Netflix: »Agatha Christie's Seven Dials«

»Agatha Christies Seven Dials« (Miniserie, 2025). © Netflix

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Eine junge Frau ermittelt in einem mysteriösen Todesfall

Rund zehn Jahre ist es her, dass ein großes Agatha-Christie-Revival einsetzte, das ursprünglich vor allem ein paar Miniserien und Kenneth Branaghs eindrucksvollen Schnurrbart in der Rolle des neuen Kino-Poirots hervorbrachte. Inzwischen ist daraus ein allgemeiner Whodunit-Boom erwachsen, der bislang auch die Ermittlungen von Daniel Craig als Benoit Blanc, Adam Sandlers »Murder Mystery«-Filme sowie gleich zwei verschiedene Serien mit Mandy Patinkin nach sich zog. Ein Ende ist nicht abzusehen, denn nun mischt Netflix mit einer neuen Serie weiter mit – und gönnt der Grande Dame des Genres bei »Agatha Christie's Seven Dials« sogar eine Titelnennung.

Als Vorlage für seinen Dreiteiler dient Chris Chibnall (der sich unter anderem »Broadchurch« ausdachte und einige Jahre lang Showrunner bei »Doctor Who« war) mit »Der letzte Joker« aus dem Jahr 1929 einer von Christies schwächsten Romanen. Die wesentlichen Bestandteile behält er bei, nicht ohne Veränderungen beim Personal und Plotting. Nach einer Party auf dem herrschaftlichen Anwesen, das Lady Caterham (Helena Bonham Carter) und Tochter Bundle (Mia McKenna-Bruce) aus Geldgründen den Sommer über vermieten, wacht einer der Gäste am nächsten Morgen nicht wieder auf.

Davon, dass der fürs Außenministerium tätige Gerry Wade (Corey Mylchreest) sich selbst getötet hat, ist mindestens Bundle aller Indizien zum Trotz nicht überzeugt. Und das nicht nur, weil er kurz davor stand, ihr einen Antrag zu machen. Als Bundle auf eigene Faust beginnt, nach der Wahrheit zu suchen, verliert nicht nur ein weiterer ihrer Bekannten sein Leben, sondern sie muss auch feststellen, dass sie selbst von einem Mann beschattet wird, der sich als Superintendent Battle (Martin Freeman) herausstellt. Bald führt die Spur in einen Nachtclub im verrufenen Londoner Stadtteil Seven Dials, und als schließlich eine Feierlichkeit bevorsteht, zu der ein nicht nur vom Ministerium umworbener Wissenschaftler (Nyasha Hatendi) samt einer revolutionären Erfindung erwartet wird, überschlagen sich die Ereignisse.

So dezent Chibnall sich bemüht, die Umsetzung der Geschichte zu modernisieren (etwa im Erzähltempo oder mit geradezu obligatorischen, sich hier allerdings erst spät erschließenden Rückblenden), so traditionell kommt die Serie doch daher. Vom Setting in den ausgehenden 1920er Jahren bis zu Kostümen und Kulissen bleibt hier das meiste Christies Buch treu. Weswegen auch niemand rasante Spannung statt gediegener Unterhaltung erwarten sollte.

Das Reizvollste an »Agatha Christie's Seven Dials« ist der neue Fokus, der hier ganz eindeutig auf Bundle liegt. Mia McKenna-Bruce verleiht der Geschichte in ihrer ersten großen Rolle seit dem Durchbruch mit »How to Have Sex« eine angenehme, fast kecke Frische. Und während sich an ein Update von Miss Marple weiterhin niemand zu wagen scheint, eröffnet das (übrigens ganz der Vorlage entsprechende) Ende der Serie sogar die Option weiterer Fälle für diese sympathisch forsche Quasi-Ermittlerin.

OV-Trailer

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