Internationales Frauen Film Fest 2026
»Our Land, Our Freedom« (2026)
Empowerment statt Defätismus: Das Internationale Frauen Film Fest Dortmund + Köln (22.–26.4.2026)
Mit Rekordzahlen an BesucherInnen, vielen ausgebuchten Vorstellungen und lebhafter Beteiligung auf allen Ebenen ging am 26. April in Köln die seit langem erfolgreichste Ausgabe des Internationalen Frauen Film Fests Dortmund + Köln zu Ende. Dieser Zuspruch dürfte neben dem dringenden Bedarf an künstlerischen und sozialen Gegenentwürfen zur grassierenden Misogynie auch daran liegen, dass die langfristigen Bemühungen des Festivals zur Vernetzung mit anderen Film-Projekten und feministischen Initiativen ihre Wirkung zeigen. Mit Filmen aus fast vierzig Ländern war das IFFF auch Treffpunkt für Filmemacherinnen und Branchenfrauen weltweit.
Dabei versuchte das Team um Leiterin Maxa Zoller in den unterschiedlichen Sektionen die aktuelle politische Situation statt defätistisch als Anlass für Empowerment und Verschwesterung zu nehmen. Etwa in der Sektion Fokus, die sich unter dem Titel »Common Land« (englisch für Allmende) dem Thema vielerorts zerstörter Gemeinschaftlichkeit nähert. Ein Schwerpunkt, den Jury-Mitglied Athina Rachel Tsangari mit ihrer im letztjährigen IFFF-Wettbewerb gezeigten dystopischen Romanadaption »Harvest« angeregt hatte.
In »Our Land, Our Freedom« (Regie: Zippy Kimundu, Meena Nanji, 2023) organisiert die Tochter der legendären kenianischen UnabhängigkeitskämpferInnen Dedan und Mukami Kimathi erfolgreich eine Bewegung zur Landrückgabe für die Nachfahren einst enteigneter Mau-Mau-KämpferInnen. »Ôrí« von Raquel Gerber begleitet die sich seit 1989 formierende Schwarze Bewegung in Brasilien, die aus der afrikanischen Herkunftskultur entflohener Sklaven ein kulturelles Netzwerk bis in die Gegenwart trägt. Und »You Think the Earth Is a Dead Thing« von Florence Lazar erzählt vom Kampf ökologischer AktivistInnen gegen die Folgen einer Bananen-Monokultur auf Martinique, die zusätzlich zur Zerstörung kulturellen Wissens um die einstige florale Überfülle der Karibikinsel den Boden mit Pflanzenschutzgiften verseuchte.
Auch die Auswahl der acht Produktionen des Wettbewerbs für Spielfilme trotzte den täglichen Horrormeldungen mit Solidarität und kämpferischem Aufbegehren. Etwa »Nunkui«, in dem Verenice Benítez von einer indigenen Gemeinschaft im ecuadorianischen Amazonas-Tiefland erzählt, die mit den Erd-Geistern gegen die drohende Extraktion von Bodenschätzen kämpft. Der diesjährige Preisträger-Film »God Will Not Help« von Hana Jušić feiert die Freundschaft zweier Frauen in einer engen patriarchalen Dorfgemeinschaft. Und Jacqueline Jansens ohne offizielle Fördermittel gedrehter, auf Festivals sehr erfolgreicher niederrheinischer Heimatfilm »Sechswochenamt« ist schon durch seine Existenz ein Akt des Widerstands. Etwas weiter gefasst können aber auch die (vor nicht zu langer Zeit noch totgesagten) Frauenfilmfestivals selbst als aktiver Teil solch global vernetzter neuer »Commons« gedacht werden. Denn wie Ko-Kuratorin Betty Schiel bei ihren Anmoderationen gerne wiederholte: »It takes a whole village to make a festival.« Jedenfalls wenn es – wie das IFFF – trotz zentraler Festivalleitung weitgehend partizipatorisch organisiert ist.




Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns