Netflix: »Unfamiliar«
»Unfamiliar« (Serie, 2026). © Netflix
Komplexes Spionage-Familiendrama im unwirtlichen Berlin mit einem hochklassigen Ensemble
Geschmackvoll heimelig ist es in dieser Restaurantküche: Dekorativ stehen dort Kräuter neben knackigem Gemüse, der Umgang ist freundlich. Liebevoll dekoriert der junge Koch Yul (Anand Batbileg Chuluunbaatar) eine Geburtstagstorte und steckt eine 16 hinein. Ebenso heimelig und zugleich seltsam bedrückend ist die vollgestellte, dunkle Wohnung, in der er sie wenig später zusammen mit Simon (Felix Kramer), seinem Chef und dem Vater des Geburtstagskindes Nina (Maja Bons), und deren Mutter Meret (Susanne Wolff) übergibt. Dazu bildet die Außenwelt den krassen Kontrast: ein unwirtliches Berlin voller anonymer Gebäudekomplexe sowie nüchternen Beton- und Stahlbauten, allen voran der riesige BND-Häuserblock.
Es sind die zwei Welten, in denen sich die Ex-Agenten Meret und Simon bewegen. Hinzu kommt das geheime Safe House, das sie mitten in der Hauptstadt betreiben und das naturgemäß hermetisch abgeschlossen ist. Es sind auch die Welten, in dem diese Netflix-Spionage-Serie von Headautor Paul Coates in der Regie von Lennart Ruff und Philipp Leinemann angesiedelt ist. Es kommt noch eine weitere Welt aus der Vergangenheit hinzu. Diese droht, eine Lebenslüge und das ein oder andere Geheimnis zu entlarven und das Glück der kleinen Familie zu zerstören. Es ist ein rasantes, nicht immer leicht zu durchschauendes Katz-und-Maus-Spiel, wie es sich für einen ordentlichen Agententhriller gehört. »Unfamiliar« bedient sich bekannter Motive wie das Setting Berlin als einstige Spion-Hauptstadt und spielt geschickt mit dem Genre – ohne jemals eine Schleife zu viel zu ziehen.
Gerade als Meret und Simon mit ihrer Tochter die Geburtstagstorte anschneiden wollen, werden sie ins Safe House gerufen. Ein Unbekannter mit tiefer Bauchwunde (Aaron Altars) sucht Schutz bei den ehemaligen BNDlern. Doch deren Instinkt ist auch nach Jahren noch mehr als wach. Schnell ist ihnen klar, dass der Mann sie in eine Falle locken will. Wenig zimperlich entledigen sie sich seiner. Der ehemalige MI6-Agent arbeitete als Söldner für den Chef einer privaten Sicherheitsfirma Jonas Auken (Andreas Pietschmann). Der wiederum steht, nicht ganz ohne Druck, in Diensten des russischen Agenten Josef Koleev (Samuel Finzi), der noch eine alte Rechnung mit Simon und Meret von einem Einsatz vor 16 Jahren in Belarus offen hat. Damals sollte Koleev auf Geheiß des damaligen BND-Russland-Chefs Gregor (Henry Hübchen) zurück nach Moskau. Auch damals ging es um Leben und Tod. Gestorben ist letztendlich niemand, aber das weiß nur Simon. So wie Meret über Jahre Simon im Dunkeln über ihre Beziehung zu Jonas gelassen hat. Da zerbröselt ein sicher geglaubtes und vermeintlich vertrauensvolles Gefüge. Das Unbekannte in der Familie bricht auf.
Susanne Wolff gibt diese Meret unbeteiligt, kühl, fast roboterhaft und deutet ihre Emotionen sehr subtil an. Kramer schlüpft in die Rolle des liebevollen, sanften Vaters und Ehemanns – mit vielen Geheimnissen. »Unfamiliar« ist bis in die kleinste Nebenrolle brillant besetzt und ein komplexes sowie herausragendes Agenten- und Familiendrama.
Trailer


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