DVD-Tipp: »Das Phantom der Oper« (1998)

»Das Phantom der Oper« (1998). © Plaion Pictures

© Plaion Pictures

Ein mysteriöser Mann verliebt sich in eine Sängerin. Dario Argentos zweite Version des Stoffes in UHD

Mehrfach ist Gaston Leroux' Schauerroman »Das Phantom der Oper« von 1910 verfilmt worden, zuletzt 2004 mit Gerard Butler in der Rolle des Mannes, der sein entstelltes Gesicht hinter einer Maske verbirgt, in den Katakomben unter der Pariser Oper haust und sich unsterblich in eine junge Sängerin verliebt, der er mit allen Mitteln zum Durchbruch auf der Bühne verhelfen will. Dieser Film basierte auf der populären Musicalversion von Andrew Lloyd Webber. Vergleichsweise unbekannt geblieben ist die Fassung, die Dario Argento 1998 inszenierte. In Deutschland kam sie als Videopremiere heraus, in der gekürzten internationalen Fassung. Nachdem die integrale Fassung bereits vor einigen Jahren auf Blu-ray erschien, liegt sie jetzt als UHD mit neuem Bonusmaterial vor.

Mit »Opera« hatte Argento bereits 1987 eine in die Gegenwart versetzte Variation des Stoffes inszeniert – ein Film mit delirierenden Kamerabewegungen und kunstvoll arrangierten Morden. Elf Jahre später beginnt Argentos Neuinterpretation mit Außenaufnahmen einer Pferdekutsche. Danach wird er das Opernhaus und die Katakomben nur noch für eine Sequenz verlassen. Die Kamera sucht die Nähe zu den Figuren, erzeugt in der Enge der Garderoben, der Gänge und im Labyrinth der Katakomben eine Klaustrophobie, von der sich Szenen im Opernraum und auf einem unterirdischen Fluss abheben, wo das Phantom die Sängerin auf einer Barke in sein Reich entführt – Bilder von großer visueller Schönheit, die Arnold Böcklins Gemälde »Die Toteninsel« heraufbeschwören.

Für einen gepflegten Kostümfilm sind die Mordszenen zu heftig. Sie wirken ebenso gegenwärtig wie die Heraufbeschwörung des Maschinenzeitalters durch eine vom Rattenfänger der Oper konstruierte Tötungsmaschine, die sein Handwerk erleichtert. Die Ratten sind ein wesentliches Element des Films. Das Phantom wurde als Baby ausgesetzt und von den Ratten aufgezogen – eine Szene zeigt das innige Verhältnis zwischen ihnen auf sexualisierte Weise. Julian Sands kann seine Präsenz wegen einer unvorteilhaften Langhaarperücke nur begrenzt entfalten. So bleibt die junge Sängerin als interessanteste Figur: Im Original die reine Unschuld, schwankt sie hier zwischen Hingabe und Ablehnung. Asia Argento, die Tochter des Regisseurs, verkörpert diesen Widerspruch in einem Film, der in vielem unentschieden wirkt, aber seine Momente hat – sofern man sich von den Erwartungen an einen Argento-Film freimachen kann.

Die Neuausgabe besitzt die Extras der ersten deutschen Blu-ray. Das Wichtigste: der Audiokommentar der Argento-Experten Marcus Stiglegger und Kai Naumann, der den Film in Argentos Werk einordnet. Neu ist der Booklettext von Stiglegger. Dazu kommen aktuelle Interviews mit dem Regisseur und Beteiligten.



Das Phantom der Oper I 1998 R: Dario Argento. Da: Julian Sands, Asia Argento, Andrea DiStefano. Anbieter: Plaion.

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