Kritik zu Jimmy's Hall

Mit der Momentaufnahme aus dem Leben des irischen Aktivisten Jimmy Gralton, der 1932 wegen seines linken Engagements des Landes verwiesen wurde, liefert Ken Loach einen seiner hoffnungsvollsten Filme überhaupt

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Irland 1932: Nach zehn Jahren in den USA ist Jimmy Gralton zurückgekehrt, um nach dem Tod seines Bruders bei der Bewirtschaftung der elterlichen Farm zu helfen. In seinem Gepäck befinden sich ein Grammophon und Schallplatten mit amerikanischer Jazzmusik. Junge Menschen überreden ihn, die einstige Community Hall wiederaufzubauen: ein Gemeindezentrum als Ort des Zusammenseins, wo sich an Tanzabenden und in Studienkreisen eine eigenständige Arbeiterkultur entfalten kann.

Das gefällt allerdings nicht jedem, ganz besonders nicht dem lokalen Vertreter der katholischen Kirche: Als die Massen zur ­Eröffnung der Hall strömen, lässt Pater Sheridan die Namen der Ortsansässigen von seinen Helfern notieren und verliest diese am nächsten Sonntag von der Kanzel. Ein Mädchen wird daraufhin zu Hause von seinem Vater körperlich gezüchtigt.

Der Zorn über eine Kirche, die nach einer allumfassenden Kontrolle über das Leben der Menschen strebt und alles, was ihr nicht passt, als »kommunistisch« brandmarkt, ist deutlich spürbar in diesem Film. Die Figur des Pater Sheridan, des Hauptopponenten von Jimmy, hätte unter diesen Umständen leicht zu einer Klischeefigur werden können. Doch schließlich bekommen die beiden Kontrahenten doch einen gewissen Respekt voreinander. Als am Ende der festgenommene Jimmy im Polizeiwagen fortgeschafft wird, hält ausgerechnet Sheridan den Polizisten und den Menschen, die Jimmy anpöbeln, vor: »Er hatte mehr Mut und Integrität als ihr alle zusammen!«

Wie in seinem vorangegangenen Irlandfilm The Wind That Shakes the Barley (2006) zeigt Loach auch diesmal Irland als ein Land, das sich nicht ausschließlich durch den Konflikt mit den Briten definiert. Gerade im Zusammenspiel von Politik, Polizei, Kirche und Großgrundbesitzern wird deutlich, dass es hier um Klassenkampf geht. In einer der kraftvollsten Szenen des Films verhilft eine Menschenmenge einem von seinem Land vertriebenen Kleinpächter zur Rückkehr und lässt sich dabei auch nicht von den bewaffneten Hilfstrupps des Großgrundbesitzers einschüchtern. Solche Momente machen die Kraft des Films aus, der darüber hinaus auch die persönliche Geschichte Jimmy Graltons erzählt.

Gralton hat es wirklich gegeben, er war 1922 einer Verhaftung wegen seines politischen Engagements durch eine Flucht außer Landes entkommen, anschließend arbeitete er zehn Jahre in New York. Dass er während dieser Zeit die amerikanische Staatsbürgerschaft erwarb, machte es den irischen Behörden 1933 möglich, ihn als »unerwünschten Ausländer« auszuweisen. 1945 starb er in New York, ohne noch einmal Fuß auf irischen Boden gesetzt zu haben.

Barry Ward trifft diese Figur mit seiner Mischung aus Zurückhaltung und charismatischen Momenten. Die private Dimension, die Drehbuchautor Paul Laverty und Loach dieser Figur verleihen, verhindert, dass sie völlig funktional wird. Im Übrigen ist es schön zu sehen, dass in einem Loach-Film einmal aus den USA etwas Positives kommt: die Jazz- und Swingmusik.

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