Kritik zu Coming In

© Warner Bros.

Marco Kreuzpaintner erweitert das RomCom-Schema, das auf den ersten Blick unpassende Figuren zusammen bringt, um die Variante Schwuler
verliebt sich in eine Frau

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Zehn Jahre ist es her, dass Marco Kreuzpaintner seinen zweiten Spielfilm Sommersturm in die Kinos brachte, die Coming-Out-Geschichte eines jungen Ruderers in Bayern. Bis heute stellt der Film eine Ausnahme dar. Im Werk des Regisseurs, der anschließend die US-Produktion Trade – Willkommen in Amerika und das Fantasy-Abenteuer Krabat drehte. Aber auch im deutschen Kino allgemein, wo bis heute Filme, in denen das Thema Homosexualität mit den Mitteln des Mainstreams verhandelt wird, eher selten sind.

Nun ist auch Coming In, Kreuzpaintners erste Regiearbeit seit sechs Jahren, wieder die Geschichte eines schwulen Mannes. Nur dass Protagonist Tom Herzner (Kostja Ullmann) – seines Zeichens ein Starfriseur, der zum Launch einer neuen Pflegeserie nackt auf Berliner Bussen prangt – sich hier in eine Frau verliebt. Obwohl er seit Jahren mit Geschäftspartner Robert (Ken Duken) liiert und doch eigentlich der Vorzeigepromi der deutschen Schwulenszene ist. Obwohl Heidi (Aylin Tezel) – ihrerseits Friseurin – so ziemlich alles ist, was Tom eben nicht ist: aus Neukölln statt aus Mitte, wenig bewandert in Hochkultur, Fine Dining und anderen Schickeria-Gepflogenheiten. Und eben eine Frau.

Die vorab mehrfach geäußerte Befürchtung, Kreuzpaintner würde mit seinem neuen Film Verrat an »der schwulen Sache« begehen, erweist sich als unbegründet. Vielmehr bedient er sich für Coming In einfach am hundertfach erprobten Schema der romantischen Komödie und lässt zwei Menschen zusammenkommen, die eigentlich nicht zusammenzupassen scheinen. Die Kombination eines Schwulen und einer Frau ist da lediglich eine der letzten Neuerungen, die das Genre noch zulässt.

Das Problem des Films liegt deswegen weniger in irgendjemandes sexueller Orientierung, sondern eher im Drehbuch. Leider ist Coming In für eine Komödie zu selten witzig. Ganz zu schweigen davon, dass der ansprechend besetzte und visuell auf Teufel komm raus hochglanzpolierte Film ein Bild von der Liebe, von Männern und Frauen und auch von Berlin zeichnet, das mehr mit den Arbeiten von Schweighöfer oder Schweiger gemein hat als mit Kreuzpaintners emotional authentischem Sommersturm.

Ähnlich wie damals ist dem Regisseur, der auch am Skript mitschrieb, dennoch ein Film gelungen, der hierzulande seinesgleichen sucht. Denn dass in einer unverhohlen auf den Massengeschmack schielenden Produktion mit größter Selbstverständlichkeit gleich fünf der Hauptfiguren homosexuell sind, ist noch lange keine Normalität. Genauso wenig übrigens wie ein schwuler Protagonist, der sich zwar in eine Frau verliebt, aber dennoch selbst am Ende des Films weit davon entfernt ist, sich als heterosexuell zu identifizieren. Mindestens das macht Coming In – trotz aller RomCom-Klischees und wenig subtiler Figurenzeichnungen – zu einem sympathischen, ja sogar gewagten Unterfangen.

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