Kai Mihm

Filmkritiken von Kai Mihm

Harmony Korines Komödie »Beach Bum« über einen verschrobenen Poeten in Miami Beach hat Charme, wirkt aber zu kalkuliert, um als echte Stoner-Komödie zu funktionieren
Dokumentarfilm über die »exklusivste Privatschule der Welt«, natürlich in der Schweiz. Doch anstatt einen kritisch-fragenden Blick auf eine Bildungsparallelwelt zu werfen, wird »Die Schule auf dem Zauberberg« immer mehr zum harmlosen Porträt eines einzigen, durchaus sympathischen Schülers. Das Potenzial des Themas wird dadurch verschenkt
Verfilmung des Bestsellers über eine schwarze Schülerin, deren Jugendfreund von einem weißen Cop erschossen wird – wodurch sie an einen Wendepunkt ihres Lebens gerät. Kraftvoll inszeniert und durchweg herausragend gespielt. Der Film zur Zeit und politisches Kino par excellence: »The Hate U Give«
Ein kinderloses Paar nimmt drei Pflegekinder auf und merkt, dass das keine leichte Aufgabe ist. Mit Rose Byrne und Mark Wahlberg in den Hauptrollen überzeugt »Plötzlich Familie« als liebevoll ironisches Porträt einer Pflegefamilie und besticht durch hintergründigen Humor. Leider wird der gute Ansatz immer wieder von unnötigem ­Klamauk und flachen Gags unterlaufen
Ein Vater versucht verzweifelt, seinen Sohn aus der Drogensucht zu befreien. Klug aufgebaut und sehr gut gespielt, verliert »Beautiful Boy« durch die allzu gediegene Inszenierung an Kraft und entwickelt nicht die dem Thema angemessene verstörende Wucht
In seinem Cannes-Gewinnerfilm »Shoplifters« zeichnet Kore-­eda das sensible Porträt einer eigentümlichen Familie von Dieben und Betrügern. Sein stiller Film ist gleichermaßen das Por­trät japanischer Rezessionsverlierer und eine Reflexion über die Definition von »Familie«
Ein bekiffter Slacker aus L.A. wird zum Hobbydetektiv und gerät in einen Strudel aus Paranoia und Verschwörungstheorien. ­David Robert Mitchells zitatreicher Neo-Noir ergibt wenig Sinn – soll er auch nicht, denn er ist eine clevere Mischung aus Genrereflexion, surrealem Paranoia-Thriller und augenzwinkernder Parodie: »Under the Silver Lake«
Ein orientierungsloser 18-Jähriger verliebt sich in eine lebenserfahrene Mittdreißigerin. Heillos überfrachtet, changiert der Tonfall zwischen unlustiger Komödie und prätentiöser Coming-of-Age-Geschichte: »Krystal«
Eine US-Spezialeinheit muss einen Überläufer durch eine asiatische Metropole zum Flugplatz bringen – an jeder Ecke lauern Killerkommandos. »Mile 22« ist ein handwerklich solider, aber unorigineller und politisch reaktionärer Actionthriller, der in keiner Weise an die besten Filme des Gespanns Peter Berg/Mark Wahlberg heranreicht
Bei einem großen Familienfest auf einer italienischen Insel brechen alte und neue Konflikte auf – klingt abgedroschen? Ist es auch. Banale Konflikte und eine unentschiedene Dramaturgie sorgen nicht für große Gefühle, sondern vor allem für gähnende Langeweile: »Zuhause ist es am Schönsten«

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Mit so unterschiedlichen Filmen wie »Elliot, der Drache« und »A Ghost Story« hat der Regisseur David Lowery sich als feste Größe etabliert – und arbeitet doch irgendwie unter dem Radar. Der Start seines neuen Films »Ein Gauner & Gentleman« mit Robert Redford bietet willkommenen Anlass für einen näheren Blick auf sein Werk
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Michael Douglas und Alan Arkin in einer tragikomischen Serie über zwei alte Showbiz-Haudegen
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Seit 20 Jahren ist Billy Crudup einer der souveränsten Schauspieler des amerikanischen Kinos. Nur zum Star hat es irgendwie nie gereicht. In diesem Monat spielt er gleich zwei markante Nebenrollen in denkbar gegensätzlichen Filmen, Ridley Scotts »Alien: Covenant« und in der Charakterstudie »Jahrhundertfrauen«
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Egal ob als Musketier, Politberater oder Krokodilforscher: Oliver Platt gehört zu den verlässlichsten Nebendarstellern des amerikanischen Kinos. Diesen Monat spielt er an der Seite von Naomi Watts in dem Psychothriller »Shut In«
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Caged Heat: Nicolas Cage ist der König der DVD-Premieren – aber sind die Filme wirklich so schlecht?
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Mit der richtigen Mischung aus Blockbusterware und Independent-Filmen hat Shailene Woodley sich als eine der vielversprechendsten jungen Schauspielerinnen Hollywoods etabliert. Diesen Monat spielt sie eine Hauptrolle in Oliver Stones »Snowden«
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Früher konnten TV-Stars im Kino nichts werden. Heute läuft das ganz anders – vor allem für die Schauspieler aus der Kultshow »Game of Thrones«
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Kein Zuhause, nirgends – Richard Gere als Obdachloser in einem Film, der in den Bann zieht
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Neben dem zurückgenommen und überraschend seelenvoll aufspielenden Arnold Schwarzenegger ist auch die visuelle Gestaltung des Films bemerkenswert
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Ein junger Palästinenser muss sich in einer jüdischen Eliteschule mit seiner Identität auseinandersetzen: Hervorragend gespielt und sensibel inszeniert, besticht der Film als politisches Statement ebenso wie als berührende Jugendgeschichte