Apple TV: »Kap der Angst«

»Kap der Angst« (Serie, 2026). © Apple TV

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In dieser Serienversion eines mehrfach verfilmten Psychothrillers verkörpert Javier Bardem das ultimative Böse

Wegen Mordes an seiner schwangeren Frau wurde Max Cady zu einer Haftstrafe verurteilt. Siebzehn Jahre später tauchen Beweise auf, die überraschend seine Unschuld erweisen. Cady erhält eine stattliche Entschädigung und avanciert zum Medienstar. Doch Anna Bowden, seine damalige Verteidigerin, und ihr Mann Tom, der im Prozess als Staatsanwalt die Anklage führte, zweifeln an seiner Unschuld. Als sich in ihrem Umfeld merkwürdige Ereignisse häufen, verdichtet sich ihr Verdacht: Cady will sich rächen.

Der Stoff dieser Apple-TV+-Serie basiert auf einem Roman von John D. MacDonald, dessen Adaption von 1961 als stilbildender Psychothriller in die Filmgeschichte einging. Robert Mitchum verkörperte als lakonischer Psychopath einen neuen Typus. Was er mit Frauen anstellt, wird nicht direkt gezeigt. Das Ausmaß seiner Grausamkeit spiegelt sich nur in der verstörten Reaktion eines traumatisierten Opfers. Im Remake von 1991, Martin Scorseses wohl trashigstem Film, überhöht Robert De Niro diese Figur zu einer comicartigen Karikatur. Jene Szene, in der er Illeana Douglas ein Stück Fleisch aus der Wange beißt, steht sinnbildlich für die frühen 1990er Jahre, in denen Splatter-Elemente das Mainstream-Kino prägten.

Die Serienversion verbeugt sich vor Scorsese (der mit Steven Spielberg als Produzent fungiert). Zitiert werden jene charakteristischen Negativaufnahmen aus »Cape Fear«, die wie Röntgenbilder der Figuren wirken. Showrunner Nick Antosca hat den zeitlosen Klassiker jedoch akribisch in die Gegenwart übertragen. So sind die Bowdens zwar auf dem neuesten Stand der Technik – doch die hilft ihnen nicht. Themen wie KI-Fakes, Catfishing und Online-Gerüchte verstärken nur noch die von Max Cady ausgehende Bedrohung. Im Gegensatz zu bisherigen Adaptionen macht der Zehnteiler die Frage der Schuld und der Boshaftigkeit Cadys zu einem Rätselspiel. Die Rolle ist perfekt zugeschnitten auf Javier Bardem, dessen Figur wie eine Synthese aus Mitchums suggerierter Gewalt und De Niros Grobschlächtigkeit erscheint. Der Spanier nutzt dabei sein Image, das er sich etwa als Bolzenschussmörder in »No Country for Old Men« erwarb. Man fragt sich nicht, ob – sondern wann er endlich ausrastet. Gemäß dem Trend zu »starken« Frauenfiguren verkörpert nicht Patrick Wilson, sondern dessen energische Frau Anna (Amy Adams) Cadys Gegenspielerin.

Während Serienversionen einschlägiger Klassiker, etwa »Westworld«, »Snowpiercer« oder »Bates Motel«, aufgrund des horizontalen Erzählens oft langatmig sind, hält diese »Cape Fear«-Adaption die Spannung erstaunlich hoch. Das liegt an der physischen Wucht der Inszenierung mit ihren satten Farben, vor allem aber an der Dichte skurriler szenischer Einfälle. So verschwindet Toms Stiefsohn Zach eine Zeit lang, um sich bei seiner Rückkehr zu fragen, wer ihm einen Zeh amputierte und wo die Extremität hingekommen ist – bis ihm die Wahrheit auf unappetitliche Weise klar wird. Nichts ist so, wie es war, die Verunsicherung spitzt sich mehr und mehr zu.

OV-Trailer

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