von Xavier Dolan verfilmt wurden) wirkt auf Anhieb wie eine queere Version von Voltaire ist schuld, Abdellatif Kechiches pfiffigem Schelmenroman über einen Betrüger mit reinem Herzen. Aber die Fallhöhe ist anders: Daheim droht Reza die Todesstrafe. Das atemraubende Finale ist ein Alptraum für Rechtspopulisten.

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