Nachruf: Marjane Satrapi

Marjane Satrapi

Marjane Satrapi

22.11.1969 – 4.6.2026

Die Nachricht ihres frühen Todes mit 56 traf mit unerwarteter Wucht. Vielleicht weil Marjane Satrapi ihr Leben lang von Verlust, Exil und Sehnsucht erzählt hat. Im Comic und im Kino. Vielleicht auch wegen der Formulierung, die ihre Familie wählte: Sie sei ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes Mattias Ripa »an Traurigkeit« gestorben.

Satrapi hätte über solche Sentimentalität vermutlich gegrinst. Sie war scharfzüngig und streitlustig, auch in der persönlichen Begegnung ein kaum zu bremsender Wirbelwind. Eine Frau, die sich weder von den Mullahs noch von westlichen Klischees den Mund verbieten ließ. Doch wer ihre Arbeiten kennt, weiß auch, wie ernst sie die Liebe nahm.

Weltberühmt wurde sie mit »Persepolis«. Die in strengem Schwarz-Weiß gezeichnete Geschichte ihrer Kindheit im Iran machte Millionen Leser*innen verständlich, was politische Systeme mit Menschen anrichten. Sie erzählte von Angst, Unterdrückung und Exil, vor allem aber von Würde. Satrapis große Gabe bestand darin, historische Umbrüche auf Augenhöhe zu schildern: durch die Perspektive eines Mädchens, das Iron Maiden hört, Prophetin werden will und plötzlich mit Kopftuchpflicht, Bombenalarm und Abschied leben muss.

»Persepolis« veränderte die Comiclandschaft. Satrapi selbst interessierte sich bald für andere Ausdrucksformen. Gemeinsam mit Vincent Paronnaud verfilmte sie ihre Graphic Novel als Animationsfilm und gewann 2007 mit »Persepolis« den Jurypreis in Cannes. Danach folgten die Realfilmadaption »Huhn mit Pflaumen«, »The Voices« mit Ryan Reynolds, das Biopic »Marie Curie – Elemente des Lebens« und zuletzt »Paris Paradies«. Sie liebte künstlerische Umwege. »Sachen, die mir leichtfallen, interessieren mich nicht«, sagte sie einmal.

Bis zuletzt blieb sie eine politische Stimme. Sie unterstützte die Bewegung »Frau, Leben, Freiheit«, kritisierte das iranische Regime unermüdlich und lehnte 2025 aus Protest die französische Ehrenlegion ab. Ihr Handeln kreiste immer wieder um die Frage, wie man seine Freiheit bewahrt. Marjane Satrapis Antwort war, niemals aufzuhören, eigensinnig zu sein. Punk is not de(a)d.

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