Kritik zu X-Men: Dark Phoenix

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Shades of Grey: Die abschließende Folge der X-Men-Fantasyreihe wird dominiert von Sophie Turners Jean Grey

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Mit Jean Grey – »Game of Thrones«-Star Sophie Turner – bekommt eine der beliebtesten X-Men-Figuren ihren eigenen Film. Von der US-Kritik wurde dieser meist verrissen, unter anderem mit dem Argument, dass er für ein Finale nicht pompös genug sei. Dass irgendjemand diese zwölfte X-Men-Verfilmung (rechnet man zwei »Deadpool«-Filme hinzu) tatsächlich für das Ende der im Jahr 2000 begonnenen Saga halten könnte, wirkt indes unaufrichtig. Nicht nur, weil mit »X-Men: New Mutants« (2020) schon die nächste Generation in der Warteschleife steht. Längst liegt ein »Round-up« von X-Men und Avengern in der Luft, wenn auch in neuer Besetzung. So entpuppt sich das Finale vielmehr als Extratour à la »X-Men Origins: Wolverine«, zumal der Bogen von Jeans Kindheit bis zu ihrem (vorläufigen) Exit geschlagen wird.

Die Erzählung beginnt im Jahr 1975. Die Achtjährige, die ihre telekinetischen Kräfte noch nicht kontrollieren kann, verursacht einen schrecklichen Autounfall und wird von Xavier in seinem Begabteninternat unter die Fittiche genommen. 1992 gerät sie, als Teil eines Mutanten-Rettungsteams für eine Weltraummission, in einen Sonnensturm. Das führt zu einer fatalen Steigerung ihrer Kräfte – was, wie gehabt, Politikern den Vorwand liefert, um die Mutanten wegzusperren. Es wird Tote geben.

Das Regiedebüt von Simon Kinberg, einem langjährigen »X-Men«-Drehbuchautor, weist eine ähnliche Verteilung aus Psychodrama, gelungenen Schauwerten und lächerlicher Überfrachtung wie der Vorgänger »X-Men: Apocalypse« auf. So wird das Geschehen durch Aliens, die Jeans Kräfte anzapfen wollen, unnötig verkompliziert und mit Krawall übersättigt. Während die Actionszenen, etwa in einem Güterzug mit gefangenen X-Men, dennoch meist visuell packend sind, bleibt Jessica Chastain als Gestaltwandlerin, die Jean auf die dunkle Seite zu ziehen versucht, eine komplett überflüssige Figur.

Auf der Habenseite steht das düster-dramatische und mit heiligem Ernst durchgehaltene Bauprinzip der Saga: die Qual der Misfits, die mal als auszurottende Freaks betrachtet werden und mal als Superhelden die Achtung der Normalos erringen wollen. Der Konflikt wird durch Jean, die als Erwachsene ihren Vater aufsucht, auf die Höhe einer antiken Tragödie getrieben. Xavier, der sie als Kind aus guten Gründen mental manipulierte, ist mit schuld an Jeans explosiver Entwicklung. So packend der Dauerstreit zwischen Magneto und Xavier (dabei langsam in Richtung »Statler & Waldorf« gehend) auch ist – »Immer tut es dir leid, immer hältst du eine Rede«, ätzt Magneto Michael Fassbinder –, so beherzt wird Sophie Turner zur überlebensgroßen Dramaqueen gekürt. Und dann ist sie auch noch rothaarig. Als archetypisch unberechenbare weibliche Urgewalt, deren Gefühlsausbrüche die Welt ins Chaos stürzt, unterscheidet sie sich trotz ähnlicher Talente doch deutlich von der coolen Captain Marvel. Mit dieser Furie, die vor Wut in die Luft geht, endet die bisherige Reihe immerhin in einem anschaulichen Feuerwerk.

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