Kai Mihm

Filmkritiken von Kai Mihm

Eine Bande jugendlicher Neapolitaner will einen lokalen Mafiaboss entthronen, gerät aber in einen internen Konflikt. Der sich »realistisch« gebende Film »La paranza dei bambini« ist vor allem ein klassisches, wenig originelles Gangsterdrama, das sich zu sehr an den Vorbildern orientiert, von Cagney über Coppola bis Leone
Das Porträt einer Langzeitarbeitslosen, die in eine Spirale aus Not und Betrug gerät, gewinnt allein durch das beeindruckende Spiel Michelle Pfeiffers an Interesse. Die Geschichte selbst bleibt unausgegoren und wirkt am Ende nur trivial: »Wo ist Kyra?«
Ein Arzt fühlt sich für den Tod eines kleinen Jungen verantwortlich – aber ist er es auch? Vahid Jalilvands konzentriert inszeniertes und meisterhaft gespieltes Drama »Eine moralische Entscheidung« verhandelt Gewissensfragen und ist am Ende vor allem ein bewegendes Plädoyer für Humanismus
Eine junge Amerikanerin freundet sich mit einer alternden Französin an – die sich jedoch als Stalkerin entpuppt. »Greta« ist ein hervorragend besetzter, aber einfallsloser, B-Thriller vom einstigen Meisterregisseur Neil Jordan
Harmony Korines Komödie »Beach Bum« über einen verschrobenen Poeten in Miami Beach hat Charme, wirkt aber zu kalkuliert, um als echte Stoner-Komödie zu funktionieren
Dokumentarfilm über die »exklusivste Privatschule der Welt«, natürlich in der Schweiz. Doch anstatt einen kritisch-fragenden Blick auf eine Bildungsparallelwelt zu werfen, wird »Die Schule auf dem Zauberberg« immer mehr zum harmlosen Porträt eines einzigen, durchaus sympathischen Schülers. Das Potenzial des Themas wird dadurch verschenkt
Verfilmung des Bestsellers über eine schwarze Schülerin, deren Jugendfreund von einem weißen Cop erschossen wird – wodurch sie an einen Wendepunkt ihres Lebens gerät. Kraftvoll inszeniert und durchweg herausragend gespielt. Der Film zur Zeit und politisches Kino par excellence: »The Hate U Give«
Ein kinderloses Paar nimmt drei Pflegekinder auf und merkt, dass das keine leichte Aufgabe ist. Mit Rose Byrne und Mark Wahlberg in den Hauptrollen überzeugt »Plötzlich Familie« als liebevoll ironisches Porträt einer Pflegefamilie und besticht durch hintergründigen Humor. Leider wird der gute Ansatz immer wieder von unnötigem ­Klamauk und flachen Gags unterlaufen
Ein Vater versucht verzweifelt, seinen Sohn aus der Drogensucht zu befreien. Klug aufgebaut und sehr gut gespielt, verliert »Beautiful Boy« durch die allzu gediegene Inszenierung an Kraft und entwickelt nicht die dem Thema angemessene verstörende Wucht
In seinem Cannes-Gewinnerfilm »Shoplifters« zeichnet Kore-­eda das sensible Porträt einer eigentümlichen Familie von Dieben und Betrügern. Sein stiller Film ist gleichermaßen das Por­trät japanischer Rezessionsverlierer und eine Reflexion über die Definition von »Familie«

Weitere Inhalte zu Kai Mihm

Thema
Mit so unterschiedlichen Filmen wie »Elliot, der Drache« und »A Ghost Story« hat der Regisseur David Lowery sich als feste Größe etabliert – und arbeitet doch irgendwie unter dem Radar. Der Start seines neuen Films »Ein Gauner & Gentleman« mit Robert Redford bietet willkommenen Anlass für einen näheren Blick auf sein Werk
Tipp
Michael Douglas und Alan Arkin in einer tragikomischen Serie über zwei alte Showbiz-Haudegen
Thema
Seit 20 Jahren ist Billy Crudup einer der souveränsten Schauspieler des amerikanischen Kinos. Nur zum Star hat es irgendwie nie gereicht. In diesem Monat spielt er gleich zwei markante Nebenrollen in denkbar gegensätzlichen Filmen, Ridley Scotts »Alien: Covenant« und in der Charakterstudie »Jahrhundertfrauen«
Thema
Egal ob als Musketier, Politberater oder Krokodilforscher: Oliver Platt gehört zu den verlässlichsten Nebendarstellern des amerikanischen Kinos. Diesen Monat spielt er an der Seite von Naomi Watts in dem Psychothriller »Shut In«
Tipp
Caged Heat: Nicolas Cage ist der König der DVD-Premieren – aber sind die Filme wirklich so schlecht?
Thema
Mit der richtigen Mischung aus Blockbusterware und Independent-Filmen hat Shailene Woodley sich als eine der vielversprechendsten jungen Schauspielerinnen Hollywoods etabliert. Diesen Monat spielt sie eine Hauptrolle in Oliver Stones »Snowden«
Thema
Früher konnten TV-Stars im Kino nichts werden. Heute läuft das ganz anders – vor allem für die Schauspieler aus der Kultshow »Game of Thrones«
Tipp
Kein Zuhause, nirgends – Richard Gere als Obdachloser in einem Film, der in den Bann zieht
Tipp
Neben dem zurückgenommen und überraschend seelenvoll aufspielenden Arnold Schwarzenegger ist auch die visuelle Gestaltung des Films bemerkenswert
Tipp
Ein junger Palästinenser muss sich in einer jüdischen Eliteschule mit seiner Identität auseinandersetzen: Hervorragend gespielt und sensibel inszeniert, besticht der Film als politisches Statement ebenso wie als berührende Jugendgeschichte