Wieder im Kino: »Die letzten Glühwürmchen« (1988)
»Die letzten Glühwürmchen« (1988). © Akiyuki Nosaka / Shinchosha
Isao Takahata schuf 1988 einen herzzerreißenden Anime über das Leid von Kindern im Krieg
In der Wahrnehmung des Westens droht Isao Takahata (1935–2018) im Schatten seines Kollegen Hayao Miyazaki zu verschwinden, mit dem zusammen er 1985 das Studio Ghibli gegründet hat. Dabei sind seine Animes weder weniger poetisch noch weniger komplex; allerdings gnadenloser und unversöhnlich. Mit »Die letzten Glühwürmchen« (»Hotaru no haka«) hat Takahata 1988 den – neben »Der barfüssige Gen« (1983) von Masaki Mori – niederschmetterndsten und herzzerreißendsten Film über das Leid und Elend von Kindern in Kriegszeiten vorgelegt. Er basiert auf der autobiografischen Erzählung »Das Grab der Leuchtkäfer« von Akiyuki Nosaka (1930–2015) und ist am Ende des Zweiten Weltkrieges in der Hafenstadt Kōbe angesiedelt. Nachdem die Mutter bei einem Bombenangriff starb, sind der 14-jährige Seita und seine vierjährige Schwester Setsuko auf sich allein gestellt. Eine Weile lang schlagen sie sich erfolgreich durch, die allgemein karge Versorgungslage, vor allem aber die krisenbedingte Entsolidarisierung zehren an den Kräften. Während Seita unter der Verantwortung zusammenbricht, verhungert Setsuko. All dies vollzieht sich im klassischen handgezeichneten Animationsstil, in klaren Bildern und warmen Farben. Nicht wegzuschauen und nichts zu beschönigen, ist auch eine Frage des Respekts. Dass dieser Film kein Happy End hat, verrät bereits der erste Satz. Umso wichtiger ist es, ihn zu sehen. Gerade heute.




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