Kritik zu Der Waldmacher

© Weltkino

Volker Schlöndorffs erster langer Dokumentarfilm kreist um Wiederaufforstung in Afrika

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Die wichtigste Sequenz dieses Dokumentarfilms ist alles andere als dokumentarisch. Tony Rinaudo erzählt im Off, wie ihm die Idee kam, in Afrika eine versteppte Landschaft wieder aufforsten zu können. Zuvor, so schildert ein Rückblick, hatte er es ganz konventionell versucht, mit Tausenden von Setzlingen, die aber nur zu einem geringen Prozentsatz überlebten. Und dann setzt ein schöner kleiner Animationsfilm ein, der beschreibt, wie Rinaudo mit seinem Pick-up auf einer Sandpiste hielt, um Luft aus dem Reifen zu lassen, und ein kleines Gewächs bemerkte. Das allerdings entpuppte sich nicht als ein Busch, sondern als Trieb eines abgeholzten Baumes. Viele Bäume sind in Afrika abgeholzt worden, um Platz zu schaffen für Äcker, doch der Boden erodierte. Und Rinaudo realisierte, dass das Wurzelwerk der abgeholzten Bäume unter den Stümpfen noch lebte, wie ein unterirdischer Wald, die Triebe jedoch immer wieder abgeschnitten wurden. Er erkannte die ­Chance, dass bei richtigem Beschnitt daraus wieder ein Baum wachsen könnte. Farmer ­Managed Natural Regeneration (FMNR) nennt Rinaudo, den man den »Waldmacher« nennt, diese Methode. 

Tony Rinaudo hat diese seine Erkenntnis schon oft beschrieben; sie ist auch nicht wirklich neu, jeder kann den Vorgang in einem Wald beobachten. Sensationell war ihre Anwendung durch ein Food for Work-Programm mit 12 000 Beteiligten. In der Republik Niger, einem der ärmsten Länder der Welt, wo der Australier Rinaudo seine Arbeit begann, konnten durch FMNR sechs Millionen Hektar begrünt werden: Denn die Bäume schaffen Schatten, schützen vor den Sandstürmen, erzeugen einen feuchteren Boden. Rinaudo hat für diese mittlerweile in 25 afrikanischen Staaten praktizierte Methode den alternativen Nobelpreis 2018 bekommen. 

Volker Schlöndorff begleitet Rinaudo auf einer Reise durch Afrika, filmt ihn etwa bei einem Treffen in Niger mit Dorfbewohnern. Rinaudo spricht die Landessprache Hausa, die Leute scheinen Vertrauen zu ihm zu haben. Schlöndorff benennt, auch wenn er ohne Rinaudo unterwegs ist, die Probleme der Region: Abholzung, Migration vom Land in die Stadt, die Einführung »falscher« Nahrungspflanzen, das Scheitern von Großprojekten wie der Großen Grünen Mauer, ein 7000 Kilometer langer Grünstreifen durch die Sahara. 

Schon in seinen Spielfilmen hat Schlöndorff seine Stilistik immer der Geschichte untergeordnet. Ein Neutöner war er nie. Auch sein neuer Film wird den Dokumentarfilm nicht revolutionieren; er ist konventionell, aber sehr informativ. Schlöndorff hat auch Beiträge afrikanischer Regisseurinnen und Regisseure integriert (wie die Animation von Nadia Beddiaf Tamisier), das Porträt einer Bäuerin etwa, was den mosaikartigen Zuschnitt von »Der Waldmacher« angenehm verstärkt. Denn Rinaudo ist nicht der alleinige Fokus dieses Films. Der war für World Vision in Afrika unterwegs, eine internationale evangelikale, auch missionarische Organisation. Darüber hätte man gern mehr erfahren.

Meinung zum Thema

Kommentare

World Vision, insbesondere World Vision Deutschland e.V., ist nicht evangelikal und missioniert auch nicht. Es wäre schön gewesen, wenn sich der Verfasser zuerst einmal etwas genauer informiert hätte.

„World Vision International ist eine internationale evangelikale Hilfsorganisation und assoziiertes Mitglied der Weltweiten Evangelischen Allianz. Sie ist eine der weltweit größten Entwicklungshilfeorganisationen und die größte christliche Nichtregierungsorganisation. [...] World Vision International unterstützt die christliche Mission und widmet sich sozialen Verbesserungen.“ (Quelle: de.wikipedia.org/wiki/World_Vision_International)

Auch der deutsche Verband ist evangelikal. Der Autor schrieb, dass World Vision zum Teil missionarisch agiert. Das ist völlig korrekt, da der Dachverband eine missionarische Organisation ist.

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