Kritik zu Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen

© X-Verleih

2010
Original-Titel: 
Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen
Filmstart in Deutschland: 
25.03.2010
L: 
89 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Die Jerusalemer Grabeskirche, eines der wichtigsten Heiligtümer der Christenheit, wird von vielen Konfessionen gleichermaßen beansprucht. Doch ein Ort der Nächstenliebe ist sie nicht

Bewertung: 3
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Sechs christliche Konfessionen beherbergt die Grabeskirche in der Altstadt von Jerusalem, wo sich der Überlieferung zufolge die Kreuzigungsstätte und das Grab Jesu Christi befinden. Ob die griechisch-orthodoxe Kirche, deren Jerusalemer Patriarch hier seinen Sitz hat, katholische Franziskaner, syrische und armenische Christen, äthiopische Abessinier oder ägyptische Kopten, alle feiern hier ihre Gottesdienste und empfangen ihre Pilger.

Da diese religiöse Kakophonie nicht immer konfliktfrei blieb und noch heute bisweilen in Handgreiflichkeiten übergeht, gibt es seit dem Jahr 1852 einen schriftlich fixierten und seither ständig erweiterten »Status Quo«, der die Gottesdienstordnung und die Aufteilung der Kirche bis ins letzte Detail regelt. Die Abessinier wurden im Lauf der Zeit ganz aus der Kirche verdrängt und richteten sich auf dem Dach ein. Grabesruhe, so zeigt der Dokumentarfilm »Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen« von Hajo Schomerus, kehrt hier auch nicht ein, wenn die muslimischen Türhüter, die als Neutrale schon mal Frieden zu stiften haben, die Pforten verschließen: Nachts findet der Reigen der Gottesdienste statt.

Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen, aber am liebsten möchte jeder Bewohner Eigenbedarf anmelden und die anderen loswerden. Schomerus' kommentarloses Porträt der bisweilen unübersichtlich und kafkaesk wirkenden Anlage ist zwangsläufig ein Dokument religiöser und menschlicher Differenzen. Der junge Franziskanerbruder Jayaseelan hat sich trotz seiner Offenheit für die religiöse Konkurrenz doch schon gewünscht, der Herr möge den Tempel angesichts des vielen Haders einstürzen lassen.

Schomerus lässt alle Konfessionen zu Wort kommen und der Laie schüttelt bisweilen den Kopf ob des Eigensinns, den er da zu sehen und zu hören bekommt: »Wenn hier die volle Orgel ertönt, dann ist es noch mal schöner, katholisch zu sein«, sagt der fröhliche rheinländische Pater Robert. Die anderen, das gibt er zumindest zu, sähen das anders.

Da die Wiederholung im Wesen des Rituals liegt, dreht sich auch der Film, von dem man sich etwas mehr Information gewünscht hätte, wie die Prozession der Gläubigen irgendwann etwas im Kreis.

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