DVD-Tipp: »Die Akte Maldoror« (2024)

»Die Akte Maldoror« (2024). © Capelight

© Capelight

Ein Polizist kommt in Belgien auf die Spur eines Pädophilenrings.

Der Fall Jeffrey Epstein dürfte die Schlagzeilen noch längere Zeit beherrschen, solange die US-Regierung die Akten des verurteilten Sexualstraftäters weiterhin nur zögerlich freigibt. Zuletzt fiel sie durch das Nichtschwärzen der Bilder von Opfern auf, während Täternamen nach wie vor kaum an die Öffentlichkeit gelangen, obwohl mittlerweile klar sein dürfte, dass viele mächtige Männer (und auch Frauen) die Nähe zu Epstein suchten. Daran dürfte der Zuschauer immer wieder denken, wenn er heute diesen Film sieht, der seine Premiere 2024 beim Filmfestival von Venedig hatte.

Denn »Die Akte Maldoror«, inspiriert vom Fall des belgischen Kinderschänders und Mörders Marc Dutroux, legt nahe, dass es sich damals nicht um einen Einzeltäter handelte, sondern dass im Hintergrund ein Pädophilenring stand, dem zahlreiche Amtsträger angehörten. Regisseur und Co-Autor Fabrice du Welz, dessen Langfilmdebüt 2004 den programmatischen Titel »Calvaire« (Leidensweg) trug, hat es immer wieder geschafft, die Zuschauer mit verstörenden Gewaltmomenten zu schockieren, so dass man hier auf Ähnliches gefasst ist, zumal schon frühere belgische Spielfilme zum Thema wenig zimperlich waren. Auch ein besonderer Dank an Tobe Hooper, den Regisseur von »The Texas Chainsaw Massacre«, im Nachspann weist in diese Richtung. Umso mehr überrascht »Die Akte Maldoror« dann, weil er seinen Fokus nicht auf den Täter, sondern auf einen ermittelnden Polizisten setzt.

Paul Chartier hat 1995 gerade seinen Dienst bei der Gendarmerie in einer Kleinstadt angetreten und wird bei einem Einsatz mit der eigenen Ohnmacht konfrontiert. Mit seiner aufbrausenden Natur kann man ihn sich gut als jemanden vorstellen, der das Gesetz in die eigenen Hände nimmt. »Die Polizei hier ist nicht Miami Vice!«, muss er sich von seinem Vorgesetzten sagen lassen. Der erkennt jedoch die Einsatzbereitschaft und die Fähigkeiten des jungen Mannes und engagiert ihn und seinen älteren Kollegen für die »Operation Maldoror«, die gegen einen bekannten Kriminellen ermitteln soll. Marcel Dedieu wurde bereits einmal verurteilt wegen Sexualdelikten, scheint sich derzeit allerdings in seiner Werkstatt mit gefälschten Autokennzeichen zufriedenzugeben. Dies sei »ausschließlich eine Überwachungsoperation«, schärft ihm sein Chef ein, doch damit kann sich Paul nicht begnügen, schließlich geht es bei den zwei verschwundenen jungen Mädchen um einen Wettlauf gegen die Zeit.

Paul überschreitet wiederholt Grenzen, was ihn immer mehr in die Isolation treibt, auch von seiner eben erst angetrauten Frau entfremdet er sich zunehmend – kein neues Erzählmuster im Kriminalfilm, aber so, wie Anthony Bajon die wachsende Obsession seiner Figur verkörpert, durchaus einnehmend. Motiviert wird sein Handeln auch dadurch, dass er selbst aus einer dysfunktionalen und kriminellen Familie stammt. Am Ende stehen ein Akt der Verzweiflung, Resignation und ein kleiner Hoffnungsschimmer.



Die Akte Maldoror B/F 2024 R: Fabrice du Welz.
Da: Anthony Bajon, Sergi López, Laurent Lucas,
Jackie Berroyer. Anbieter: Capelight.

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